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Sie wurden befreit und vor ihnen öffneten sich die Türen zu einem neuen Leben

29. Juni 2024 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Franziskus zum Hochfest St. Peter und Paul: Auch wir brauchen einen Blick, der erkennen kann, welche Türen der Herr für die Verkündigung des Evangeliums öffnet


Rom (kath.net) „Auch in der Geschichte von Petrus und Paulus gibt es Pforten, die sich öffnen. Denken wir darüber nach“: Papst Franziskus stand der heiligen Messe zum Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus in der Petersbasilika vor.

Wie jedes Jahr an Peter und Paul segnete der Papst die Pallien, die für die im Lauf des Jahres ernannten Metropolitan-Erzbischöfe bestimmt sind. Es handelt sich bei den Ehrenzeichen um mit Kreuzen bestickte weiße Schulterbänder. Sie sollen die besondere Verbundenheit der Erzbischöfe mit Rom ausdrücken.

Die Kirche gedenkt der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni. Sie starben der Überlieferung nach um das Jahr 64 als Märtyrer in Rom und sind auch Schutzheilige der Stadt, weshalb der Tag in Rom und im Vatikan Feiertag ist. Seit mehr als 40 Jahren kommt eine orthodoxe Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zu den Feierlichkeiten. Der Vatikan seinerseits entsendet jeweils zum Andreasfest am 30. November eine Delegation zu den Feierlichkeiten mit Patriarch Bartholomaios anlässlich des Patronatsfests des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul.

***

„Verweilen wir am Vorabend des Heiligen Jahres gerade bei dem Bild der Tür. Das Heilige Jahr wird nämlich eine Zeit der Gnade sein, in der wir die Heilige Pforte öffnen, damit alle die Schwelle jenes lebendigen Heiligtums überschreiten können, das Jesus ist, und in ihm die Liebe Gottes erfahren können, durch die die Hoffnung gestärkt und die Freude erneuert wird. Auch in der Geschichte von Petrus und Paulus gibt es Pforten, die sich öffnen. Denken wir darüber nach.“

kath.net veröffentlicht die Predigt des Heiligen Vaters am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus 2024:

Blicken wir auf die beiden Apostel Petrus und Paulus: den Fischer aus Galiläa, den Jesus zu einem Menschenfischer machte; den Pharisäer, der die Kirche verfolgte und durch die Gnade zum Missionar der Heiden wurde. Lassen wir uns im Licht des Wortes Gottes von ihrer Geschichte inspirieren, vom apostolischen Eifer, der ihren Lebensweg geprägt hat. Als sie dem Herrn begegneten, machten sie eine wahrhaft österliche Erfahrung: Sie wurden befreit und vor ihnen öffneten sich die Türen zu einem neuen Leben.


Brüder und Schwestern, verweilen wir am Vorabend des Heiligen Jahres gerade bei dem Bild der Tür. Das Heilige Jahr wird nämlich eine Zeit der Gnade sein, in der wir die Heilige Pforte öffnen, damit alle die Schwelle jenes lebendigen Heiligtums überschreiten können, das Jesus ist, und in ihm die Liebe Gottes erfahren können, durch die die Hoffnung gestärkt und die Freude erneuert wird. Auch in der Geschichte von Petrus und Paulus gibt es Pforten, die sich öffnen.

Die erste Lesung berichtet von der Begebenheit der Befreiung Petri aus dem Gefängnis; dieser Bericht enthält viele Bilder, die uns an die Pascha-Erfahrung erinnern: die Episode ereignet sich während des Festes der Ungesäuerten Brote; Herodes erinnert an die Gestalt des ägyptischen Pharaos; die Befreiung geschieht in der Nacht, wie einst bei den Israeliten; der Engel gibt Petrus dieselben Anweisungen, die auch Israel gegeben worden waren: schnell aufzubrechen, sich zu gürten, die Sandalen anzuziehen (vgl. Apg 12,8; Ex 12,11). Was uns erzählt wird, ist also ein neuer Exodus: Gott befreit seine Kirche, er befreit sein Volk, das in Ketten liegt, und erweist sich erneut als Gott der Barmherzigkeit, der ihnen auf ihrem Weg Halt gibt.

Und in jener Nacht der Befreiung öffnen sich zunächst auf wundersame Weise die Gefängnistüren; dann heißt es von Petrus und dem ihn begleitenden Engel, dass sie »an das eiserne Tor [kamen], das in die Stadt führt; es öffnete sich ihnen von selbst« (Apg 12,10). Nicht sie sind es, die das Tor öffnen, es öffnet sich von selbst. Gott ist es, der die Türen öffnet, er ist es, der befreit und den Weg ebnet. Wie wir im Evangelium gehört haben, hat Jesus dem Petrus die Schlüssel des Reiches Gottes anvertraut; aber Petrus erlebt, dass es der Herr ist, der die Türen zuerst öffnet, immer ist er uns voraus. Und dann ist da noch eine merkwürdige Tatsache: Die Türen des Gefängnisses haben sich durch die Kraft des Herrn geöffnet, aber Petrus hat dann Schwierigkeiten, das Haus der christlichen Gemeinschaft zu betreten: Diejenige, die zur Tür geht, hält ihn für ein Gespenst und öffnet ihm nicht (vgl. Apg 12,12-17). Wie oft versäumen es Gemeinschaften, diese Weisheit des Türöffnens zu lernen!

Auch der Weg des Apostels Paulus ist in erster Linie eine österliche Erfahrung. Zunächst wird er nämlich auf der Straße nach Damaskus vom Auferstandenen verwandelt und dann entdeckt er durch die beständige Betrachtung des gekreuzigten Christus die Gnade der Schwachheit: Wenn wir schwach sind, so sagt er, dann sind wir in Wirklichkeit stark, weil wir uns nicht mehr an uns selbst, sondern an Christus klammern (vgl. 2 Kor12,10). Vom Herrn ergriffen und mit ihm gekreuzigt, schreibt Paulus: »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal2,20). Das Ziel all dessen ist nicht eine rein innerliche und trosthafte Religiosität – wie einige Bewegungen in der Kirche sie heute aufweisen: eine Salon-Spiritualität; im Gegenteil, die Begegnung mit dem Herrn entfacht im Leben des Paulus einen Eifer für die Evangelisierung. Wie wir in der zweiten Lesung gehört haben, erklärt er am Ende seines Lebens: »Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Völker sie hören« (2 Tim4,17).

Gerade wenn er erzählt, wie der Herr ihm so viele Gelegenheiten gegeben hat, um das Evangelium zu verkünden, verwendet Paulus das Bild der offenen Türen. So heißt es über seine Ankunft in Antiochia zusammen mit Barnabas: »Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte« (Apg14,27). Ebenso sagt er zur Gemeinde von Korinth: »Denn weit und wirksam ist mir hier eine Tür geöffnet worden« (1 Kor 16,9); und an die Kolosser schreibt er: »Betet auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffnet für das Wort und wir vom Geheimnis Christi sprechen können« (Kol 4,3).

Brüder und Schwestern, die beiden Apostel Petrus und Paulus haben diese Gnadenerfahrung gemacht. Sie erlebten unmittelbar das Wirken Gottes, der die Türen ihres inneren Gefängnisses und auch der wirklichen Gefängnisse öffnete, in denen sie wegen des Evangeliums eingesperrt waren. Und darüber hinaus öffnete er ihnen auch die Türen zur Evangelisierung, so dass sie die Freude erleben konnten, ihren Brüdern und Schwestern in den jungen Gemeinden zu begegnen und allen die Hoffnung des Evangeliums zu bringen. Und auch wir bereiten uns dieses Jahr darauf vor, die Heilige Pforte zu öffnen.

 Brüder und Schwestern, heute erhalten die im vergangenen Jahr ernannten Erzbischöfe Metropoliten das Pallium. In Gemeinschaft mit Petrus und nach dem Vorbild Christi, der die Tür zu den Schafen ist (vgl. Joh 10,7), sollen sie eifrige Hirten sein, die die Türen des Evangeliums öffnen und durch ihren Dienst dazu beitragen, eine Kirche und eine Gesellschaft mit offenen Türen aufzubauen.

Und ich grüße mit brüderlicher Zuneigung die Delegation des Ökumenischen Patriarchats: Danke, dass Sie gekommen sind, um den gemeinsamen Wunsch nach der vollen Gemeinschaft unserer Kirchen zu bekunden. Ich sende einen aufrichtigen und herzlichen Gruß an meinen Bruder, an meinen lieben Bruder Bartholomäus.

Mögen die Heiligen Petrus und Paulus uns helfen, die Tür unseres Lebens für Jesus, den Herrn, zu öffnen, und mögen sie für uns, für die Stadt Rom und für die ganze Welt Fürsprache einlegen. Amen.

 


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