Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  4. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  5. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  6. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  7. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  10. „Das Ende von Maria 2.0“
  11. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  12. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  13. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  14. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  15. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus

Kirchlicher Impf-Aktivismus und geplante Impfsimulation von Priestern

10. August 2021 in Kommentar, 21 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Die Impfstraße im Wiener Stephansdom gefährdet den innerkirchlichen Gesellschaftsvertrag - Ein Gastkommentar von Christian Spaemann


Wien (kath.net)

Jetzt ist es soweit, von kommendem Donnerstag an, bis Sonntag, Mariä Himmelfahrt, wird im Wiener Stephansdom von morgens bis abends, auch während der hl. Messen, geimpft. Wie aus Mails an Priester der Erzdiözese Wien hervorgeht, werden noch händeringend zwei Priester gesucht, die bereit sind, sich während der am kommenden Mittwoch stattfindenden Pressekonferenz vor laufender Kamera einer Impf-Simulation zu unterziehen. Dieses kirchliche Schmierentheater kann nur im Zusammenhang mit einer, Jahre zurückreichenden Entwicklung verstanden werden. Es geht um nichts weniger als eine schleichende Auflösung dessen, was man als innerkirchlichen Gesellschaftsvertrag bezeichnen könnte. Was ist damit gemeint?

Die Amtsträger der Kirche, vom Papst bis hinab zum Kaplan in der Pfarrei nebenan, werden von den Gläubigen nicht gewählt. Die Akzeptanz dieser nichtdemokratischen Struktur der Kirche durch Christen, die es ansonsten gewohnt sind, als freie Bürger in einer demokratischen Gesellschaft zu agieren, ist nicht voraussetzungslos. Diese Akzeptanz impliziert nämlich, dass sich die Amtsträger der Kirche als Sachwalter ihres Gründers verstehen. Dazu gehört, dass sie mit Verlässlichkeit und Transparenz die objektiven Angelegenheiten des Glaubens, der Sakramente, der Seelsorge und der Moral vertreten, so dass sich Gläubige unterschiedlicher Herkunft und sozialer Stellung und unterschiedlicher politischer und wissenschaftlicher Ansichten mit dem Handeln ihrer Bischöfe identifizieren können.


Hierzu gehört auch, die Freiheitsrechte der Menschen, ihre Würde und ihre Unversehrtheit zu verteidigen. Im konkreten Fall hieße das, nicht Impfstraßen in Sakralräumen aufzubauen oder das Wohlgefallen der Behörden erregen zu wollen, sondern sich umgekehrt gerade in dieser Situation gegen jede Art von gesellschaftlichem Zwang zur Impfung stark zu machen. Pius XI war es, der sich 1930 in seiner Enzyklika Casti connubii in prophetischer Weise vehement für die körperliche Integrität des Menschen gegenüber staatlichen Übergriffen eingesetzt hat. Die derzeit laufende Impfkampagne ist in ihrem Ausmaß und ihren Folgen für unsere Gesellschaft sowohl unter den Spitzen der medizinischen Wissenschaft, als auch unter Top-Juristen und Staatsrechtlern höchst umstritten.

Wenn sich hier Amtsträger der Kirche öffentlich auf eine Seite schlagen, stellt dies einen, für viele Gläubige unerträglichen Klerikalismus dar. Dieser Klerikalismus hat sich schon seit vielen Jahren angebahnt. Denken wir nur an die Eigenmächtigkeiten in der Liturgie oder die einseitige Haltung vieler Bischöfe in der Migrationskrise, die christliche Kritiker der Migrationspolitik ohne sachliche theologische Grundlage ausgegrenzt hat. Diese Eigenmächtigkeiten führen zu einem allmählichen Prozess der Delegitimierung und des Autoritätsverlustes der kirchlichen Hierarchie, für den man vor allem in der staats- und kirchensteuerfinanzierten Kirche der Länder deutscher Sprache blind zu sein scheint. Zurück zur Impfstraße im Wiener Stephansdom.

In der Coronakrise wurde und wird in vielen Staaten dieser Erde durch den Einfluss mächtiger Konzerne, die Begehrlichkeiten der Politik und das Agieren keineswegs unabhängiger Medien mit Berufung auf die Wissenschaft ein scheinbar alternativloser Diskursrahmen vorgegeben. Solch eine Konstellation ist immer problematisch und gefährdet das Allgemeinwohl. Sie führt zu einer dramatischen Spaltung innerhalb der Gesellschaft, bis hinein in die Familien. Die Bischöfe hätten die Chance, durch ausgewogene, Weisheit und Weitblick vermittelnde Stellungnahmen, zu versuchen, diese Spaltung wenigstens unter den Gläubigen abzumildern. Das Gegenteil ist nun der Fall.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Wo Begegnung zur Zivilisation der Liebe wurde. Die Armen als Fleisch Christi
  3. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  4. Junge Französin bekennt vor Papst: „Wie der heilige Paulus sagt: ‚Für uns ist Christus das Leben‘“
  5. Papst Leo an 80.000 Jugendliche im Stade de France: "Wer mit Gott lebt, ist frei"
  6. „Wenn wir Eucharistie feiern, dürfen wir mit allem zu ihm kommen, was in uns unvollendet ist“
  7. Neuer Schülerkreise Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. bestätigt bisherigen Vorstand im Amt
  8. Nordische Bischofskonferenz beendet Herbstvollversammlung in Paderborn
  9. Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘
  10. Die Menschheitsfamilie zwischen Babel und Pfingsten
  11. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  12. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  13. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  14. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  15. „Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen“ (Psalm 91)

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz