Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan untersagt jährlicher Wallfahrt im Rahmen der überlieferten lateinischen Liturgie den Zutritt
  2. Wenn die Falschbehauptung einer evangelischen Sängerin zum Eklat bei einer Musiksendung führt
  3. Warum bei dem hohen Aufkommen an Bischöfen in Deutschland eine solch vehemente Entchristlichung?
  4. „Drohende Worte von Kardinal Roche: Besucht nicht die überlieferte lateinische Messe!“
  5. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  6. Papst vor jüdischer Delegation: Die Kirche duldet keinen Antisemitismus, sie bekämpft ihn
  7. Steigende Zahl erwachsener Taufbewerber in ostdeutschen Städten, aber...
  8. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  9. Am Grab des Petrus – Die diesjährige Romwallfahrt Ad Petri Sedem
  10. Chick-fil-A-Chef stellt klar: Keine Öffnung an Sonntagen – das wird sich nicht ändern
  11. Eine katholische Fake-Priesterin möchte das Töten kleiner Kinder
  12. Nordische Bischöfe: Europa sucht bei der Migration „nach einem neuen Gleichgewicht“
  13. Priester spendete bei Zugunglück in Spanien die Generalabsolution, tröstete Opfer und Angehörige
  14. Wir machen da was mit Medien
  15. Neuerlich umstrittene Ehrung durch Kardinal Cupich

Papstreise in den Irak unter Fragezeichen

18. Februar 2021 in Österreich, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Mit Bagdad will Franziskus Anfang März sein Reiseprogramm wieder aufnehmen - Grassierende Corona-Infektionen und Gefahr von Zwischenfällen stellen infrage, ob Besuch überhaupt stattfinden kann - Kathpress-Hintergrundbericht von Burkhard Jürgens


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Papst Franziskus zeigt sich weiterhin entschlossen, Anfang März den Irak zu besuchen. Dabei steht seine 33. Auslandsreise nach einer anderthalbjährigen coronabedingten Abstinenz unter außerordentlichen Herausforderungen - nicht nur mit Blick auf die sensible religiöse und politische Situation in dem Krisenstaat. Sicherheitsfragen und die Corona-Pandemie machen die Visite riskant und schwierig.

Nachdem die Neuinfektionen im Irak seit November zurückgingen, stiegen sie zuletzt rasant an; der Sieben-Tage-Mittelwert verdreifachte sich seit Anfang Februar. Die Regierung verhängte einen strikteren Lockdown bis zum 8. März. Von Donnerstag an dürfen die Menschen nur tagsüber, an Wochenenden gar nicht auf die Straße. Ungeachtet dessen plant die Erzdiözese Erbil am 7. März einen Massengottesdienst mit 10.000 Teilnehmern. Möglich ist das aufgrund eigener Vorgaben in der Autonomen Region Kurdistan.

Erzbischof Baschar Warda erklärte, dass die Messe im Franso-Hariri-Stadion unter sicheren Bedingungen stattfinden könne. Nur ein Drittel der Plätze werde vergeben. Eine Registrierung aller Teilnehmer mit ihrer Sitznummer soll im Fall von Covid-Erkrankungen die Nachverfolgung erleichtern.


Für den Papst selbst und sein Gefolge droht vom Virus keine Gefahr. Die gesamte Entourage der römischen Kurie und der päpstlichen Personenschützer reist geimpft an. Der Vatikanstaat hat sein Vakzinationsprogramm weitgehend abgeschlossen. Im Irak selbst sind außer der Schlussmesse nur wenige Termine mit größeren Menschenansammlungen geplant.

Schwieriger als die Pandemie sehen die Organisatoren offenbar die Sicherheitslage. Die Terrormiliz "Islamischer Staat", 2017 für besiegt erklärt, gewinnt wieder Schlagkraft; der Anschlag vom 21. Jänner im Zentrum Bagdads mit 32 Toten war nur der größte von vielen. Franziskus will die einstige IS-Hochburg Mossul ebenso besuchen wie die Stadt Karakosch, aus der die Islamisten Zehntausende Christen vertrieben. Außer sunnitischen Extremisten schüren auch der Iran und seine Verbündete Unruhe. Dass dies nicht trivial ist, zeigte ein Raketenangriff am Montagabend auf den Flughafen Erbil.

Allgemein eine kritische Sicherheitslage herrscht an religiösen Stätten. In der für Schiiten heiligen Stadt Nadschaf will der Papst mit Großajatollah Ali al-Sistani zusammentreffen. Der ambitioniertere Schiitenführer Muktada al-Sadr ließ dort jüngst seine Brigaden auflaufen, wohl um sich im laufenden Wahlkampf als Garant der Ordnung zu präsentieren. Zugleich wies al-Sadr vergangenen Samstag Gegner des Papstbesuchs in die Schranken. Er und andere politische Exponenten betonen, der Papst sei mit seiner Botschaft von Frieden und Versöhnung willkommen im Irak.

Verantwortlich für die Sicherheit ist eigentlich Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi, der das Land nach den blutigen Bürgerprotesten von 2019/2020 zu den Wahlen im Oktober führen soll. Aber selbst ihm als ehemaligem Geheimdienstchef ist es nicht gelungen, die zahlreichen Milizen im Land unter eine gemeinsame Struktur von Militär- und Sicherheitskräften zu bringen.

Franziskus wird während seines Aufenthalts in einer Sicherheitsblase gehalten. Transfers finden hauptsächlich per Flugzeug und Hubschrauber statt - das geht schneller und ist leichter zu überwachen. Die jetzt angekündigte totale Ausgangssperre über die zweieinhalb Tage des Papstbesuchs ist nicht unbedingt als Schikane für Katholiken gedacht: Leere Straßen sind leichter zu kontrollieren, Attentäter haben es schwerer, sich zu bewegen.

Bereits vier Mal reiste ein Planungsstab aus Rom in den Irak, um an Schutz und Logistik zu arbeiten. Nicht einfacher macht, dass der Vatikan ausgerechnet bei dieser Reise ein junges Team am Start hat. Nuntius Mija Leskovar, verantwortlich für die Koordination vor Ort, ist seit dem Sommer in Bagdad auf seinem ersten Posten. Die Funktion des päpstlichen Reisemarschalls ist derzeit unbesetzt; die Federführung liegt bei Dieudonne Datonou, einem früher im Iran tätigen Vatikandiplomaten im Staatssekretariat. Die Verantwortung für das Sicherheitskonzept trägt erstmals Gendarmeriechef Gianluca Gauzzi Broccoletti, im Amt seit Oktober 2019.

Religionsdiplomatisch ist die Visite denkbar delikat, nicht zuletzt mit Blick auf die benachbarten Golfstaaten und den Iran. In der breiten irakischen Öffentlichkeit sorgt der Besuch des Kirchenmanns aus Rom indessen nicht sonderlich für Festtagsstimmung. Was die Menschen seit dem Herbst 2019 zu Kundgebungen auf die Straßen treibt, sind Korruption, Arbeitslosigkeit, Einmischung fremder Staaten und der Einfluss von Islamisten unterschiedlicher Couleur auf die Politik. Viele Iraker, sagt ein Diplomat, haben "die Schnauze voll von religiösen Führern".

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. „Der Kurierfahrer steuerte die falsche Tür an und landete versehentlich in der Kathedrale“
  2. Vatikan untersagt jährlicher Wallfahrt im Rahmen der überlieferten lateinischen Liturgie den Zutritt
  3. Fatima-Tag in Berlin
  4. Lucky Luke wird in Jubiläums-Comic zum Heiligen
  5. Die Liebe als Mitte des Glaubens: Das Gebot, das den ganzen Menschen umfasst
  6. Auf den Spuren des Hl. Paulus - Mit Michael Hesemann nach Griechenland
  7. Wenn die Falschbehauptung einer evangelischen Sängerin zum Eklat bei einer Musiksendung führt
  8. Chick-fil-A-Chef stellt klar: Keine Öffnung an Sonntagen – das wird sich nicht ändern
  9. Impuls für Körper und Geist: Kirchensportler empfehlen das Jesus-Gebet
  10. Nordische Bischöfe: Europa sucht bei der Migration „nach einem neuen Gleichgewicht“
  11. Im Licht der Liebe
  12. Gott inmitten von Töpfen und Geschirr
  13. Künstlerin Akiane Kramarik erzählt von Vision des Himmels in ihrer Kindheit
  14. Papst vor jüdischer Delegation: Die Kirche duldet keinen Antisemitismus, sie bekämpft ihn
  15. Bravo! Erbprinz Alois legt Veto gegen Abtreibungsgesetz in Liechtenstein ein

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz