Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  3. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  4. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  5. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  6. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  7. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  10. „Das Ende von Maria 2.0“
  11. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  12. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  13. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  14. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  15. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“

„Das Bekenntnis zur Wahrheit betrachtete Kardinal Meisner als heilige Pflicht“

6. Juli 2020 in Interview, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Kölner Weihbischof Schwaderlapp: „Das Bild, das in den Medien von ihm gezeichnet wurde, war oft genug Karikatur – und zwar hässliche Karikatur. Wer ihn persönlich erlebte, kam oft zu einem anderen Schluss.“ – kath.net-Interview von Petra Lorleberg


Köln (kath.net/pl) „Kardinal Meisner war ein Vollblutmensch mit Temperament und Herz. Gerne hat er herzhaft gelacht. Aber es konnte ihm auch schon einmal die Zornesröte ins Gesicht steigen. ‚Ich habe noch nie die Geduld verloren, weil ich sie noch nie hatte‘“ habe er gern gesagt. Daran erinnert der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp im kath.net-Interview über den Kölner Kardinal Joachim Meisner (1933-2017). Zum dritten Todestag ist nun im Herder-Verlag Meisners postum veröffentlichte und aktuell auf Amazon vielgefragte Autobiographie erschienen, die einen sehr persönlichen Einblick in das bewegte Leben eines der markantesten Bischöfe der jüngeren Kirchengeschichte in Deutschland ermöglicht.

 

kath.net: Herr Weihbischof Schwaderlapp, als Kardinal Meisner 1989 nach Erzbischof von Köln wurde, studierten Sie gerade Theologie und waren im Priesterseminar. Von nun an war er IHR Bischof. Welche Rolle spielte Kardinal Meisner auf Ihrem eigenen Weg?

 

Weihbischof Schwaderlapp: Kardinal Meisner war für mich bisher die prägendste Bischofsgestalt in meinem Leben überhaupt. Er war nicht nur der Bischof, der mich 1993 zum Priester und 2012 zum Bischof geweiht hat, ich konnte auch 7 Jahre an seiner Seite als „Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär“ wirken und weitere 8 Jahre als Generalvikar.

 

In diesen Jahren ist eine persönliche Beziehung und väterliche Freundschaft gewachsen.

 

kath.net: Wie haben Sie ihn als Menschen in Erinnerung?

 

Schwaderlapp: Kardinal Meisner war ein Vollblutmensch mit Temperament und Herz. Gerne hat er herzhaft gelacht. Aber es konnte ihm auch schon einmal die Zornesröte ins Gesicht steigen.


 

„Ich habe noch nie die Geduld verloren, weil ich sie noch nie hatte“, das war einer seiner Dikta, die er gerne wiederholte.

 

Ich persönlich habe ihn vor allen Dingen als sehr herzlichen Menschen erlebt, der an mir und meinen Freuden und Sorgen innerlich Anteil nahm.

 

kath.net: … und wie als Priester und Seelsorger?

 

Schwaderlapp: Joachim Meisner war ein durch und durch priesterlicher Mensch. Priester sein war nicht etwas Aufgesetztes, oder gar eine Funktion. Gerne brachte er immer wieder in Predigten den alten und immer noch wahren Merksatz: „Willst Du ein Leben traurig und kalt, so werde ein Priester und werde es herb. Willst Du ein Leben voller Licht und Glanz, so werde ein Priester und werde es ganz!“

 

Kardinal Meisner war ganz Priester! Die tägliche Heilige Messe war für ihn unverzichtbar, wie das Stundengebet, die Rosenkränze oder die Zeit der Betrachtung.

 

Das war für ihn die Quelle für seine Zuwendung zu den Mitmenschen. Ein Beispiel: Ein Mitbruder, der ihm viele Sorgen bereitet hatte, lag im Sterben. Das Verhältnis dieses Priesters zum Kardinal war äußerst schlecht. Mehrfach besuchte ihn der Erzbischof, telefonierte mit ihm, schrieb ihm. Hier zeigte sich mir: Er war Seelsorger über alle persönlichen Differenzen und Schwierigkeiten hinweg.

 

kath.net: Wäre „authentisch“ ein Wort, das Sie mit dem Kardinal verbinden?

 

Schwaderlapp: „Authentisch“ ist ein durchaus passendes Wort für den verstorbenen Kardinal. Bei ihm wusste man, wo man dran war. Er machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Und seine Worte waren kein nebulöses Gerede. So war er im guten Sinne berechenbar.

 

Bekannt wurde er immer wieder durch Kontroversen, in denen er klar Stellung bezog.

 

Dabei hatte er keine Freude am Streit und Auseinandersetzung. Er litt darunter meines Erachtens mehr, als er es sich selbst zugestehen wollte. Er freute sich jedenfalls immer über Einigkeit und Verbundenheit.

 

Aber das Bekenntnis zur Wahrheit betrachtete er ebenso als heilige Pflicht. Dieser zu entgehen, hätte er als Verrat angesehen.

 

kath.net:.… und „christusgläubig“?

 

Schwaderlapp: Auch das ist ein passendes Attribut. Seine Beziehung, seine Freundschaft zu Christus war die Grundlage seines Lebens. Dabei wusste er auch um seine Ecken und Kanten, seine Schwächen und seine Hinfälligkeit.

 

Aber das Vertrauen in die Barmherzigkeit des Herrn war immer größer. In seinem Arbeitszimmer hing ein Bild des barmherzigen Vaters, der den heimgekehrten Sohn in seine Arme schließt. Er fühlte sich in diesen Armen immer geborgen – auch in allen möglichen Stürmen und Kämpfen.

 

kath.net: Mir hatten mehrfach Menschen aus dem Raum Köln erzählt, dass sie den Kardinal wegen seiner Positionen durchaus abgelehnt hätten – dann aber bei Begegnungen in kleinerem Kreis trotzdem beeindruckt von ihm gewesen waren. Auch aus den Worten der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer nach dem Tod Meisner klingt das durch.

 

Schwaderlapp: Als Sekretär erlebte ich genau das immer wieder. Ob bei Visitationen oder anderen Begegnungen mit Gläubigen. Immer war die gleiche Reaktion: „Der ist ja ganz anders!“ Kardinal Meisner ging auf die Leute zu, war um kein Wort verlegen, schaffte es mit fremden Menschen unmittelbar Kontakt aufzunehmen. Dabei strahlte er auch Herzlichkeit und Lebensfreude aus.

 

Das Bild, das in den Medien von ihm gezeichnet wurde, war oft genug eine Karikatur – und zwar eine hässliche Karikatur. Wer ihn persönlich erlebte, kam oft zu einem anderen Schluss.

 

kath.net: Vermissen Sie ihn?

 

Schwaderlapp: Ja, ich vermisse ihn. Er ist für mich ein geistlicher Vater gewesen, und nach seiner Emeritierung ein liebenswürdiger Nachbar. Gelegentlich besuchte ich ihn und erzählte ihm das ein oder andere, auch von meinen Sorgen und dem, was mich belastete. Einige Tage nach einem solchen Gespräch erblickte ich in meinem Briefkasten eine ganze Menge Bonbons. Ich rätselte, woher sie wohl stammen. Es stellte sich heraus: Kardinal Meisner hatte sie mir in den Briefkasten geworfen. Er wollte mir einfach etwas Gutes tun.

 

Ja, den väterlichen Freund vermisse ich. Aber ich hoffe auch, dass er uns vom Himmel aus weiterhin ein guter Helfer ist.

 

Großer kath.net-Buchtipp!

Wer sich anpasst, kann gleich einpacken. Lebenserinnerungen

Von Joachim Meisner

Sonstiger Urheber: Gudrun Schmidt

Hardcover, 256 Seiten; 20 Abb.

2020 Herder, Freiburg

ISBN 978-3-451-39316-7

Preis Österreich: 24.70 EUR

 

Sehenswert! EWTN - Alice Schwarzer (!) über Kardinal Meisner nach seiner Beisetzung.

Mehr dazu auf kathtube:


Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Erzbistum Köln

  1. Katholische Kirchgemeinde in Düsseldorf lädt zu Gottesdienst zum CSD ein
  2. Erzbistum Köln wehrt sich gegen DDR-Vergleich von ‚Maria 2.0’
  3. Kita des Erzbistums Köln – Kritik an ‚geschütztem Raum’ für Masturbation
  4. Kölner Erzbistum streicht Dom aus dem Logo
  5. Angriffe auf Kardinal Woelki aus den eigenen Reihen

Kardinäle

  1. Kardinal Burke: ‚Die Synodalität muss gestoppt werden‘
  2. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  3. Papst will mit Kardinälen über Kommunikation der Kirche sprechen
  4. Irakischer Patriarch Sako tritt zurück
  5. Kardinal Zen: Papst Leo „ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!“

Meisner

  1. Wer sich anpasst, kann gleich einpacken
  2. Brennendes Herz. Für "Kaplan Meisner"
  3. Nachlass von Kardinal Meisner versteigert
  4. Kardinal Woelki feiert erstes Jahresgedächtnis für Kardinal Meisner
  5. Ring und Kelch von Kardinal Meisner für Berlin







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Nordische Bischofskonferenz beendet Herbstvollversammlung in Paderborn
  3. Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘
  4. Die Menschheitsfamilie zwischen Babel und Pfingsten
  5. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  6. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  7. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  8. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  9. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  10. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  11. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  12. Eine Stadt im völligen Ausnahmezustand: Hohe Sicherheitsstufe für Papstbesuch in Paris
  13. Priester bei Messer-Attacke in polnischem Kloster getötet
  14. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  15. 'Jesus macht alles und ich nichts'

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz