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Psychotherapie für religiöse Menschen

27. Jänner 2004 in Österreich, keine Lesermeinung
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Bei einer Fachtagung sprachen der Wiener Prälat und Psychiater, Johannes B. Torello, und der Grazer Universitätsassistent Raphael M. Bonelli über Seelsorge und Psychiatrie.


Feldkirch (www.kath.net) Dem Thema „Seelsorge und Psychiatrie: was kann der Priester in psychischen Grenzfällen tun?“ widmete sich eine Tagung des Priesterbildungsforums in Feldkirchen bei Graz am Montag. Der Wiener Prälat Johannes B. Torello, Priester und Psychiater, ging in seinem Vortrag „Beichte, geistliche Führung und Psychiatrie“ auf den Unterschied zwischen Beichte und Psychotherapie ein.

Kein Psychotherapeut könne die Sünden vergeben. Er wies hier auf die Tatsache hin, dass oftmals - zu recht bestehende - Schuldgefühle wegpsychologisiert werden würden. Damit würde man den Menschen aber die Freie Willensentscheidung und letztlich ihre Würde nehmen. Torello ermunterte die anwesenden Priester, "ganz Priester" zu sein, und nicht "halbe Psychotherapeuten" spielen zu wollen.

Er selbst sei andererseits der Ansicht, dass es noch immer zu wenige gute Psychotherapeuten gäbe; er rate aus vielen Jahren Erfahrung dringend dazu, die betreuten Menschen mit psychischen Problemen immer zu einem ärztlichen Psychotherapeuten zu schicken. In diesem Zusammenhang wies er auf einen von ihm miterlebten Fall hin, der jahrelang wegen einem angeblichen neurotischen Konflikt von einem nicht-ärztlichen Psychotherapeuten therapiert wurde bis man bei diesem Patienten einen Hirntumor feststellte. Viele medizinische Krankheiten würden eine psychische Störung täuschend echt imitieren, erklärte Torello. Psychotherapie gehöre deswegen in die Hände von erfahrenen Ärzten, die durch ihre Ausbildung auch dieses Spektrum abdecken würden.

Bonelli: Religiosität schützt nicht vor psychischen Problemen

Raphael M. Bonelli, Assistent an der Grazer Universitätsklinik für Psychiatrie, gab in seinem Referat „Was ein Beichtvater über Psychiatrie wissen sollte“ einen Überblick über die sieben Hauptgruppen der psychiatrischen Störungen. Besonderes Augenmerk legte er auf die Probleme religiöser Menschen. Religiosität schütze nicht vor psychischer Problematik, betonte Bonelli.

Besonders endogene Psychosen wie Schizophrenie und endogene Depression dürften nach heutigem Wissensstand unabhängig von der Lebensführung auftreten, erklärte Bonelli. Dann sei vom religiösen Menschen - wie von allen anderen Patienten auch - die "Demut" verlangt, die in letzten Jahrzehnten entwickelten Psychopharmaka zu sich zu nehmen. Er beobachte in religiösen Kreisen oftmals eine Skepsis, die ihm "anachronistisch" erscheine. Auch die Psychotherapie sei für den religiösen Menschen bei vielen Indikationen hilfreich, insbesondere bei den Angst- und Zwangsstörungen.

Allerdings sei nicht jede Psychotherapieform und jeder Psychotherapeut für religiöse Patienten geeignet, betonte Bonelli. Sowohl das Menschenbild mancher Therapieformen wie auch vieler Psychotherapeuten widersprächen dem Christentum diametral. Es sei angebracht, dem Psychotherapeuten die Frage nach seinem Quellenberuf zu stellen, da die Psychotherapie eine Zusatzqualifikation sei.

Für Gläubige seien drei Punkte problematisch: die Psychologisierung der Schuld in der Psychotherapie, denn dabei gehe die persönliche Verantwortung verloren; die Mechanisierung der Sexualität, nach dem Motto: „wenn man etwas nicht auslebt, kommt notwendigerweise eine Neurose heraus“; sowie die Dogmatisierung des Gefühls, das heißt, nicht Werte und Bindungen sind entscheidend, sondern „was ich spüre“ und „wie es mir damit geht“.



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