26 November 2018, 10:30
„Das Zentralkomitee beschließt, ich antworte“
 
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„Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist für mein Handeln unmaßgeblich. Mein Zentralkomitee ist in Rom.“ Von Claudia Sperlich

Berlin (kath.net/Blog „Katholisch? Logisch!“
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (das mich keinesfalls vertritt), beschloss in der vergangenen Woche unter dem Jubel des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Konsequenzen aus der Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche. Das wäre grundsätzlich löblich, wären nur die Konsequenzen nicht zum großen Teil völlig ungeeignet.

Gefordert wird:

Trennung von Exekutive und Judikative im Kirchenrecht. Wir fordern eine unabhängige kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.

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Das klingt vernünftig; ich vermute, durch eine solche Trennung könnte man Kungeleien und Vertuschungen vorbeugen. Allerdings wäre es mir lieb, wenn das ZdK nicht ständig „fordern“ schriebe, wo „vorschlagen“ oder „bitten“ oder „anregen“ gemeint ist.

Um eine umfassende Transparenz zu schaffen und der von Papst Franziskus beschriebenen Klerikalisierung entgegenzuwirken ist eine gleichberechtigte Teilhabe von Laien und Geweihten an Leitung von Kirche zu schaffen.

Da die Leitung der Kirche (liebes ZdK, der bestimmte Artikel ist nicht völlig überflüssig) den Bischöfen obliegt, geht das nicht. Allerdings ist es sinnvoll, generell Laien viele Aufgaben (und nicht nur Ehrenämter) zuzumuten; gerade in beratenden, ordnenden und helfenden Funktionen halte ich Frauen oft für besser geeignet als Männer. Das ändert nichts daran, dass die oberste Leitung eben Bischöfe innehaben. Es ist die Kirche, keine Firma.

Frauen und Männer in Kirche gleich zu stellen und daher Frauen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.

Hier versucht das ZdK nicht zum ersten Mal einen unzulässigen deutschen Sonderweg zu beschreiten. Die Zentrale der Kirche ist nicht das ZdK. Abgesehen davon ist das Priestertum Dienst, nicht Amt – und die tatsächlichen Ämter (Küster, Ministrant, Lektor, Organist, Chorleiter, Katechet, Rendant, Hausmeister etc.) stehen Frauen grundsätzlich offen. Seltsamerweise hat das ZdK aber noch nie darauf gedrungen, die Kirche möge endlich eine Hausmeisterin einstellen – woran mag das liegen? Doch hoffentlich nicht am mangelnden Renommé eines Hausmeisters?

Sich aktiv dafür einzusetzen, den Pflichtzölibat abzuschaffen.

Erstens gibt es keinen Pflichtzölibat, weil es keine Pflicht gibt, Priester zu werden. Wer Priester werden will, weiß, dass er dann zölibatär zu leben hat – wenn er das nicht kann oder mag, wird er eben was anderes. Zweitens zeigt die Kriminalstatistik, dass Sexualdelikte bei nicht zölibatär lebenden Menschen – z.B. bei Familienvätern, bei Sport- und Schwimmlehrern, bei Trainern usw. – insgesamt weit häufiger vorkommen als bei katholischen Geistlichen. Das macht die Untaten innerhalb der Kirche nicht besser! Aber es zeigt, dass es eben nicht am Zölibat liegt.

In der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anzuerkennen.

Wo die kirchliche Sexualmoral eingehalten wird, gibt es keine Sexualdelikte. Wo sie nicht eingehalten wird, kann es welche geben. Es gibt an der gesunden und heilsamen kirchlichen Lehre (zu der die Sexualmoral gehört) nichts zu ändern.

Entwicklung einheitlicher Standards bei der Ausbildung für den priesterlichen Dienst auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz.

Wenn das bedeutet, dass die Ausbilder immer kluge, fromme Männer sind, die täglich ihr Stundenbuch und den Rosenkranz beten, oft zur Beichte gehen, selbst oft Beichte hören, religiöse Bildung und Freude am Dienst vermitteln, dabei mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und die Seminaristen zu einem reinen, von Gottesliebe geprägten Leben führen, und wenn es ferner bedeutet, dass zur Ausbildung der Seminaristen auch gehört, sich die Gefahren unreifer Sexualität bewusst zu machen, und dass die Ausbilder Seminaristen, die in der Pubertät steckengeblieben sind oder sexuelles Suchtverhalten zeigen, hinauswerfen – dann bin ich ganz dafür. Aber irgendetwas sagt mir, dass das ZdK das nicht meint.

Die Verantwortung und Entscheidungskompetenz aller Getauften und Geweihten auf allen Ebenen für die Kirche zu verwirklichen.

Der letzte Satz ist ein einziges Geschwurbel. Natürlich haben alle Gefirmten (von den nur erst Getauften sind viele noch klein) eine hohe Verantwortung in Kirche und Welt, und es gehört zu den Aufgaben jedes einzelnen, sich dieser bewusst zu werden und ihr gerecht zu werden. Nur hat eben jeder einzelne, ob geweiht oder nicht, seine eigene Verantwortung, seinen eigenen Platz im Leben – und den kann das ZdK nicht herausfinden. Es geht darum, diesen Platz so gut wie möglich auszufüllen.

Für das, was ich tun darf, soll und muss, ist neben den persönlichen Fähigkeiten und Gegebenheiten maßgeblich, was in der Bibel, im Katechismus und im CIC steht. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist für mein Handeln unmaßgeblich. Mein Zentralkomitee ist, ich sagte es bereits, in Rom.

Symbolbild


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