16 Juni 2018, 15:30
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Schwere Vorwürfe gegen neuen St. Pöltner Bischof Alois Schwarz im Nachrichtenmagazin NEWS: Ungesundes Verhältnis zu zwei Frauen, Machtmissbrauch, Bespitzelung von Mitarbeitern und Vertuschung eines Missbrauchsfalles

St. Pölten (kath.net)
Im Nachrichtenmagazin NEWS werden am Freitag schwere Anschuldigungen gegen den neuen St. Pöltner Bischof Alois Schwarz erhoben. Es geht um Frauen, einen Ex-Geheimdienstchef als Spitzel und dubiose Personalrochaden. Laut dem Medienbericht steht im Zentrum der Kritik die beruflich und persönliche Beziehung des Bischofs zu zwei Frauen, die in der Zeitung als Eva. H. und Andrea E. bezeichnet werden. So soll der zukünftige St. Pöltner Bischof eine "krankhafte Abhängigkeit" zu einer seiner 'Hausfrauen' gehabt haben. Dies soll nicht nur den Haushalt geführt haben, sondern auch für das Personal zuständig gewesen sein. "Sie fungierte als eine Art Innenministerin", wird ein ehemaliger Mitarbeiter zitiert. Mit einer zweiten Frau an seiner Seite, die als Pilgerreferentin in den Dienst der Diözese trat, soll es später große Eifersuchtszenen gegeben haben. Es kam laut der Zeitung zu unschönen Szenen zwischen beiden. Schließlich soll sich der Bischof mehr zu der Pilgerrefentin hingezogen gefühlt haben und es soll ein sehr großes Abhängigkeitsverhältnis des Bischofs zu der Frau entstanden sein. Beide sollen zusammen zu einer vom Bistum erworbenen Wohnung gefahren sein und gemeinsam die Oper besucht haben. Auch eine Jagdhütte soll auf Kosten der Diözese für gemeinsame Stunden teuer ausgebaut worden sein.

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Bischof Schwarz, der laut NEWS nicht weniger als vier Wohnungen besitzt, erklärt dazu gegenüber NEWS, dass er stolz darüber sei, Frauen in leitenden Positionen eingesetzt zu haben. Seiner Meinung nach sein die Zusammenarbeit immer in "angemessener Weise" erfolgt. Er bekannte sich auch zum Zölibat. Die Zeitung erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass Schwarz 2011 darüber nachdachte, seine Diözese für einen lockeren Umgang mit dem Zölibat vorzuschlagen. Laut der Zeitung haben sich in den letzten Jahren immer wieder Katholiken und Mitarbeiter an Kirchenobere gewandt. Die Vorwürfe waren daher sämtlichen Kirchenverantwortlichen in Österreich bekannt. Bereits 2008 soll es ein Krisentreffen unter anderem mit dem damaligen Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser gegeben haben. Damals war laut der Zeitung die Rede von "Misstrauen, Unsicherheit, Verletzung einzelner Personen" und dass ein "Frauen- und Küchenkabinett" regierte. Kritik am Führungsstil von Schwarz übte schon vor Jahren Josef-Klaus Donko in der "Presse": "Er springt mit uns Priestern um wie ein Großbauer mit seinen Knechten." Nach Kritik gab es oft Personalversetzung. So muss laut NEWS der damalige Generalvikar Kalidz gehen, nachdem er auf zwei ihm zugespielten Liebesbriefe von "Andrea" aufmerksam gemacht wurde. Die damalige mediale Kritik hatte zur Folge, dass Andrea E. für einige Zeit außerhalb der Diözese aktiv war.

Doch nach einem Jahr kehrte sie als "externe Beraterin" des Bischofs wieder zurück, berichtete in der Zeitung ein Priester. Sie wurde schließlich zur Direktorin des Stiftes St. Georgen am Längsee ernannt und warf dort das gesamte Führungsteam raus. Alle mussten dabei eine Schweigevereinbarung unterschreiben. Ein Insider der Diözese berichtete gegenüber NEWS, dass E. in Kirchenkreisen als "Frau Bischöfin" bezeichnet wurde. Wie mit dem Bischof ging sie auch mit anderen um, "nur brutaler". Eine ehemalige Mitarbeiterin des Stiftes meinte gegenüber der Zeitung: "Frau E. macht kein Geheimnis draus, dass sie beim Bischof eine 'besondere Stellung' hat."

Doch auch andere nicht unumstrittene Persönlichkeiten sollen laut NEWS auf Schwarz einen Einfluss gehabt haben. Die Rede ist dabei vom Ex-Jesuiten Hermann Josef Replinger und Herwig Wetzlinger, dem jetzigen Chef des zuletzt außer Kontrolle geratenen Krankenhauses Nord in Wien.

Außerdem sorgte Anfang dieses Jahres eine weitere Personalsache für gewaltigen Wirbel im Bistum. So wurde laut NEWS Gert-Rene Polli, der ehemalige Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutzes, als Ermittler im Bistum angestellt. Laut dem Bischof sollte der Mann Schwachstellen in der Diözese ausfindig machen. Ein Kircheninsider aus Kärnten wird dazu wie folgt zitiert: "Er wollte eindeutig Maulwürfe ausfindig und mundtot machen." Am 23. April hat ein Kärntner Pfarrer auf seiner Facebook-Page bekanntgemacht, dass er und seine gesamte Familie durch den Mann bespitzelt wurden. Auch Journalisten sollen bespitzelt worden sein. Polli soll laut der Zeitung behauptet haben, im Namen des Apostolischen Nuntius zu handeln. Das Honorar und der Auftrag kamen laut der Zeitung allerdings von Bischof Schwarz. Kritik an Schwarz kommt in NEWS sogar von seinem ehemaligen Sekretär: "Es stellt sich schon die Frage, ob die Kirche mit Problemen nicht ehrlicher umgehen kann."

Die Kritik an Schwarz hat allerdings noch eine andere Dimension. So wirft NEWS dem neuen St. Pöltner Bischof vor, dass dieser eine Missbrauchsfall in seiner Diözese durch einen Diakon gedeckt hat. Der Fall soll sich in einem SOS-Kinderdorf in Kärnten zugetragen haben. Mehrere Jahr lang soll Jack B. von einem Diakon missbraucht worden sein. Nachdem das Missbrauchsopfer in ein anderes Heim überstellt wurde, wird er von dem Diakon weiterhin verfolgt und unter Druck gesetzt. Schließlich landet Jack B. in der Jugendpsychiatrie, weil er die Erlebnisse nicht mehr verarbeiten kann und sich selbst immer wieder verletzen wollte. 2013 hat er sich an die Missbrauchsstelle der Diözese gewandt, die laut NEWS entgegen der Verschwiegenheitsverpflichtung offensichtlich seine Adresse an den Täter weitergab. "Eines Tages stand er dann plötzlich vor meinem Haus", so B. gegenüber NEWS. Die Klagenfurter Kommission von Bischof Schwarz wollte ihm keinen Schadenersatz zusprechen, später wurde er durch die Klasnic-Kommission in Wien als Opfer anerkannt. Er bekam 15.000 Euro Schadenersatz und 80 Therapiestunden zugesprochen. 2015 landete der Fall bei der Staatsanwaltschaft. Diakon T. verweigerte im Zuge der Ermittlungen die Aussage. Brisant ist dann ein Schreiben der Anwältin von T., aus dem NEWS zitiert. Darin wird nämlich Bischof Schwarz als Zeuge angeführt. Schwarz war daher über den Fall voll informiert und hatte nichts gegen den Diakon unternommen. 2016 musste das Verfahren am Oberlandesgericht eingestellt werden, weil inzwischen die Tat verjährt war und in Österreich erst später die Gesetzeslage verändert wurde.

Die Diözese St. Pölten hat heute reagiert und eine Stellungnahme veröffentlicht, die Bischof Schwarz allerdings bereits im Vorfeld der Recherchen an NEWS übermittelt hat. Die Stellungnahme im Wortlaut:

"Mir ist bewusst, dass Vertreter der Kirche in der Öffentlichkeit an der Legitimität und Glaubwürdigkeit ihrer Handlungen und Aussagen gemessen werden. Das ist wichtig und richtig so. Ich bin als Bischof froh und stolz darauf, dass ich Frauen in leitenden Positionen eingesetzt habe und weiterhin Frauen wie auch Männer in leitenden und führenden Funktionen einsetzen werde.

Als Bischof bin ich darüber hinaus in einer Position, die es erfordert, personelle oder strategische Entscheidungen zu treffen, die mitunter auch kontrovers diskutiert wurden. Ich bitte anzuerkennen, dass dies ein Bestandteil jeder Leitungsposition ist, ebenso wie die kritische Diskussion solcher Entscheidungen.

Vorwürfe über unangemessene Beziehungen lähmen uns als Kirche, lähmen eine Diözese, machen verantwortungsvolle Führungsentscheidungen schwierig und schaden nicht nur mir und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern dem Ansehen der Kirche in Österreich. Ich betone, dass jede Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen immer in angemessener Weise stattgefunden hat.

Ebenso klar möchte ich mein ehrliches Bekenntnis zum Zölibat und der damit verbundenen Lebensweise bekunden. Ich bin als Bischof einem Treueversprechen verpflichtet, das ich einhalte und dessen Einhaltung für mich wesentlich ist.

Bezüglich laufender und abgeschlossener Verfahren der unabhängigen kirchlichen Opferschutzanwaltschaft ("Klasnic Kommission") möchte ich direkt an die Kommission verweisen. Ich kenne den angesprochenen Herrn Diakon Siegfried L. persönlich, er war jedoch zum Zeitpunkt und seit meinem Amtsantritt in der Diözese Gurk-Klagenfurt im Jahr 2001 nicht mehr im diakonalen Dienst in der Pfarre Moosburg eingesetzt. Ich war im Zuge des angesprochenen Gerichtsverfahrens zu keinem Zeitpunkt als Zeuge geladen.

Seit 2012 ist die Rahmenordnung für den Umgang von und mit Missbrauch und Gewalt in Kraft. Sowohl in meiner vergangenen Funktion als Bischof von Gurk-Klagenfurt als auch in meiner künftigen Funktion als Bischof von St. Pölten bin ich dieser Rahmenordnung verpflichtet. Es ist mir ein großes Anliegen, Missbrauch und Gewalt präventiv zu begegnen und, bei Bekanntwerden eines Falles, an der Wahrheitsfindung mitzuarbeiten.

Ich bin immer gesprächsbereit, um die Arbeit und den Auftrag, die wir in den Diözesen leben, sowie meinen persönlichen Standpunkt näher zu bringen. Missbrauch und Gewalt sind keine Bagatellen und wir müssen als Kirche alles daran setzen, dass Vorwürfe ernst genommen und Opfer gehört werden. Gleichzeitig setzen wir auf Prävention von und Achtsamkeit gegenüber Gewalt und Missbrauch und schulen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diözesen laufend.




Zur Dokumentation - ´NEWS´: Titelblatt zur Story über Bischof Alois Schwarz




Foto oben (c) News

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