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Legionäre Christi: Priesterseminar-Leiter räumt Vaterschaft ein

9. Oktober 2017 in Weltkirche, 8 Lesermeinungen
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Ex-Rektor des internationalen Priesterseminars "Maria Mater Ecclesiae" in Rom strebt Entbindung von seinen priesterlichen Gelübden und Versetzung in den Laienstand an


Rom (kath.net/KAP) Ein hochrangiges Mitglied der "Legionäre Christi" hat am Wochenende für Schlagzeilen gesorgt. Die Ordensgemeinschaft machte den Fall von Oscar Turrion öffentlich, von 2014 bis zu diesem Jahr Leiter des von den Legionären Christi betriebenen internationalen Priesterseminars Maria Mater Ecclesiae in Rom. Demnach teilte Turrion am Donnerstag seinen Ordensoberen mit, seit mehreren Jahren Vater eines Sohnes zu sein. Bereits im Frühjahr hatte er die Ordensleitung über die Geburt einer Tochter informiert und um eine Auszeit ersucht.

Damals wurde der Vorgang laut Angaben der "Legionäre Christi" auf Bitten Turrions vertraulich behandelt. Für die Leitung des Seminars wurde ein Nachfolger gesucht, der im August sein Amt antrat. In einem offenen Brief teilte Turrion mit, dass er eine Entbindung von seinen priesterlichen Gelübden und seine Versetzung in den Laienstand anstrebe.


Beide Kinder stammten von derselben Frau, zu der er seit längerer Zeit eine Beziehung unterhalte. Er habe sich "aufgrund gewisser Umstände" bei den Legionären Christi und "vieler andere Umstände" in der Kirche in einer Sinnkrise befunden - und in dieser Situation in die Frau verliebt.

Den Entschluss, diese Beziehung fortzuführen, fällte Turrion eigenem Bekunden zufolge bereits in seiner Zeit als Rektor des Priesterseminars. "Aus Liebe und Respekt" gegenüber seinen Mitarbeitern und Seminaristen, aber auch "aus Schwäche und Scham" habe er mit der Bekanntgabe seiner Entscheidung bis kurz vor Ablauf seiner Amtszeit gezögert. Sowohl für seinen Entschluss als auch für seine Vorgehensweise übernehme er die volle persönliche Verantwortung.

Zugleich betonte Turrion, zu keinem Zeitpunkt seine Einkünfte als Leiter des Priesterseminars für den Unterhalt der Kinder verwendet zu haben. Die Gelder stammten vielmehr aus Spenden, die er von Freunden zur "persönlichen Verfügung" erhalten habe. Die Legionäre Christi zitierten den Präsidenten der päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean Patrick O'Malley. Dieser habe unlängst erst betont: "Wenn ein Priester ein Kind zeugt, hat er die moralische Pflicht, sein Amt ruhen zu lassen und sich um das Wohl des Kindes und der Mutter zu kümmern."

Die Legionäre Christi betreiben zwei Priesterseminare in Rom, das hauseigene "Zentrum für höhere Studien" und das Internationale Päpstliche Kolleg Maria Mater Ecclesiae.

Nachdem ans Licht gekommen war, dass ihr Gründer, der mexikanische Geistliche Marcial Maciel Degollado (1920-2008), Minderjährige sexuell missbrauchte, mit zwei Frauen drei Kinder zeugte und weitere schwere Verfehlungen beging, geriet der Orden in eine schwere Krise. Der Vatikan stellte ihn von 2010 bis 2014 unter kommissarische Verwaltung und ordnete eine grundlegende Erneuerung an. Die Legionäre Christi distanzierten sich daraufhin in einem beispiellosen Vorgang von ihrem Gründer.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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