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Zwischen Queen und Sex Pistols - Sänger Campino wandelt in London auf

9. August 2016 in KNA, keine Lesermeinung
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Die englische Gesellschaft hat sich durch Punk sehr verändert», findet Andreas Frege, besser bekannt als Campino.


«No future!» - die «Sex Pistols» brachten auf den Punkt, was Millionen junge Briten dachten. Ihre musikalische Ausdrucksform war der Punk. In London, der Geburtsstadt des Punk, begibt sich Campino nun auf Spurensuche.

Straßburg (KNA) «Die englische Gesellschaft hat sich durch Punk sehr verändert», findet Andreas Frege, besser bekannt als Campino. Seine Band, die «Toten Hosen», trat Anfang der 1980er in die Fußstapfen der ersten Punk-Generation. Der Punk habe das gesamte Kulturleben revolutioniert. «Von daher hat es seine Berechtigung, sich an seine Geburtsstunde zu erinnern», sagt der Sänger im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). In einer kurzweiligen Reportage unternimmt er eine Sightseeing-Tour zu den legendären Clubs, die ein Mekka für die Fans sind. ARTE strahlt «London's burning: Campino auf den Spuren des Punk» von Hannes Rossacher am Samstag um 21.50 Uhr aus.

Der Sänger, der die Doku moderiert, trifft dabei Ikonen wie Viv Albertine, The Slits und Bob Geldof von den Boomtown Rats. Pop-Aktivist Geldof beklagt, die Jugend von heute sei zu unpolitisch. Eine Meinung, die Campino nicht teilt. «Das läuft nur anders als früher», sagt er Es gehe weniger um politische Grundrichtungen als um ausgewählte Streitthemen. Musik als Protestmittel habe da «einen anderen Stellenwert als früher».


In den Archiven suchte sein Team spektakuläre Zeitdokumente wie die Masturbationsanleitung Nina Hagens in einer Talk-Show des ORF, die die Nation erschütterte. Frauen wurden endlich in der Rockszene ernst genommen, Punkerinnen mischten gleichberechtigt mit - was die Dokumentation nachvollziehbar herausarbeitet.

Campinos großes Vorbild ist Joe Strummer von The Clash, wie er im Gespräch verrät. Von der Gruppe habe er gelernt, «dass Musik mehr ist als ein schönes Liedchen». Außerdem habe er sich von der Band Slade inspirieren lassen; dessen Sänger Noddy Holder hält Campino für «eine der besten Stimmen aller Zeiten».

Der Punk schwappte aus dem Westen in die DDR über, er war Teil derProtestbewegung in den 1980ern. Die evangelische Kirche bot Bands und Fans ein Dach über dem Kopf. Konzerte wurden als Messen getarnt. 1984 trat Campino das erste Mal im Osten Berlins auf. «Ein unglaubliches Erlebnis! Die Kirche war für den Untergrund im Osten - vor allen Dingen in Polen und der DDR - ungeheuer wichtig; ihr damaliges Engagement gehörte zu den Sternstunden ihrer Geschichte», erinnert er sich.

Der Musiker findet den Weg in die Kirche nicht nur für die Musik, das ist seit Jahren bekannt. Er beschreibt gegenüber der KNA seine Haltung zum Glauben: Er respektiere jeden Menschen für seinen Glauben, und achte deshalb auch «jede Kirche, egal welcher Konfession». Der Sänger habe «tolle Gespräche führen dürfen» in Klöstern in Deutschland und in Indien. Für ihn sind Gotteshäuser weltweit «Orte desselben Geistes und derselben Konzentration». Wer nach dem Sinn des Lebens suche, werde hier am schnellsten fündig.

Toleranz ist dem Künstler sehr wichtig; er könne keine Religion gutheißen, die andere Glaubensrichtungen verdamme: «Wenn es ins Fundamentalistische, ins Fanatische geht, ganz egal ob in Moral, Politik, Religion, wird es gefährlich.»

Campino, Sohn einer Britin und eines Deutschen, der in Düsseldorf aufwuchs, outet sich im Gespräch als Anhänger der englischen Monarchie, die das 40. Jubiläum des Punks in London mitfeiert. Als kleiner Junge habe er alleine, eine Fahne schwenkend, vor dem Haus seiner Tante in Dartmouth gestanden, als die «Britannia» dort auslief. «Die Queen hat mir lässig zurückgewinkt. Solch ein Erlebnis verbindet ein Leben lang», erzählt der 54-Jährige. Das englische Königshaus sei eher liberal und setze sich «für viele Dinge ein, die auch ich in Ordnung finde». Auch der Umstand, dass die Queen weder Margaret Thatcher noch George Bush habe leiden können, mache sie ihm sympathisch.

Seine Spurensuche in der britischen Hauptstadt ist Teil des spannenden «Summer of Pop», mit dem der deutsch-französische Kultursender an die Größen der populären Musik erinnert. Der persönliche Bezug des Sängers, der in London die Spuren der Wurzeln des Punks fand, gibt dem Film innerhalb der Reihe eine besondere Note.

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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