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Stiftung wirbt für das Huhn als «Haustier des Jahres»

25. März 2016 in KNA, keine Lesermeinung
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Osterzeit ist Eierzeit. Damit rückt auch das Huhn in den Blick.


Bonn (KNA) Osterzeit ist Eierzeit. Damit rückt auch das Huhn in den Blick. Die Stiftung Bündnis Mensch & Tier hat in diesem Jahr das Huhn zum «Haustier des Jahres» erklärt. Stiftungsleiterin Carola Otterstedt spricht im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) über nachhaltige Begegnungen, Tierpersönlichkeiten – und darüber, warum jeder sein Osterei genießen sollte.

KNA: Frau Otterstedt, die Stiftung Bündnis Mensch & Tier hat das Huhn zum Haustier des Jahres erklärt. Warum?

Otterstedt: Wir möchten mit dieser neuen Aktion aufmerksam machen auf die scheinbar bekannten heimischen Tiere, die uns im Alltag begegnen. Das Huhn ist ein wunderbares Beispiel dafür. Es vereint zwei Dinge: Es ist ein Nutztier, dessen Eier und - wer mag - Fleisch wir nutzen. Andererseits ist es ein sehr soziales Wesen, das in strukturierten Gruppen lebt und damit auch unserem eigenen Sozialverhalten gar nicht unähnlich ist. Es gibt dabei also auch spannende und überraschende Aspekte. Außerdem gilt das Huhn als Symbol der Fruchtbarkeit, wie auch das Osterfest zeigt, und wird von den meisten sehr positiv gesehen.


KNA: Die Deutschen haben Hühner buchstäblich zum Fressen gern. Außer für Kochrezepte scheinen sich nur wenige für diese Lebewesen wirklich zu interessieren...

Otterstedt: Wir haben in der Tat einen erschreckend hohen Konsum an Hühnerfleisch. Noch viel erschreckender ist aber der immense Konsum von versteckten, billigen Eiern der Klasse 3 aus schlechter Käfighaltung, die wir alle gar nicht mehr produziert sehen wollen. Sie werden für die Fertigung von Keksen, Kuchen und Fertigprodukten verwendet. Zum Thema Ei und Huhn gibt es in unserer Gesellschaft vieles, wo wir als Stiftung Veränderungsbedarf sehen. Wir verstehen uns aber nicht als aktive Tierschutzorganisation. Wir möchten einen anderen Weg gehen, indem wir Menschen einladen, das Huhn anders wahrzunehmen: als Wesen mit eigener Persönlichkeit.

KNA: Wie können Sie konkret zu einem Umdenken beitragen?

Otterstedt: Wir veranstalten beispielsweise für Interessierte Seminare über artgemäße Hühnerhaltung. Wir zeigen auch, wie man mit Hühnern kommunizieren oder sie trainieren kann. Uns ist es wichtig, dass Menschen aller Altersstufen die Möglichkeit haben, mit Hühnern in Beziehung zu treten. Auf unseren Begegnungshöfen schaffen wir solche Kontakte und damit einen neuen Erfahrungsraum für Menschen, den sie sonst nicht haben. So ein erlebter Beziehungsaufbau zu Tierpersönlichkeiten ist ein weitaus nachhaltigerer Impuls zur Verhaltensänderung als jede Theorie.

KNA: Können Verbraucher noch guten Gewissens Ostereier kaufen?

Otterstedt: Jeder sollte darauf achten, dass er Eier der Klasse 0 oder 1 kauft - von freilaufenden Hühner, am besten aus Biolandwirtschaft. So kann man sicher sein, dass die Hühner halbwegs artgemäß gehalten werden. Die Frage ist aber: Wie viele Eier brauche ich zum Leben; muss ich wirklich jeden Tag ein Ei essen? Es kommt immer auf das Maß an - und auf die Freude. Alles was wir mit Freude tun, auch das Genießen eines Ostereis, ist ein Dankeschön an die Hühner.

KNA: Ist es angesichts all des Tierleids nicht naiv, dagegen angehen zu wollen und Tiere als Persönlichkeiten zu sehen? Kämpft Ihre Stiftung nicht gegen Windmühlen?

Otterstedt: Wenn wir tatsächlich die Erwartung hätten, von heute auf morgen die Welt zu verändern, dann wäre das naiv. Wir konzentrieren uns auf die gelebte Beziehung - zwischen Mensch und Tier und zwischen Mensch und Mensch. Im Beziehungsdialog mit menschlichen wie tierlichen Partnern entsteht Respekt und Achtsamkeit. Ich glaube, dass dieses Vorleben guter inner- und zwischenartlicher Beziehungen - ohne dabei moralisierend zu sein - eine Möglichkeit des Weges ist. Über diese Begegnungen erreichen wir, dass Menschen ins Nachdenken kommen. Sie fangen beispielsweise an, ihre Ostereier woanders zu kaufen. Wir glauben, dass es vieler solcher kleinen Schritte bedarf, um Tiere wieder mehr wertzuschätzen. Wir können auf diese Weise nicht die Welt, aber unser eigenes Verhalten ändern und so auch das Leben unserer Mitgeschöpfe wirksam verbessern helfen.

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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