Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. "Wir brauchen eine Debatte über das jüngste Konzil"
  2. Vatikan besorgt über Einbrüche im weltweiten Tourismus
  3. Kontroverse um die "Tagespost"
  4. Pseudokatholik Joe Biden wählt Katholikenhasserin als Vize-Kandidatin
  5. Deutscher Corona-Irrsinn: Kinder sollen Eltern weggenommen werden können
  6. Evangelischer Landesbischof Ralf Meister behauptet: "Der Mensch hat ein Recht auf Selbsttötung"
  7. Corona: Ethikerin appelliert zu mehr Spielraum für Pflegeheime
  8. Kamala Harris - gekauft von der Abtreibungsindustrie
  9. Der Priester handelt in persona Christi
  10. Unser Bischof hat sich nur einseitig informiert!
  11. "Köln gilt im Volksmund als 'die Domstadt', nicht als Dom- und DITIB-Stadt"
  12. Parteizeitung: Peking und Vatikan werden Abkommen erneuern
  13. Lackner: "Wir müssen wieder von Gott reden lernen"
  14. Hartl: „Wer außer mir teilt diese Wünsche?“
  15. Glosse in „Die Presse“: „Der Kardinal als SPÖ-Wahlhelfer?“

Hat Elfriede Jelinek 2004 den Literaturnobelpreis zu Recht bekommen?

7. Dezember 2015 in Kommentar, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Oder die Verleihung desselben in einer spiegelverkehrten Welt an Gertrud Fussenegger. Von Helmut Müller


Warschau (kath.net) Vor einigen Tagen ist in Polen ein Theaterstück Elfriede Jelineks aufgeführt worden, in der tschechische Pornodarsteller einen Geschlechtsakt auf offener Bühne vollziehen sollten. Durch Einspruch des konservativen polnischen Kulturministers Piotr Glinski sollte die Aufführung verboten werden. Die Empörung in Polen und hier wegen Einschränkung künstlerischer Freiheit war groß.

Das hat mich bewegt einen Rückblick zu halten, zunächst in das Jahr 2004, als Jelinek den Literaturnobelpreis erhielt und dann noch weiter an den Anfang europäischer Philosophie, allerdings spiegelverkehrt: Ich stellte mir vor, was aus dem Abendland geworden wäre, wenn sich in Platons Dialogen Leute vom Schlage des Pragmatikers Kallikles mit ihrem öffentlichem Bekenntnis zu ihren Lastern gegen Sokrates durchgesetzt hätten. In der europäischen Geistesgeschichte wäre statt der sokratischen Prägung 2500 Jahre lang eine sophistische führend gewesen, immer vorausgesetzt eine Gesellschaft hätte einen herrschenden und nicht marginalisierten Sophismus solange ertragen und wäre nicht gleich zugrunde gegangen. Angenommen es wäre mehr als 2000 Jahre lang immer gelungen Auffassungen, die die Bindung des Guten an die Tugend und die Wahrheit an den Gegenstand lehren, niederzuhalten. In dieser spiegelverkehrten europäischen Geistesgeschichte wäre die Eindämmung eines sokratischen Mainstreams so gelungen, dass es geradezu befreiend gewirkt hätte, der Geistesgeschichte eine sokratische Wendung zu geben. Dieser kopernikanische Umschwung hätte erst ab der beginnenden Neuzeit stattgefunden. Das hieße, die sokratische Bindung des Guten an die Tugend und der Wahrheit an den Gegenstand wäre zur Zeit der Vergabe des Nobelpreises 2004 für Literatur herrschend gewesen.


Die europäische Geistesgeschichte mit Kallikles als spiritus rector würde im Zeitraffer, grob gerastert, wie folgt aussehen: Origines wäre nur in den Schriften des Celsus nachzuweisen gewesen. Der Relativismus des Symmachus hätte die philosophiegeschichtliche Position des Augustinus eingenommen. Thomas wäre ein Schicksal wie Abälard beschieden und Ockham hätte eine Verehrung genossen wie sie Thomas zuteil geworden ist. Erst dann hätte allmählich ein Umschwung eingesetzt. Max Scheler hätte in seiner realistischen Phänomenologie in Anknüpfung an den Aquinaten, Kant marginalisiert. Peter Wust und Josef Pieper schließlich hätten die Stelle Nietzsches eingenommen. Dessen Gottesmord und Amoralismus wären so unbemerkt geblieben wie das Werk Peter Wusts oder hätten ein so unterschwelliges Dasein wie das Lebenswerk Josef Piepers gefristet. Das Eintreten für die Bindung des Guten an die Tugend und der Wahrheit an den Gegenstand wäre auf dem jahrtausendelangen relativistischen Hintergrund als wahrhaft revolutionär erschienen. Ethische Inhaltlichkeit und sinnhafte Gegenständlichkeit hätten alle formale Brillanz ethischer Normenbildung und perspektivischer Welterkenntnis in den Schatten gestellt. Heuchelei, der Hauptvorwurf relativistischer Intelligenz aller Zeiten an die Praktikabilität der unverbrüchlichen Bindung des Guten an die Tugend, wäre natürlich weiterhin ein Laster. Das eigentliche Wesen von Heuchelei wäre aber erkannt worden. Heuchelei ist nämlich in ihrem tiefsten Wesen nichts anderes als die Verbeugung des Lasters vor der Tugend. Das „mutige“ öffentliche Bekennen, Hinnehmen und „gut“ reden aller möglichen Laster von Geiz, „Gier“, „Lust“ (Werke Jellineks) und Völlerei bis zum Schönreden von Treuebrüchen könnte als das markiert werden, was sie wirklich sind: nämlich kardinale Unmenschlichkeiten.

Nur wenn die Entwicklung der letzten 2500 Jahre so verlaufen wäre, könnte vermittelt werden, dass die Vergabe des Literaturnobelpreises an Elfriede Jelinek eine Unanständigkeit gewesen ist. Um bei einer Österreicherin und einer Frau zu bleiben, bekäme in dieser spiegelverkehrten Welt Gertrud Fussenegger den Literaturnobelpreis und Martin Mosebach hätte anstelle von Marcel Reich-Ranicki lobende Worte gefunden.

kath.net-Lesetipp:
Unterirdische Ansichten eines Oberteufels über die Kirche in der Welt von heute
Von Helmut Müller
80 Seiten
2015 Dominus Verlag
ISBN 978-3-940879-38-7
Preis 5.10 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

- Link zum kathShop

- Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus:

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Für Bestellungen aus der Schweiz: [email protected]
Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und dem RAPHAEL Buchversand (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kultur

  1. COL1972 - US-Frauen starten mit Pro-Life-Label die Modewelt-Revolution
  2. Oh Dio – Gott in der Oper
  3. ‘Stille Nacht’-Jubiläum mit Landesausstellung an neun Orten
  4. Wien: Bühnenpremiere von ‘Der Engel mit der Posaune’
  5. 'Ich glaube, dass niemand ohne Glauben leben kann'
  6. Päpstlicher Kulturminister verabschiedet Leonard Cohen auf Twitter
  7. Estnisches Nationalmuseum: Keine Tritte mehr für Marienbild
  8. Salzburg: Erzbischof Lackner auf Du und Du mit Tod und Teufel
  9. Berliner Intendant Khuon: Theater ist auch Ort des Gottvermissens
  10. Der Kinofilm des Jahres: Mary's Land








Top-15

meist-gelesen

  1. Kontroverse um die "Tagespost"
  2. Pseudokatholik Joe Biden wählt Katholikenhasserin als Vize-Kandidatin
  3. Sommerspende für kath.net - Eine Bitte an Ihre Großzügigkeit
  4. "Wir brauchen eine Debatte über das jüngste Konzil"
  5. Unser Bischof hat sich nur einseitig informiert!
  6. Birgit Kelle: „…dann ist man bei den ‚Humanisten‘“
  7. Kamala Harris - gekauft von der Abtreibungsindustrie
  8. Benedikt XVI. auf dem Weg der Besserung
  9. Evangelischer Landesbischof Ralf Meister behauptet: "Der Mensch hat ein Recht auf Selbsttötung"
  10. Der Priester handelt in persona Christi
  11. Vatikan besorgt über Einbrüche im weltweiten Tourismus
  12. Hartl: „Wer außer mir teilt diese Wünsche?“
  13. "Köln gilt im Volksmund als 'die Domstadt', nicht als Dom- und DITIB-Stadt"
  14. US-Bischof stellt Exkommunikation eines Priester fest, der Papst Franziskus nicht anerkennt
  15. "Sex ist gut, aber nicht beliebig"

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz