02 September 2017, 10:35
Wien: Bühnenpremiere von ‘Der Engel mit der Posaune’
 
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Theater an der Josefstadt zeigt am Samstag dramatisierte Version des Romans von Ernst Lothar, dessen Verfilmung mit Paula Wessely und Attila Hörbiger ein Klassiker des österreichischen Kinos wurde.

Wien (kath.net/ KAP)
Das Wiener Theater an der Josefstadt zeigt am Samstag, 2. September, die dramatisierte Version des Romans "Der Engel mit der Posaune" (1947) von Ernst Lothar als Bühnenpremiere. Der bereits ein Jahr nach dem Erscheinen des Werkes gedrehte gleichnamige Film von Karl Hartl mit dem Ehepaar Paula Wessely und Attila Hörbiger sowie dessen Bruder Paul Hörbiger wurde ein Klassiker des österreichischen Nachkriegskinos. Im Mittelpunkt der Handlung von Roman, Film und Theaterstück steht die wechselhafte Geschichte einer großbürgerlichen Wiener Klavierbauer-Familie in der bewegten Phase von 1888 bis 1945. Die Figur des Engels mit der Posaune dient dabei als mahnendes Symbol der Bewahrung dessen, was als erhaltenswert anzusehen sei: der Glaube an Gott und an die Macht der Musik.

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In der Premieren-Ankündigung des Theaters an der Josefstadt wird die Schriftstellerin Eva Menasse, die für die Roman-Neuausgabe von 2016 ein Nachwort verfasste, mit dem Erstaunen darüber zitiert, dass sich innerhalb von nur 20 Jahren - zwischen dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches und dem "Anschluss" an Nazi-Deutschland - eine "unentwirrbare Katastrophe zusammengeklumpt" habe.

Der 1890 in Brünn geborene Autor Ernst Lothar selbst erlebte die historischen Umwälzungen hautnah mit: Als studierter Germanist und Jurist jüdischer Herkunft war er ab 1917 Kriegsteilnehmer, danach als Staatsanwalt tätig. Bereits 1918 erschien sein erstes großes Werk, der Roman "Der Feldherr". Zusammen mit Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal wurde er später zum Mitbegründer der Salzburger Festspiele. 1925 trat Lothar aus dem Staatsdienst aus, um sich ganz der Literatur zu widmen, führte neben der Verfassung eigener Werke Regie am Burgtheater und leitete ab 1935 das Theater in der Josefstadt. Nach dem "Anschluss" floh er erst in die Schweiz, dann in die USA.

Mit folgenden Versen drückte der Schriftsteller das Leid der von den Nazis Heimatvertriebenen aus: "Wir haben alles verloren,/ Die Habe, das Gut und den Ruf./ Um uns hat sich niemand geschoren -/ Sind wir zum Unglück geboren,/ Obwohl auch uns ein Gott erschuf?"

Im Exil schrieb Lothar fünf Romane, die zuerst in englischer Übersetzung herauskamen, darunter "The Angel with the Trumpet". 1946 kehrte er zunächst als Theater- und Musikbeauftragter des US Departements of State nach Österreich, 1948-1962 war er als Regisseur am Burgtheater und auch für die alljährliche Inszenierung des Jedermann bei den Salzburger Festspielen wesentlich am den Wiederaufbau des österreichischen Theaterlebens beteiligt. Ernst Lothar starb 84-jährig in Wien. (Info: www.josefstadt.org)

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