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Das ist die Geschichte eines Engels

25. September 2013 in Buchtipp, keine Lesermeinung
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"Zuerst hatte ich ihn für eine Art katholischen Kabbalisten gehalten, später für einen frühen frommen Freak, dann für einen Nichtsnutz. Doch er war ein Engel." Leseprobe 1 aus „Raphaël – Die Wiederkehr eines Erzengels“ von Paul Badd


Rom (kath.net) „Michael, Gabriel und Raphael sind die Erzengel, die ich oft anrufe“, sagte Johannes Paul II. kurz vor seinem Tod. Doch er war Papst. Normale Sterbliche haben einen anderen Umgang mit Gottes guten Geistgeschöpfen. Wo sonst sollen wir ihnen – wenn schon – anders begegnen als im eigenen Leben? Vom jüngsten Buch Paul Baddes über „die Wiederkehr eines Erzengels“, schrieb Alexander von Schönburg deshalb in der Bild: „Ein unfassbares Buch. Es gibt tatsächlich Engel. Nur anders also wir sie uns vorstellen.“ Und Matthias Matussek schrieb im SPIEGEL. „Was für eine wundersame Heiligenlegende. Und was für ein beschwingtes und tief melancholisches Buch. Baddes Raphaël ist eine Figur, die ein Leuchten umgibt wie Andreas Kartak, den Obdachlosen, in Joseph Roths letzten und an Wundern vollsten Roman ‚Die Legende vom heiligen Trinker’“. - Bis zum Fest der Erzengel Michael, Raphael und Gabriel am 29. September veröffentlichen wir deshalb nacheinander einige Auszüge vom Beginn dieses Buches in Fortsetzungen. - Die Redaktion von kath.net

„Einen Engel erkennt man immer erst, wenn er vorüber gegangen ist.“ (Martin Buber)


Mein Leben besteht aus Missverständnissen. Meine Frau mag nicht, dass ich davon spreche. Sie geniert sich immer noch sehr deswegen. Doch es muss ihr ja keiner verraten, wenn ich jetzt, da ich alt bin, zumindest vom vielleicht größten dieser Missverständnisse erzähle und wie es sich aufgelöst hat. Das ist die Geschichte eines Engels. Zuerst hatte ich ihn für eine Art katholischen Kabbalisten gehalten, später für einen frühen frommen Freak, dann für einen Nichtsnutz. Doch er war ein Engel.

Wenn ich die Augen schließe und an ihn denke, fallen mir Rosmarin und Lavendel ein. Die Erinnerung verleiht mir Flügel. Ich sehe die Steine Jerusalems vor mir, greife in einen blau blühenden Busch vor der Stadtmauer, zerreibe die harzigen Nadeln zwischen den Fingern und rieche daran. Ich lege den Kopf in den Nacken, und es ist sonnenhell. Glück durchströmt meine Beine, die nicht mehr so gut laufen können wie damals, als ich noch hinter ihm her die Hügel über dem Fluss hinauf und hinab lief. Es war ein langer Weg, der mich weit weg geführt hat, am Ende zu einer Entdeckung, von der ich später berichten werde. Zuerst aber muss ich ein wenig von dem Weg erzählen, der mich dorthin geführt hat.


Nennen Sie mich deshalb heute einmal Tobias, auch wenn ich nicht so heiße. Sie werden noch verstehen, warum. Denn bis auf den Namen Joseph Ratzingers und anderer Päpste, den Namen eines alten Dichters, und einiger Figuren der öffentlichen Zeitgeschichte habe ich in diesen Aufzeichnungen die Namen des wichtigsten Personals, das im folgenden Drama auftreten und agieren wird, vollständig verfremdet. Denn dieses Buch ist keine Belletristik oder Literatur und damit eine Erfindung, wie viele vielleicht denken mögen. Es ist keine Phantasie. Es ist ein Sachbuch. Mit anderen Worten: Die Sache stimmt und ist wahr.

Ich bin 1948 geboren, drei Jahre nach Europas Mord an den Juden. Die Tyrannei war vorbei. Auch der große Krieg. Deutschland in Trümmern, bis auf unser Dorf, das nur eine – wohl versehentliche – Bombe abbekommen hatte. Friede war. Ich wurde groß wie ein verträumter kleiner Prinz. Mein Reich: ein Fenster zum Hof, ein Fenster zur Dorfstraße, vier ältere Brüder und ein jüngerer. Wenn unter unserem Fenster im ersten Stock ein Leichenzug von der Kirche zum Friedhof zog – ein Pferdegespann vor einer schwarzen Kutsche hinter dem Pfarrer her, gefolgt von der Trauergemeinde –, betete meine Mutter oben am Fenster neben mir ein Vaterunser und ein Avemaria für die Seele des Toten und bat ihn, doch eine Warze von ihrem Fuß mit ins Grab zu nehmen. Eine Woche später zeigte sie dann meinem kleineren Bruder Klaus und mir an ihrem Fuß die Stelle, an der die schmerzende Warze vollkommen verschwunden war. Dieses Heilungsverfahren hatte sie von ihrer Mutter aus der Schnee-Eifel, die es wiederum von ihrer Mutter hatte. Meine älteren Brüder lachten darüber, doch uns Kleinen – Klaus und mir – imponierte die Sache sehr.

Ich kann nicht behaupten, dass auch ich nicht inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen bin. Doch was meine Mutter betrifft, bin ich wohl eher ein Kind des 19., 18. und 17. Jahrhunderts und habe das immer als sehr luxuriös empfunden. Beim Spülen und Putzen sang meine Mutter Marienlieder, erzählte von der schrecklichen Zeit zweier Weltkriege, und wenn sie sonntags Huhn mit Kapern und Reis kochte, sprach sie von den jüdischen „Herrschaften“, bei denen sie in Krefeld als Hausmädchen gearbeitet hatte. Da hatte sie dieses Rezept kennengelernt. Sie erzählte uns auch die Geschichten der Bibel nach, als sei es ihre Familiengeschichte, von Adam und Eva über Abraham und David, Tobias und Tobit und alle Erzengel bis hin zu Maria Magdalena und dem Apostel Paulus. Es war also in gewissem Sinne auch meine Familiengeschichte, die unser Pfarrer später im Kommunionunterricht weitererzählte. Ich konnte nicht genug davon bekommen. Mich faszinierte die rätselhaft schöne Sprache der Bibel, die ich Sonntag für Sonntag an der Hand meines Vaters in unserer Dorfkirche hörte, etwa von einer fernen „Stadt, die weder Sonne noch Mond braucht, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm“. Staunend sah ich neben meinem Vater von einer Säule her dem Messdiener beim Schwingen des Weihrauchfasses in Gestalt eines kreisrunden silbernen Hauses mit vielen Fenstern zu, aus denen sich rauchender Duft mit dem Gesang lateinischer Choräle zur Höhe hin kräuselte.

Pressestimmen zum Buch:

Alexander von Schönburg, BILD:
Ein unfassbares Buch. Es gibt tatsächlich Engel. Nur anders als wir sie uns vorstellen.

Matthias Matussek, DER SPIEGEL:
Was für eine wundersame Heiligenlegende. Und was für ein beschwingtes und tief melancholisches Buch. „Raphaël“ ist eine Figur, die ein Leuchten umgibt wie Andreas Kartak, den Obdachlosen, in Joseph Roths letzten und an Wundern vollsten Roman "Die Legende vom heiligen Trinker".


Martin Mosebach:
Raphael ist Baddes kühnstes Buch. Die Gestalt dieses Gottesnarren läßt mich nicht los. Es war richtig, dieses Buch aus lauter Zeugen aufzubauen - bei Heiligenviten kommt es nicht auf Jubelprosa, sondern Dokumente an.

Natürlich ist unglaublich viel Zeitkolorit in dem Buch enthalten - unmöglich, nicht an Bölls Ansichten eines Clowns zu denken, nur daß Raphael natürlich eine zehnmal so radikale und beunruhigende Existenz ist, wie der etwas larmoyante Böll-Held. Und schlimm wäre es, wenn ein Buch über Raphael nicht genauso zwischen den Stühlen sitzen würde, wie sein Sujet.

kath.net-Lesetipp:
Raphaël. Die Wiederkehr eines Erzengels
Von Paul Badde
Gebundene Ausgabe 224 Seiten;
2013 Herbig
ISBN 978-3-7766-2725-1
Preis 15.50 EUR


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