14 Februar 2012, 11:29
Die Notwendigkeit einer besseren Hermeneutik der Kontinuität
 
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KATH.NET-Exklusiv-Interview mit dem deutschen Distriktoberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., P. Franz Schmidberger FSSPX: Das bisherige Lehramt muss das Kriterium für die Aussagen des II. Vatikanums sein. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) In einem ausführlichen Gespräch nimmt der Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu wesentlichen Punkten und Inhalten der Bemühungen um eine volle Einheit mit dem Apostolischen Stuhl Stellung.

kath.net: Mit der Überreichung einer „doktrinellen Präambel“ am 14. September 2011 fanden die über einjährigen Lehrgespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) ihren formalen Abschluss. Wie der Sekretär der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, Prälat Guido Pozzo, zu jenem Zeitpunkt erklärt hatte, sei der Text der Präambel so gedacht gewesen, dass die Oberen der FSSPX nach einer eingehenden Analyse desselben zu einer prinzipiell positiven und zustimmenden Antwort gelangen können. Es bestand die Möglichkeit, weitere Präzisierungen und Klärungen einzufordern und den Text zu integrieren. Ausgeschlossen aber war, dass die Substanz der Präambel Änderungen unterzogen wird.

In seiner Predigt am 2. Februar 2012 im „St. Thomas Aquinas Seminary“ in Winona (Minnesota, USA) erklärte S.E. Bischof Bernard Fellay, genötigt gewesen zu sein, auf jene Prämabel nein zu sagen: „Wir werden das nicht unterschreiben. Wir stimmen mit den Prinzipien überein, aber wir stellen fest, dass die Schlussfolgerung das Gegenteil ist“.

Wie kann es bei einer prinzipiellen Übereinstimmung zu gegenteiligen Schlussfolgerungen kommen und worin bestehen diese?


Schmidberger: Dies passiert, wenn man um alles in der Welt, mit Willen statt mit Verstand, die Aussagen des II. Vatikanums in voller Harmonie mit dem vorausgehenden Lehramt sehen will, selbst um den Preis von Widersprüchen. Und dazu hat man ein Zauberwort erfunden: „Hermeneutik der Kontinuität“. Geben wir dazu einige Beispiele an:

In „Lumen gentium“ heißt es gleich in § 1, die Kirche sei das Sakrament der Einheit des Menschengeschlechtes. Aber wo in der Heiligen Schrift, bei welchem Kirchenvater, in welcher päpstlichen Verlautbarung und in welchem Konzil hat man jemals etwas Ähnliches gelesen? Die Kirche ist dazu eingesetzt, den mystischen Herrenleib aufzubauen und dazu die Seelen mit dem übernatürlichen Glaubens- und Gnadenleben zu beschenken, aber eben nicht zu einer innerweltlichen Menschheitsverbrüderung.

Oder nehmen Sie „Lumen gentium“ Nr. 16: Seit wann beten wir mit den Moslems den einen Gott an? Diese verehren Allah, wir die allerheiligste Dreifaltigkeit – das ist nicht dasselbe!

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In Nr. 8 desselben Dokumentes heißt es, die Kirche Christi subsistiere – sei verwirklicht, bestehe in der katholischen Kirche. Papst Pius XII. lehrt ausdrücklich in voller Einheit mit dem Lehramt bis zum II. Vatikanum: Die Kirche Christi ist die katholische Kirche.

In „Gaudium et spes“, der berühmten Pastoralkonstitution, heißt es in Nr. 12, Ziel und Mittelpunkt aller Dinge auf Erden sei der Mensch. In meinem alten Katechismus lese ich, Ziel und Mittelpunkt aller Dinge auf Erden sei Gott. Auch dies ist nicht dasselbe.

Im Dekret über den Ökumenismus heißt es in § 3, der Heilige Geist habe die anderen Bekenntnisse gewürdigt, Mittel des Heiles zu sein. Wenn das stimmt, dann braucht sich kein Protestant mehr zu bekehren und kein Orthodoxer den päpstlichen Primat annehmen.

In der Erklärung über die Religionsfreiheit heißt es in § 2, der Mensch habe auf diese ein Recht, das in seiner Würde wurzle, also ein Naturrecht darstelle. Bis hin zu Papst Pius XII. ist diese Auffassung ausdrücklich verworfen worden. Schauen Sie nur nach in „Quanta cura“ vom 8. Dezember 1864, mit welchen Worten der selige Pius IX. eine solche Ansicht geißelt.

Man müsste also weit besser die Kontinuität der Hermeneutik einfordern, sollen die Dinge ins richtige Licht gerückt werden.

kath.net: Wenige Monate nach der Wahl Benedikts XVI. auf den Stuhl Petri empfing dieser im Sommer 2005 den Generaloberen der FSSPX, Bischof Bernard Fellay, in Castel Gandolfo in Privataudienz. 2005 stieß der Papst in seiner Weihnachtsansprache an die Römische Kurie vom 22. Dezember mit den Stichworten „Hermeneutik der Reform (in Kontinuität)“ und „Hermeneutik der Diskontinuität oder des Bruchs“ eine tiefgehende Diskussion um das II. Vatikanische Konzil als Ereignis und in seiner Produktion an. 2007 folgte mit dem Motu proprio „Summorum Pontificum“ die „Liberalisierung“ des Gregorianischen Ritus als außerordentliche Form des einen Römischen Ritus, womit der „alten Messe“ wieder volles Heimatrecht in der Kirche zurückerstattet wurde. 2009 hob Benedikt XVI. die Exkommunikation der vier 1988 unrechtmäßig geweihten Bischöfe der Bruderschaft auf und leitete damit eine intensive rechtliche und theologische Auseinandersetzung mit der FSSPX ein. Diese mündete 2010 in den Beginn der doktrinellen Gespräche und kam 2011 zum einem vorläufigen und mit vielen Hoffnungen verbundenen Abschluss.

Denken Sie nicht, dass es an der Zeit wäre, dass sich die FSSPX mit ihren geistlichen, liturgischen und theologischen Ressourcen voll an die Seite eines Papstes stellt, der gerade auch als Person einen hohen Preis für sein Anliegen der Erneuerung des Glaubens in seinen Wurzeln bezahlt hat und weiterhin bezahlt?


Schmidberger: Mit Freuden würden wir dies tun, aber nicht um den Preis der Zustimmung zu früher verurteilten Irrtümern und auch nicht um den Preis von zweideutigen Erklärungen, die nur neue Verwirrung schaffen würden.

In der Tat kann die Bruderschaft ein großes Glaubenspotential, die Harmonie von Dogma, Spiritualität und Liturgie in die Kirche hineintragen, sie könnte sich der Priesterausbildung widmen und auch Volksmissionen predigen, um verirrte Schafe wieder für die Kirche zurückzugewinnen und das Feuer des Heiligen Geistes neu zu entfachen.

Schließlich zelebriert sie die überlieferte Liturgie, die dem Heiligen Vater ein Anliegen ist, die Heiligkeit ausstrahlt und den Opfergedanken wieder ins christliche Bewusstsein rückt.

kath.net: Stichwort: Tradition – Lehramt. Papst Benedikt XVI. bezeichnet die lebendige Überlieferung zusammen mit der Heiligen Schrift als die „höchste Richtschnur des Glaubens“ (vgl. nachsynodales Apostolisches Schreiben „Verbum Domini“, 18; vgl. dogmatische Konstitution „Dei verbum“, 21).

Wie definieren Sie das Verhältnis zwischen Tradition, außerordentlichem Lehramt und ordentlichem Lehramt im Hinblick auf die Wirklichkeit des II. Vatikanischen Konzils? Was und wie ist „die Tradition“ für Sie?


Schmidberger: Das außerordentliche Lehramt ist die feierliche Verkündigung eines Glaubenssatzes, sei es durch den Papst allein, sei es durch ein allgemeines Konzil unter der Leitung des Papstes.

Das ordentliche Lehramt ist die tägliche Verkündigung des Glaubens durch die über den Erdkreis verstreuten Bischöfe in Einheit mit dem Papst. Das II. Vatikanum fällt in seiner Ganzheit weder in die eine noch in die andere Kategorie, denn es wollte weder Lehrentscheidungen treffen, noch Irrtümer verurteilen; es wollte das bisherige Glaubensgut in einer dem modernen Menschen angemessenen Sprache der heutigen Welt verkünden. Damit sind nur jene Teile von der Unfehlbarkeit gedeckt, die aus früheren unfehlbaren Lehrentscheidungen wiederaufgenommen werden, aber eben nicht Neuerungen, wie sie vorher aufgezeigt wurden.

Noch ein Wort zum „lebendigen Lehramt“: Gewiss ist der Träger lebendig, aber die Offenbarung ist mit dem Tode des letzten Apostels abgeschlossen. Grundsätzliche Neuheiten können nicht dazukommen; es gibt nur eine homogene Entfaltung.

kath.net: In einem Gespräch mit kath.net erklärte der italienische Historiker Roberto de Mattei und Verfasser des Buches „Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine bislang ungeschriebene Geschichte“ (Verlag Kirchliche Umschau, 2011):

„Die Tradition, die das in seiner Universalität und Kontinuität betrachtete ‚lebende Lehramt’ ist, ist an sich unfehlbar, während das sogenannte ‚lebende’ Lehramt – verstanden als die aktuelle Verkündigung des kirchlichen Hierarchie – dies nur unter bestimmten Bedingung ist. Die Tradition steht nämlich stets unter dem göttlichen Beistand; für das Lehramt trifft dies nur dann zu, wenn es sich außerordentlich äußert oder wenn es in ordentlicher Form in der Kontinuität der Zeit eine Glaubens- oder Sittenwahrheit lehrt“.

Ist es möglich für Sie, auf der Grundlage derartiger Erwägungen einen produktiven theologischen „Kampf“ für eine neue Bekräftigung der Wahrheit aufzunehmen?


Schmidberger: Dies wäre in der Tat ziemlich genau der Weg, auf den man sich einigen kann; nichts anderes haben wir als Grundlage für die Lehrgespräche mit dem Heiligen Stuhl vorgeschlagen: Das bisherige Lehramt muss das Kriterium für die Aussagen des II. Vatikanums sein. Der umgekehrte Ansatz, dass nämlich das II. Vatikanum das Kriterium für frühere Aussagen wäre, heißt das Pferd am Schwanz aufzäumen und führt eben zu Widerspruch und Verwirrung.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle den heiligen Vinzenz von Lerin mit seinem „Commonitorium“ anführen. Er sagt in diesem: „Was wird ein katholischer Christ tun, (...) wenn irgendeine neue Seuche nicht bloß mehr ein Teilchen, sondern gleicherweise die ganze Kirche zu beflecken sucht? Dann wird er ebenso darauf Bedacht nehmen, an das Altertum sich anzuschließen, welches ja nicht mehr durch irgendeine betrügerische Neuerung verführt werden kann.“ So stellt er fest, katholisch sei, „quod ubique, quod semper, quod ab omnibus creditum est“ – was überall, was immer, was von allen geglaubt wurde.

kath.net: Kürzlich hat sich Bundestagspräsident Norbert Lammert öffentlich nach einem anderen Papst gesehnt. Verfolgt man die jüngsten Äußerungen Bischof Fellays, könnte man auf den Gedanken kommen, dass sich auch die FSSPX einen „anderen Papst“ wünscht.

Wie beurteilen Sie den Pontifikat Benedikts XVI. aus Ihrer Sicht als deutscher Distriktoberer der Bruderschaft? Der Heilige Vater wird nicht müde, auf die anhaltende und destruktive Glaubenskrise hinzuweisen. Meinen Sie nicht, dass die FSSPX dazu berufen ist, an der Seite des Papstes und des Heiligen Stuhls als „militia Christi“ der einen „Ecclesia militans“ gegen die Gottesfinsternis besonders in Europa anzukämpfen?


Schmidberger: Gott hat seiner Kirche als Papst Benedikt XVI. gegeben. Dieser ist nicht Pius XIII., aber er ist auch nicht Paul VII. oder Johannes Paul III. Ich will damit sagen: Man findet im jetzigen Pontifikat viele gute Ansätze, vor allem die Wiederverwurzelung der überlieferten Liturgie in der ganzen Kirche, die Lehrgespräche über das II. Vatikanum, das Priesterjahr, die Revision von Teilen des neuen Kirchenrechtes usw. Aber wir sind auf der anderen Seite über die Seligsprechung Johannes Pauls II. erschüttert, und das neue Assisi-Treffen am 27. Oktober 2011 schmerzt uns tief. Warum setzt der Papst Akte, welche die „Diktatur des Relativismus“ fördern?

Wir wollen also nicht wie der Herr Bundestagspräsident einen anderen Papst, sondern wir wollen, dass der jetzige Papst, Benedikt XVI., den Vertretern der anderen Religionen genau das sagt, was der heilige Petrus am Pfingstfest den versammelten Juden gesagt hat: Wenn ihr gerettet werden wollt, dann müsst ihr euch bekehren, an den fleischgewordenen Gott Jesus Christus glauben und euch zur Vergebung eurer Sünden taufen lassen (Apg 2, 38).

kath.net: Im Jahr 1990 schrieb Joseph Kardinal Ratzinger: „Die Wahrheit besitzt aus sich selbst eine einigende Kraft: Sie befreit die Menschen aus der Isolierung und den Gegensätzen, in denen sie die Unkenntnis der Wahrheit gefangen hält, öffnet ihnen den Weg zu Gott und vereinigt untereinander“ (Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre „Donum veritatis“ über die kirchliche Berufung des Theologen, 24.5.1990). Die Wahrheitsfrage ist ein zentraler Punkt des Pontifikats Benedikts XVI. Oft entsteht der Eindruck, dass dem Ringen um die Wahrheit seitens der FSSPX ein monolithisch formuliertes Depositum von Wahrheiten entgegengestellt wird, wodurch sich für eine theologische Auseinandersetzung mit dem Heiligen Stuhl der Eindruck ergibt, es würden „Wahrheit“ und „Gehorsam“ einander entgegengesetzt.

Was heißt es für Sie, „cum et sub Petro“ die Wahrheit des Glaubens zu verteidigen?


Schmidberger: Der heutige Papst ist genauso wie jeder Gläubige an die dogmatischen Verlautbarungen seiner Vorgänger gebunden. „Cum et sub Petro“ die Wahrheit des Glaubens zu verteidigen bedeutet also nichts anderes, als unter dem Lehramt des ewigen Roms für die kirchliche Lehre einstehen, die Stiftungen Jesu Christi – sein Priestertum, sein Opfer, die Sakramente, insbesondere die Ehe – als Konkretisierungen dieses Glaubens zu schützen und zu fördern, bedeutet aber auch, für den Papst in seinem schweren Amte zu beten und ihn als Vater der Christenheit zu verehren.

kath.net: Pfarrerinitiative in Österreich und ähnliche Bewegungen in Deutschland zeichnen sich neben häretischen Aussagen und schismatischen Tendenzen und Motivationen durch die Verweigerung des Gehorsams vor allem Rom gegenüber aus. Was unterscheidet die FSSPX von diesen protestantisierenden Strömungen?

Schmidberger: Sie sprechen ganz richtig von häretischen Aussagen und schismatischen Tendenzen. Die Piusbruderschaft hat in ihrer mehr als 40-jährigen Geschichte nie solche Schuld auf sich geladen. Gewiss haben wir uns geweigert, die neue Liturgie anzunehmen, die man uns in tyrannischer Weise aufdrängen wollte. Und nun stellt Papst Benedikt XVI. ausdrücklich fest, die alte Liturgie sei nie verboten gewesen! Wo also liegt der Ungehorsam? Wir haben uns immer geweigert, die Handkommunion auszuteilen. Und nunmehr ist der Papst selbst zur Austeilung der Mundkommunion zurückgekehrt. Der frühere Kardinal Ratzinger nennt die Pastoralkonstitution des Konzils einen „Gegensyllabus“ – wem also soll man gehorchen: Pius IX. mit dem Syllabus oder der Pastoralkonstitution des II. Vatikanums?

Bei genauem Hinsehen stellt man fest, dass gerade die Piusbruderschaft das Lehramt der Kirche verteidigt, zum Papst als Nachfolger Petri hält, dem der Heilige Geist nicht dazu verliehen worden ist, „dass er eine neue Lehre ans Licht brächte, sondern damit er das Glaubensgut heilig bewahre und getreu auslege“ (I. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution „Pastor aeternus“).

kath.net: Als deutscher Distriktoberer dürften Sie in der schwierigen Lage sein, eine aktuell zutiefst angespannte und manchmal auch verwirrende Situation (der Ihnen unterstellten Priester, der Gläubigen) zu meistern, diese zusammenzuhalten, ihnen Mut zu machen.

Worin bestehen die größten Hürden in der Seelsorge für die der FSSPX verbundenen Gläubigen, worin die Chancen? Sehen auch Sie die Gefahr, einen unwiederbringlichen „kairos“ zu versäumen?


Schmidberger: Zunächst einmal hat man es in der Seelsorge immer mit Menschen zu tun, die allesamt unter den Folgen der Erbsünde stehen, wobei wir selber, die Seelsorger, nicht davon ausgenommen sind. Insofern muss man ständig gegen Eigenwillen, Besserwisserei, ungezügelte Leidenschaften, gegen Lieblosigkeiten, Mangel an Eifer und Lauheit im Glaubensleben ankämpfen. Wir sind allesamt keine Heiligen, aber wir rufen unsere Gläubigen zum Streben nach Heiligkeit auf und wir ringen mit uns selbst täglich darum, dass Christus in uns Gestalt annehme. Sodann müssen auch wir in unseren Reihen unablässig vor den Zeitirrtümern warnen und auf der anderen Seite mancher Bitterkeit und Übertreibung einen Riegel vorschieben.

Unsere Chance liegt darin, dass wir offen gegen die Diktatur des Relativismus, der im heutigen Ökumenismus überall durchbricht, predigen und vor der Angleichung an die moderne Welt mit ihren Irrtümern warnen können. Jene Menschen, die sich unserer Seelsorge anvertrauen, sind im Allgemeinen engagierter, opferbereiter und konsequenter. Im Übrigen nehmen sie im Augenblick an einem Rosenkranzkreuzzug teil, damit die Kirche aus ihrer schweren Krise herausfinde und das Unbefleckte Herz Mariens triumphiere. Denn letzten Endes geht es nicht um die Piusbruderschaft, sondern um die Kirche als die unbefleckte Braut Jesu Christi.

kath.net: Hochwürden, eine persönliche Frage zum Schluss: Sie haben mit 26 Jahren ein Studium der Mathematik abgeschlossen und sind dann in das Priesterseminar von Ecône eingetreten, wo Sie 1975 zum Priester geweiht worden sind. Vom Philosophen und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) ist das Wort überliefert: „Ohne die Mathematik dringt man niemals auf den Grund der Philosophie. Ohne die Philosophie dringt man niemals auf den Grund der Mathematik. Ohne beide kommt man auf den Grund von gar nichts“. Diese Anmerkung Leibniz’ bringt unmittelbar ein Wort des konstruktiven Mathematikers, Logikers und Philosophen Paul Lorenzen (1915-1994) in Erinnerung, der meinte: Es werde der Philosophie der Mathematik die Aufgabe zugewiesen, „die Vorentscheidungen, die schon im Ansatz mathematischer Theorienbildung verborgen liegen, dadurch ans Licht zu ziehen, dass sie in den größeren Zusammenhang der Geschichte unserer vorwissenschaftlichen Meinungen hineingestellt werden“.

Welche Bedeutung hat Ihre Ausbildung als Mathematiker für Ihre Theologie im theoretischen Sinn sowie für Ihre der Tradition verpflichtete praktische Sicht auf die Kirche, deren Geschichte der letzten 50 Jahre sowie deren Ausblicke für die Zukunft?


Schmidberger: Das Mathematikstudium hat mich wenigstens gelehrt, dass zweimal zwei vier ist, immer vier gewesen ist und immer vier sein wird, und dass es auch nicht gleichzeitig fünf sein kann. Folglich kann die Kirche, was sie früher feierlich verboten hat, heute nicht streng verpflichtend machen. Man kann nicht falsch liegen, wenn man fortfährt, so zu lehren, zu beten und zu leben, wie die Kirche dies 2000 Jahre lang getan hat. Auch ist eine Gleichung entweder richtig oder falsch. Man gehört also der Kirche an, oder man gehört ihr nicht an. Eine unvollkommene Einheit, wie dies von den anderen Bekenntnissen behauptet wird, ist ein Widerspruch in sich.

Und noch etwas lehrte mich die Logik im Mathematikstudium: Wenn Gott der Absolute, der Pantokrator in seiner Schöpfung und der König einer jeden Seele, einer jeden Familie und eines jeden Volkes ist, wenn er Mensch geworden ist und uns am Kreuz erlöst hat, dann ist das zeitliche und noch mehr das ewige Glück eines jeden Menschen eben absolut an denjenigen gebunden, der von sich gesagt hat: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater außer durch mich. Dann können wir nur aus ganzem Herzen dem hl. Petrus zustimmen, der dem Hohen Rat gegenüber von Christus gesagt hat: „Non est in alio aliquo salus – In keinem anderen gibt es Heil“ (Apg 4, 12).

kath.net: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Dokumente des 2. Vatikanums im Wortlaut

Die Antwort von P. Lugmayer von der Petrusbruderschaft auf das Interview

Folgeartikel: Tradibeben - Warum KATH.NET einem Autor der Piusbruderschaft keine Plattform geben wollte

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