12 Oktober 2010, 14:51
Gegen die innere Wüste
 
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Die Botschaft des Christentums muss neu in ihrem Wesen verkündet werden. Der Präsident des Rates für die Neuevangelisierung Salvatore Fisichella zur Herausforderung Benedikts XVI. an die säkularisierte Welt. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Ziel des neuen Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung sei es, angemessene Formen für die Erneuerung der Verkündigung bei den vielen Getauften zu finden, die den Sinn der Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft nicht mehr verstehen und Opfer des Subjektivismus unserer Zeiten sind, dies verbunden mit einer Verschlossenheit und einem Individualismus, dem es an öffentlicher und sozialer Verantwortung mangelt. Mit diesen Worten erklärte Erzbischof Salvatore Fisichella die Grundabsicht des Rates, der heute mit der Veröffentlichung des Motu proprio „Ubicumque et semper“ der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist.

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Erzbischof Fisichella charakterisierte die aktuelle Situation als eine Zeit der „großen Herausforderungen“. Diese würden viele positive Elemente aufweisen, aber auch Formen des Abfalls vom Glauben als Folge einer verbreiteten religiösen Gleichgültigkeit, Vorspiel eines de-facto-Atheismus. Oft führe das Fehlen von Kenntnissen hinsichtlich der grundlegenden Inhalte des Glaubens dazu, moralische Verhaltens- und Urteilsformen anzunehmen, die oft im Widerspruch mit dem Wesen des Glauben stünden. Der Relativismus und die Folgen eines Säkularismus, der darauf ausgerichtet sei, den heutigen Menschen von seiner Grundbeziehung mit Gott zu entfernen, würden eine „innere Wüste“ hervorbringen, wie Papst Benedikt XVI. hervorgehoben habe.

Die Christen seien dazu berufen, in Politik, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft sowie in allen Ausdrucksformen gegenwärtig zu sein, die zum Leben der Menschen gehörten und das Leben der Gesellschaft bildeten, so der Erzbischof. Der Begriff „Politik“ sei dabei im Sinne des „Aufbaus der Polis“ zu verstehen. Daraus ergebe sich eine der Aufgaben des neuen Dikasteriums: „den Katholiken dabei zu helfen, den tiefen Sinn ihrer Verantwortung wiederzugewinnen, dies für ein konsequentes Zeugnis vor allem der Laien, in den Bereichen, zu denen aufgrund ihres Status nur sie gelangen können“. Es sei notwendig, nach einer Zeit der passiven Hinnahme des Säkularismus wieder stark und mutig das Wort zu ergreifen.

Hinsichtlich des Beziehung zu den anderen Dikasterien des Heiligen Stuhls und dabei besonders zur Kongregation für die Evangelisierung der Völker erklärte Fisichella, dass die Aufgabe der Kongregation die erste Verkündigung betreffe, die „missio ad gentes“. Der neue Rat setze sich dagegen mit den Ländern auseinander, in denen Kirchen antiker Tradition lebten. Für Erzbischof Fisichella befindet sich die Neuevangelisierung im zentralen Schnittpunkt des Lebens und des Handelns der Kirche. Aus diesem Grund sei es notwendig, dass die einzelnen Dikasterien und Institutionen in der Kirche zu einer größeren Zusammenarbeit fähig sind.

„Wir leben in der Geschichte und die Daten haben ihre Bedeutung“, so Fisichella. „Auch das neue Dikasterium blickt aufmerksam auf einige Daten, die es aufgrund deren symbolischen Wertes aus der Nähe betreffen.“ Der Papst habe die Einrichtung des Rates während der ersten Vesper des Festes der heiligen Petrus und Paulus angekündigt. Das Motu proprio sei am 21. September unterzeichnet worden, dem Tag des heiligen Apostels und Evangelisten Matthäus. Diese beiden Daten würden dazu führen, zum einen die Treue zum Nachfolger Petri zu beachten und zum anderen das Engagement dafür, das Evangelium als Wort des Heiles für die Zeitgenossen zu überbringen.

„Das Evangelium ist kein Mythos, sondern das lebendige Zeugnis eines historischen Ereignisses, das das Antlitz der Geschichte verändert hat“, so Fisichella abschließend. Die neue Evangelisierung müsse vor allem die historische Person Jesu und seine Lehre so kennenlernen lassen, wie sie treu von den Urgemeinden überliefert worden und in den Schriften des Neuen Testaments normativ festgehalten seien.

Das Motu proprio in deutscher Sprache

Das Motu proprio in lateinischer Sprache




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