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Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe und Treue in der Ehe

16. Juli 2010 in Österreich, 3 Lesermeinungen
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Österreichischen Bischöfe fordern vor Beginn der Aids-Konferenz in Wien eine Erklärung: Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe und Treue in der Ehe der beste Weg, eine Infektion mit HIV zu vermeiden


Wien (kath.net) Die Österreichischen Bischöfe haben im Vorfeld der bevorstehende Welt-AIDS-Konferenz in Wien eine Erklärung veröffentlicht. Kath.Net dokumentiert die Stellungnahme im Wortlaut:

AIDS - ein Anliegen der Kirche

Die Kirche ist mitten unter den Menschen mit HIV, wie sie seit Beginn an mit den Menschen in Not und Krankheit ist Notwendig ist aber auch eine gründliche Aufklärung über HIV und AIDS. Es muss alles getan werden, um die weitere Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern und um Gleichgültigkeit und Vorurteile gegenüber jenen Menschen abzubauen, die mit HIV infiziert und an AIDS erkrankt sind. Die besondere Zuwendung der Kirche gilt den Armen, und zwar nicht nur in materieller, sondern auch in geistiger Hinsicht. Hilfsorganisationen, Seelsorger und Beratungsdienste bilden die weltweite Basis kirchlicher Arbeit.

Wichtige Zusammenhänge

AIDS - eine armutsbezogene Krankheit

Zwischen HIV bzw. AIDS und der Entwicklung eines Landes bestehen zahlreiche Wechselwirkungen. Menschen, die bereits in Armut leben, verarmen durch HIV und AIDS noch mehr. Not, Unterdrückung und zerstörte Familien sind ein Nährboden für die rasche Ausbreitung von HIV und AIDS. Zusätzlich begünstigen Faktoren wie die Diskriminierung von Frauen und geringe medizinische Versorgung die Expansion der Pandemie. Neu entwickelte Medikamente haben es in den Industriestaaten möglich gemacht, dass die Infektion mit dem HI-Virus nicht mehr zwangsläufig zum Ausbruch der Krankheit und zum raschen Tod führen muss. In vielen Entwicklungsländern ist aber eine ausreichende medizinische Behandlung nicht gegeben. Knapp weniger als die Hälfte der Menschen, die weltweit mit HIV und AIDS leben, sind Frauen, und deren Zahl nimmt in allen Regionen zu. Ein Umstand, der sowohl auf mangelhafte Information als auch auf Ungleichbehandlung und Unterdrückung der Frauen zurückzuführen ist..

Armut, Bildung und Prävention

HIV und AIDS sind in hohem Maße eine soziale Frage und ein Bildungsproblem. Wer arm ist, erkrankt leichter und stirbt früher als jemand, der wohlhabend und gebildet ist. Im Kampf gegen AIDS und in der Bemühung um erkrankte Personen ist das Umfeld enorm wichtig. Unzureichende Bildung und geringe Motivation zur Veränderung von Verhaltensweisen, welche die Gefahr einer Ansteckung mit sich bringen, tragen dazu bei, dass die Erfolge im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit bisher nur bescheiden sind.


Leid und Schuld

Jedes Krankheitsschicksal, jedes Sterbebett, jedes Waisenkind ist mit Leid und Schmerz verbunden. AIDS bringt vielfältiges und schweres Leid mit sich. Als Christen sind wir aufgefordert, Menschen, die von solchem Leid betroffen sind, beizustehen. Niemals werden wir als Christen jemanden, der an AIDS erkrankt ist, verurteilen. Unsere Reaktion ist helfen. Aber wir müssen auch die Verantwortung jedes/r Einzelnen deutlich machen und aufzeigen, dass bestimmte Verhaltensweisen zu AIDS führen können. Der mit AIDS verbundenen Stigmatisierung und Ausgrenzung müssen wir entschieden entgegentreten. Die Betroffenen leiden oft unter der Ausgrenzung ebenso sehr wie unter den physischen Symptomen der Krankheit.

Therapie und Heilung

AIDS ist nicht heilbar, aber behandelbar. Mit der medikamentösen Kombinationstherapie gelingt es in der Regel gut, das Virus und die Infektion unter Kontrolle zu halten. Aber nur knapp über ein Drittel der Menschen, die in den Entwicklungsländern mit HIV/AIDS leben, werden derzeit mit antiretroviral wirksamen Medikamenten versorgt. Kirchen gehören zu den wichtigsten Trägerinnen von Krankenhäusern, Therapiezentren, Armenapotheken sowie anderen medizinischen Diensten und Pflegeeinrichtungen. Die von Kirchen getragenen Einrichtungen erweitern den Begriff 'Therapie' neben dem medizinischen Aspekt auch in psychosozialer, kultureller und spiritueller Hinsicht.

Nicht nur eine medizinische Frage

Es gibt gute Gründe, weshalb wir HIV und AIDS nicht allein der Verantwortung der Medizin überlassen dürfen. HIV und AIDS sind ein Problem, das nicht nur den einzelnen Menschen mit seiner Infektion, seinen Krankheitssymptomen, seinem körperlichen Zerfall und seiner Sterblichkeit betrifft. Es ist auch ein Phänomen, das einschneidend das Leben der Familien tiefgreifend verändert: Kranke müssen über Jahre gepflegt werden, Eltern werden zu Grabe getragen und die hinterbliebenen Waisen bedürfen der Betreuung.

Solidarität gefragt

'Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus' (1 Kor 12,12). Dieses aussagekräftige Bild drückt die Solidarität aus, die wir mit allen fühlen, die leiden. Diese Solidarität sollte verknüpft sein mit einer wachen Aufmerksamkeit für die Ernsthaftigkeit der Bedrohung, der wir ausgesetzt sind. Die christliche Moral hält dazu an, menschliches Leben zu respektieren und zu bejahen. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die medizinischen Möglichkeiten müssen dazu genutzt werden, um Menschenleben zu retten. Dieses Leben empfängt seinen Wert und seine Würde aus der Tatsache, dass es ein unantastbares Geschenk unseres Schöpfers ist, der jedes menschliche Wesen erschafft und zur Fülle des Lebens beruft. Deshalb sind Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe und Treue in der Ehe nicht nur der
beste Weg, eine Infektion mit HIV zu vermeiden, sie sind zugleich der beste Weg zu lebenslangem Glück und zu echter Erfüllung.

Die weltweite Ausbreitung von HIV/AIDS kann nur durch ein konzentriertes Vorgehen bekämpft werden. Daher fordern wir:

- die Einhaltung der Zusagen für die Entwicklungszusammenarbeit;

- 10 Prozent der HIV/AIDS-Gelder für Schutz, Versorgung und Ausbildung von AIDS-Waisenkindern;

- die Entwicklung von geeigneten HIV-Tests, insbesondere für Kinder;

- die Entwicklung und den Zugang zu antiretroviralen Medikamenten für alle;

- vermehrte Maßnahmen zur Verhinderung der Mutter-Kind HIV-Übertragung;

- Veränderung der Patentzahlungen auf HIV/AIDS Medikamente, besonders für Kinder;

- ein ganzheitliches Vorgehen im Gesundheitswesen, in der Prävention, in der Stärkung der Rolle der Frau und in der Armutsbekämpfung.

In Solidarität verpflichten wir uns:

- dafür einzutreten, dass die Gesundheitsdienste, die sozialen Dienste und die Bildungseinrichtungen der Kirche den Bedürfnissen jener entsprechen, die an AIDS erkrankt sind;

- mit anderen christlichen Konfessionen und anderen Religionen zusammenzuarbeiten, die in ihren je eigenen Gemeinschaften in der HIV/AIDS-Arbeit tätig sind;

- Mentalitäts-, Einstellungs- und Verhaltensveränderungen zu fördern, die in der Antwort auf die Herausforderungen der Pandemie notwendig sind;

- unermüdlich darauf hinzuarbeiten, dass Stigma und Diskriminierung ausgerottet und alle jene sozialen, religiösen, kulturellen und politischen Normen und Praktiken überwunden werden, welche solche Stigmata und Diskriminierungen verfestigen;

- Menschen, die mit HIV leben, in herzlicher, vorurteilsfreier und mitfühlender Art in der Kirche willkommen zu heißen und ihnen zu versichern, dass sie "einen Platz am Tisch des Herrn" haben. Gerne werden ihnen die Sakramente gereicht, wenn sie in der rechten Gesinnung das Verlangen danach haben.

Zum Abschluss möchten wir unserer Hoffnung Ausdruck geben, dass auch in diesen schwierigen Zeiten der menschliche Geist mit der Hilfe Gottes Wege finden wird, um die verheerenden Auswirkungen dieser Krankheit zu überwinden. In der Zusammenarbeit mit allen Betroffenen und verantwortlichen Einrichtungen hoffen und beten wir dafür, das moralische, physische und geistige Leiden lindern zu können, das von dieser Pandemie verursacht wird.

Wien, im Juli 2010


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