Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  3. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  4. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  5. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  6. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  7. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  8. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  9. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  10. Fatales Gerichtsurteil in Deutschland: Chefarzt siegt gegen katholisches Klinik-Verbot
  11. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  12. Medienkrise verschärft sich: Dramatische Auflagenverluste für Tageszeitungen in Deutschland
  13. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom
  14. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  15. Die große Täuschung

‚Wir akzeptieren zu wenig die Größe der Verletzung’

30. September 2009 in Interview, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Enormer Zulauf zur Fachtagung "Verletzung, Verbitterung, Vergebung" in Wien - Kath.Net-Exklusivinterview mit Pfarrer Bernd Oberndorfer, Geschäftsführer des Instituts "Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie"


Wien (kath.net)
Kath.net: Das 2007 in Graz gestartete Projekt „Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“ wird am 10. Oktober mit einer Fachtagung in Wien fortgesetzt. Wie ist die Resonanz?

Oberndorfer: Außerordentlich groß, was sicher auch daran liegt, dass hier ein bisher zu wenig beachtetes Thema zur Sprache und Diskussion gestellt wird. Wir haben bis heute 450 Anmeldungen und rechnen mit mehr als 600 Teilnehmern.

Kath.net: Könnten sie kurz die Fragestellung dieser Tagung skizzieren?

Oberndorfer: Tatsächlich knüpfen wir thematisch nahtlos am Vorjahr an, wo wir uns mit Schuld, Schuldgefühl und der Frage nach dem freien Willen als Voraussetzung zur Unterscheidung auseinandergesetzt haben.

Jetzt geht es um die intra- und interpersonale Dynamik von Schuldgeschehen. Menschen als soziale Wesen werden sich immer verletzen, gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst. Die Frage ist eher, ob wir uns in einen Teufelskreis der Kränkungen einlassen, verbittert oder aggressiv reagieren oder doch echte Vergebung gelingt.

Kath.net: Warum fällt es uns so schwer zu vergeben?


Oberndorfer: Unter anderem deshalb, weil wir zu leicht vergeben. Wir akzeptieren zu wenig die Größe der Verletzung bei uns selber und anderen, bemerken nicht, wie dauerhaft sich Kränkungen in uns einschneiden, manifest werden, uns und unsere Beziehungen verändern, ja deformieren. Wir überspringen oder unterdrücken Gefühle wie Wut, weil wir sie als negativ identifizieren. Aber in ihnen steckt auch eine positiv zu nutzende Kraft.

Kath.net: Sieht das ihr christlicher Glaube nicht anders? Muss der Christ nicht vergeben?

Oberndorfer: Aber kann ich tun, was ich nicht tun kann? In vielen Beichtgesprächen mache ich die Erfahrung, dass Menschen schwer damit zu kämpfen haben, dass sie jemanden nicht vergeben können, dass sie Hassgefühle haben. Und dann kippt ihr Gespräch rasch auf die ungerecht empfundene Kränkung. Aufs erste schaut das aus, als ob sie einen Sprung vom Schuldbekenntnis zur Schuldzuweisung machten.

In Wirklichkeit erlauben sie sich in diesem geschützten Rahmen, ihre Gefühle der Verletzung mit gleichsam kanalisierter Wut zur Sprache zu bringen. Dadurch auch eine Distanz zum Verursacher zu setzen. Und erst aus der souveränen Distanz heraus können sie wirklich vergeben.

Kath.net: Ist Vergeben also eine Frage der Macht?

Oberndorfer: Vergebung kann durchaus Machtausübung bedeuten. Jemanden zuzusagen „Ich vergebe dir“ inkludiert die Aussage „Du bist schuldig“, es bedeutet, sich über den anderen zu erheben, quasi besser zu sein. Solche Vergebung versucht, Macht auszuüben. Sie wird deshalb auch faktisch vom anderen nie angenommen, zementiert eher feindseliges Verhalten ein.

Vergebung muss vielmehr erbeten werden. Und das wird nur geschehen, wenn beide sich gleichermaßen als ständig vergebungsbedürftig auf gleicher Ebene begegnen. Sonst bleibt Vergebung ein Tauschhandel, der mein Verzeihen gegen deine Reue gibt.

Es geht um Vergebung ohne aufzurechnen, ohne Bedingungen, freilich auch ohne zu vergessen oder zu bagatellisieren. Manches muss in dieser Welt geradezu „unverzeihlich“ bleiben, um der Gerechtigkeit und Würde der Opfer willen.

Kath.net: Braucht es Gott zur Vergebung?

Oberndorfer: Die Existenz Gottes als transzendentaler Vorbedingung für Vergebung ist mir geradezu eine Art indirekter Gottesbeweis. André Comte-Spionville, ein Agnostiker, hat die Barmherzigkeit als die Tugend der Vergebung bezeichnet und ihr für uns unerreichbare Unendlichkeit zugeschrieben. Tatsächlich halte ich Vergebung erst im Raum solcher unendlicher göttlicher Barmherzigkeit für wirklich möglich.

Kath.net: Was erwarten sie sich von der Fachtagung?

Oberndorfer: Manchmal beobachte ich, wie Menschen plötzlich wirklich verzeihen können, Verhärtungen sich lösen und manchmal bleibt alles blockiert. Als Priester glaube ich daran, dass dies viel mit Gnade zu tun. Aber ich bin gespannt, welche psychischen Mechanismen hier die Naturwissenschaften aufzeigen können.

An der Tagung ist jeder Interessierte willkommen. Die Anmeldung erfolgt online auf rpp2009.org.

Foto: © rpp-congress.org


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Psychologie

  1. Falsche Studie über religiöse Erziehung zurückgezogen
  2. Gerichtsgutachter: Gesellschaft leidet an Wertschätzungskrise
  3. Erworbenes und übernatürliches Wissen – wo liegt die Grenze?
  4. Konservative sind glücklicher als Progressive
  5. Sexuelle Übergriffe - Attacken auf die Seele
  6. Führen gute Charaktereigenschaften automatisch zum besseren Menschen?
  7. Die zerstörerischen Elemente des Triebes
  8. Glaubensverführer auf hohem Niveau
  9. Gottesdienstbesuch reduziert Selbstmordrisiko bei Frauen
  10. Psychologie der Askese






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  8. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  9. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  10. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  11. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  12. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  13. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  14. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  15. Ist Jesus der Herr?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz