02 April 2009, 12:03
Golser für mehr Entscheidungsbefugnis für die Bischofskonferenzen
 
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Neuer Südtiroler Diözesanbischof möchte, dass den kontinentalen Bischofskonferenzen in der Frage der Priesterweihe für bewährte, verheiratete und in der Gemeinde geachtete Männer (viri probati) "mehr Entscheidungsmöglichkeiten" zugestanden werde

Bozen/Innsbruck (pdi)
Den kontinentalen Bischofskonferenzen sollen in der Frage der Priesterweihe für bewährte, verheiratete und in der Gemeinde geachtete Männer (viri probati) „mehr Entscheidungsmöglichkeiten“ zugestanden werden. Diese Ansicht vertritt der neue Bischof von Bozen-Brixen, Karl Golser, in einem Interview. Es ist in der jüngsten Ausgabe der Kirchenzeitung der Diözese Innsbruck, „Tiroler Sonntag“, abgedruckt.

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Zum Priestermangel sei festzuhalten, dass „wir in Zukunft eine Struktur der Seelsorge haben werden, die nicht mehr so klerikal und auf Priester konzentriert sein kann, wie sie es früher war“, betont Golser. Priester zu werden, sei eine „anspruchsvolle Entscheidung“. Auch gegenüber de Ehe gebe es eine Angst, sich ein Leben lang zu binden. Wichtig sei, dass „die Jugendlichen Priester finden, die Vorbild sein können“.

Weil „garantiert“ werden müsse, dass „die christlichen Gemeinden die Möglichkeit haben, Eucharistie zu feiern“, erwartet Golser, dass über die Priesterweihe für viri probati „immer mehr diskutiert werden wird“. Für seine Ansicht, dass es in dieser Frage mehr Entscheidungsbefugnis für die kontinentalen Bischofskonferenzen brauche, macht er geltend, dass das Problem je nach Kontinent „unterschiedlich gespürt“ werde. Zum Thema „Frauen und Kirche“ bedauert Golser, dass das vor rund 20 Jahren von Papst Johannes Paul II. verfasste Schreiben über die Würde der Frau (Mulieris dignitatem) mit seinen „revolutionären Aussagen“ kaum wahrgenommen werde. Golser glaubt, „dass man die spezifischen Fähigkeiten von Frauen viel mehr in die Entscheidungen der Kirche einbeziehen sollte“. Er tritt für „mehr Frauen in Spitzenfunktionen des Bischöflichen Ordinariats ein“. Er könne sich vorstellen, dass - wie in der Diözese Innsbruck - auch in seiner Diözese eine Frau das Seelsorgeamt leitet. Auch das Ehegericht könne eine Frau leiten.

Entschieden spricht sich Bischof Golser für ein Weitertragen der „Überzeugung“ aus, „dass Jesus Christus der Heilsbringer für alle Menschen ist“. Es bedrücke ihn, „dass die Glaubensvermittlung in den Familien oft nicht mehr stattfindet“. In der gegenwärtigen pluralistischen postmodernen Gesellschaft werde den Menschen „eingeimpft“, dass sie das Glück erreichen, „wenn sie sich möglichst viel leisten können“. Bei Rückschlägen würden viele in Depression verfallen, weil sie merken, dass sie keinen Halt haben. In den Augen dieser Menschen sei Euthanasie naheliegend. Er, Golser, gebe darauf die Antwort: „Das Glück entsteht, wenn ich in guten Beziehungen lebe, auch die Beziehung zu Gott, dem Schöpfer, von dem ich mich getragen weiß, ein Urvertrauen.“

Speziell für die Tirolerinnen und Tiroler hofft Golser, dass sie das gegenwärtige Gedenkjahr 1809-2009 nutzen, „Tiroler Traditionen neu zu entdecken“. „Im Tiefsten“ könne das heißen, „die Werke der Barmherzigkeit neu zu entdecken“. Beispielhaft nennt der Bischof: „die Fremden beherbergen, sich für die Freilassung der Gefangenen einzusetzen, die Hungernden speisen bis hin zur Frage, wie gehe ich mit der Kultur der Bestattung um.“ Golser hält es für notwendig, der Postmoderne gegenzusteuern, „die nur mehr die Gegenwart sieht“. Ziel müsse ein „Zusammenleben in Frieden sein“.

Kathpedia: Bischof Golser

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