06 März 2009, 10:35
Fieberanfall im österreichischen Katholizismus
 
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Alte Argumente von altgewordenen Zölibatsgegnern - Viele Kirchenfeinde haben wie Adolf Hitler erkannt, dass der Zölibat der Kirche eine innere Stärke und Widerstandskraft gibt - Ein Kommentar von Dekan Dr. Ignaz Steinwender

Zell am Ziller (kath.net)
Wenn ich mit Nichtkatholiken, Fernstehenden oder mit Kirchengegnern spreche, dann fällt mir manchmal auf, dass diese gewisse Stärken der Kirche viel besser erkennen als manche katholischen Insider oder Mitläufer. Als Jesus zu den Jüngern über die Ehelosigkeit um des Himmelreiches Willen redete, sagte er die Worte. „Wer das erfassen kann, der erfasse es“ (Mt 19,12). Damit hat er angedeutet, dass nicht jeder dies verstehen werde. Mit dieser Erkenntnis muss auch die katholische Kirche leben. Wer den tieferen Sinn erfasst, wird auch die Gründe verstehen, warum die Kirche den Pflichtzölibat für Priester eingeführt hat.

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In regelmäßigen Zeitabständen gibt es sogenannte „Anläufe gegen den Zölibat“, wie zuletzt durch eine sogenannte Laieninitiative, der prominente Politikerpensionisten wie Andreas Khol und Erhard Busek sowie der Altkirchenvolksbegehrer Feichtl-bauer angehören. Diese Leute halten sich zwar für sehr fortschrittlich, bedenken aber nicht, dass sie mit ihren „Reformvorschlägen“ auf eine sehr lange Tradition zurückblicken können. Die Tradition des Nichterfassens ist genauso alt wie der Zölibat selbst, der etwas spezifisch Neutestamentliches ist.

Seit es den sogenannten Pflichtzölibat gibt, gab es Versuche, ihn wieder zu beseitigen, von Kirchengegnern oder von vermeintlichen Kirchen-reformern. Ob es nun Adelige waren, die durch den Pflichtzölibat keine Bischofsämter mehr innehaben konnten, ob es französische Revolutionäre waren, die ein Blutbad unter Geistlichen anrichteten und Zwangsverheiratungen einführten oder ob es sich um Kommunisten oder um heutige Materialisten handelte. Allen war oder ist der Zölibat, oft die katholische Kirche selbst, ein Dorn im Auge.

Hier ein drastisches Beispiel aus der Zeit des Nationalsozialismus im Jahre 1937. Hitler war damals das vierte Jahr in Deutschland an der Macht. In Österreich war die NSDAP zu dieser Zeit verboten. Hitlers ursprünglicher Plan, eine einheitliche Deutsche Reichskirche aus Protestanten und Katholiken zu schaffen, war mit den Katholiken nicht möglich.

In der evangelischen Kirche hatten sich die Deutschen Christen (nationalsozialistisch eingestellte Protestanten) bei Reichskirchenwahlen 1933 durchgesetzt. Die NSDAP versuchte, die katholische Kirche ab 1936 mit medial geschürten Sittlichkeitsprozessen gegen Geistliche zu schwächen. Papst Pius XI. schrieb eine Enzyklika gegen den Nationalsozialismus, die innerhalb von fünf Tagen in Deutschland heimlich gedruckt, verbreitet und dann am 21. März in 11.500 Kirchen von den Kanzeln verlesen wurde.

Die Gestapo hatte diese Aktion zu spät bemerkt. Als Hitler davon erfuhr, tobte er, befahl am 6. April die Wiederaufnahme der Sittlichkeitsprozesse und entwickelte im Mai, wie aus Göbbels Tagebuch hervorgeht, einen Plan zur Vernichtung bzw. Beugung der Kirche. Dieser Plan beinhaltete die Enteignung des Kirchenvermögens, erschwerten Zugang zum Theologiestudium, Auflösung der Orden und Klöster, Verbot der Erziehung durch kirchliche Personen sowie die Beseitigung des Zölibats.

Viele Kirchenfeinde haben wie Adolf Hitler offensichtlich erkannt, dass der Zölibat der Kirche eine innere Stärke und Widerstandskraft gibt, die sie (Gott sei Dank vergeblich!) brechen wollten. Leider haben Erhard Busek, unter dessen Leitung die ÖVP Wien zur Bedeutungslosigkeit gesunken ist und der dann mit seinem liberalen Kurs die Bundes-ÖVP weiter abwärtsgeführt hat, und sein Pensionistenkollege Andreas Khol nicht einmal das erkannt, geschweige denn die tieferen theologischen Argumente, die hier nicht weiter ausgeführt werden können.

Wenn jemand zweifelt, wer am besten weiß, was für die Kirche gut ist und wer es am besten mit der Kirche meint, dem seien zwei Hinweise gegeben: Am besten meint es sicher der liebe Gott mit der Kirche, weil es Seine Kirche ist. Er leitet sie seit 2000 Jahren durch den Heiligen Geist und das Lehramt. Dem Papst traue ich zu, dass er mehr Heiligen Geist hat als manche selbsternannten „Kirchenreformer“.
Der Historiker Professor Brandmüller hat in dem Buch „Licht und Schatten. Kirchengeschichte zwischen Glaube, Fakten und Legenden“ unter dem Titel „Fieberanfälle des Deutschen Katholizismus“ unter Bezugnahme auf das Kirchenvolksbegehren 1995 verschiedene Initiativen der letzten 200 Jahre beschrieben wie Antizölibatsvereine, National-kirche etc. beschrieben. Alle diese Fieberanfälle sind vorübergegangen, weil am Ende der gesunde Glaubenssinn resistent blieb, wie Brandmüller schrieb.
Und so wird auch diese „Pensionistenintiative“ von „politici improbati“ bald vorübergehen. Die Kirche wird sich ihre Freiheit, diese Dinge selbst zu bestimmen, nicht nehmen lassen. Die Frage ist nur, ob diese Initaitve in der Geschichtsschreibung überhaupt den Rang eines Fieberanfalles bekommen wird oder ob es nur für den Status eines Rülpsers reichen wird.

Der Kommentar von Dekan Dr. Ignaz Steinwender erschien ursprünglich im Pfarrblatt der Pfarrei Zell am Ziller, Erzdiözese Salzburg. Mit freundlicher Genehmigung für kath.net!

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