Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. IRRE! – „LifeSiteNews“ postet Papst-Bild mit Henkerstrick auf X
  2. BREAKING NEWS - Der Papst hat Lungen-Krebs!
  3. Kardinal Marx meint: "Die Kirche ist kein sinkendes Schiff, sie wird nur umgebaut"
  4. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  5. „Warum bin ich Christ“
  6. Böhmermann verhöhnt in seiner Sendung Jesus Christus
  7. Deutsche Caritas-Präsidentin fordert CDU-Annäherung an 'Die Linke'
  8. Was auch immer Synodalität sein soll
  9. Papst Leo wird operiert - Knoten in der Lunge!
  10. Meghan Markle-Fans ‚terrorisieren‘ Priester wegen Kritik an ihrem Adventskalender
  11. Was eine Messe wiegt
  12. 'Christen können Todesstrafe in gutem Gewissen ablehnen'
  13. Wenn dir beim Rosenkranzgebet der Zahnarzttermin einfällt
  14. 'Wenn ich zurückkönnte, würde ich sie wieder wählen – genau wie sie sind'
  15. Papst ab Dienstag im Gemelli-Krankenhaus

Jerusalem ist der Ort des Rosenkranzes

4. Oktober 2008 in Spirituelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Die Oktober-Lese-Serie auf KATH.NET - Jeden Samstag Auszüge aus dem neuen Bestsellerbuch von Paul Badde exklusiv auf KATH.NET - Kapitel "59 Kugeln und ein Kreuz" - Teil 1:


Rom (kath.net)
KATH.NET bringt im Monat Oktober jeden Samstag Auszüge aus dem neuen Buch von Paul Badde über den Rosenkranz.

Buchbestelltipp: Heiliges Land – Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen – Der neue Bestseller von Paul Badde

Kapitel "59 Kugeln und ein Kreuz" - Teil 1:

Als ich das aber alles zusammen fügen wollte, lebten wir bei den Benediktinern auf dem Zionsberg – gleich außerhalb des von Schüssen zernarbten Zion-Tores –, und da war Weihnachten mit all den Feiern rasch vorbei, bevor ich auch nur eine einzige Zeile geschrieben hatte. Am Stefanstag, dem 27. Dezember, ging ich deshalb noch einmal zum Grab Bargil Pixners auf dem kleinen Friedhof der Abtei, zu seinem schlichten Grabstein an der Mauer, und erinnerte mich. An seine große klobige Gestalt, den Schalk in seinen Augen, seinen Eigensinn, den gepflegten weißen Bart, den kahlen Schädel, die altertümliche Brille.

Wir kannten uns nur zwei Jahre und waren doch noch einmal Freunde geworden in einem Alter, wo man eigentlich keine neuen Freunde mehr gewinnt, er um die 80, ich um die 50 Jahre alt. Mitten in der Intifada war ich auf die Schnapsidee gekommen, ihn für ein zukünftiges Rosenkranzbuch zu interviewen, weil er das Heilige Land kannte wie kein zweiter. Er hatte sofort eingewilligt. Wir hatten verschiedene hastige Sitzungen hinter uns gebracht, in denen ich ihn nach den genauen Orten befragte, in denen sich das Evangelium entrollt hatte. Doch abgehört hatte ich die Tonbänder nie, weil sich zu viele andere Aufgaben für mich dazwischen schoben und für Bargil ein plötzlicher Tod. Das war nun schon zwei Jahre her.


Doch jetzt setzte ich mich nach dem Besuch an Bargils Grab in mein Zimmer an den Schreibtisch, schaute aus dem Fenster und spürte, dass die Worte zum Rosenkranz auf diesem Berg plötzlich wie aus einer Quelle sprudelten: »In Jerusalem blühen auch im Winter Rosen«, notierte ich. Danach ging es los wie von selbst: Dunkelrot, rosa und weiß wie Schnee leuchten sie mir in der Dämmerung entgegen, schrieb ich weiter, wenn ich in der Früh durch den Garten zur Abtei »Mariä Heimgang« hinüber gehe. Wo auf der Welt könnte es friedlicher sein? Sogar die Vögel zwitschern auf dem Zionsberg anders, besonders morgens in der Früh, wenn sie die Schreie der Hähne und Rufe der Muezzine begleiten, die der Wind über das Kidrontal herüberweht.

Jetzt ist vor meinem Fenster wieder ein Wiedehopf in den entlaubten Feigenbaum geflogen und spreizt seinen Federkamm gegen den Himmel. Hinter dem Baum um schließt ein Gitter die Ruine, wo die Apostel die Gottesmutter nach ihrem Tod aufbahrten, bevor sie die Jungfrau unten im Tal Josaphat neben dem Garten Gethsemani begraben haben, wie die christlichen Jerusalemiter es sich seit Generationen erzählen.

In der Christnacht waren wir zu Fuß nach Bethlehem geeilt. Sanft es Licht der Sterne beschien die Stacheldrahtgebinde auf den Hirtenfeldern. Am Abend war im Osten der Gipfel des Ölbergs kupfern aufgeleuchtet, darüber ein Himmel in türkis, darin eine Wolke, im gleichen Glühen wie die Erde darunter, gerade so, als sei es eine zweite Schöpfung in der Höhe. Himmelfahrtsleuchten. Es war so schön, dass man sich unwillkürlich bekreuzigen möchte. Es war der letzte Blickwinkel Marias, den wir da teilten.

Hier hat sie gelebt. Gerade hinter dem Garten, wo jetzt die Rosen blühten, ist sie gestorben. Im Nachbarhaus war sie beim ersten Pfingstfest dabei, gerade eine Viertelstunde von Golgatha entfernt – gerade so weit wie von unserer alten Wohnung in der Helena Hamalka Street –, wo sie die Passion Christi aus allernächster Nähe mit erlitten hat: den Foltertod ihres Sohnes, »der für uns Blut geschwitzt hat, gegeißelt und mit Dornen gekrönt wurde, das Kreuz durch die Straßen der Stadt geschleppt hat, am Kreuz gestorben ist – und den sie hier auch zu Elisabeth getragen, in Bethlehem geboren, da vorne im Tempel aufgeopfert und nach drei Tagen wieder gefunden hat« – nachdem sie ihn mit Josef in der Stadt verloren hatte. Keine Frage: Jerusalem ist die Stadt des Rosenkranzes.

Ja, jedes Wort hat hier einen Ort. Das gibt es nicht einmal in Rom. Auch in der schönsten Stadt der Welt gibt es nicht diese Offenbarung Christi im Andenken der Steine wie in Jerusalem. Jerusalem ist der Ort des Rosenkranzes. Jeder Rosenkranz verbindet mit dieser Stadt.

Die Zeit des Rosenkranzes aber ist überall und jederzeit. Besonders in Zeiten großer Not. Im Rosenkranz schauen uns vier mal fünf Ikonen der Heilsgeschichte an. Die zwanzig verschiedenen Geheimnisse darf man sich deshalb auch vorstellen wie Schlüssellöcher in den Raum der Evangelien, durch die wir immer mehr von der Wirklichkeit der Erscheinung Gottes in Jesus erfassen – und zwar »mit den Augen seiner Mutter«, wie Karol Wojtyla sagte.

Im Rosenkranz schauen wir »durch die Worte hindurch wie durch ein Fenster auf das Leben Christi«, schrieb Joseph Ratzinger, »und schauen nicht bloß hin, sondern werden auch seine Zeitgenossen. Er wird unser Zeitgenosse, wir gehen mit ihm, er geht mit uns.« So gesehen, ist der Rosenkranz Theologie pur, allerdings für alle und nicht nur für Theologiestudenten – und es ist eine Theologie, die vom Gebet umrahmt ist und nicht vom Gerede. Es ist ein Sehen, das nicht seziert, sondern zusammenfügt. Keine Ideologie kann sich dieser Schau bemächtigen und kein Zeitgeist. Sie setzt den Verstand nicht aus, sondern befreit ihn.

Darum sind die Finger auch so wichtig – und die Schnur mit ihren 59 Kugeln und dem Kreuz für das Fingerspitzengefühl. Es ist eine Art Blindenschrift , um die Augen nicht abzulenken und den Verstand. Sie sollen sich nicht mit dem Zählen aufhalten müssen; das können sie hier ganz den Fingern überlassen. Deshalb lässt er sich auch überall beten, im Gehen und Stehen, im Bus und in der Bahn – im immer neuen Blick auf die Kindheit Jesu, auf seine drei letzten Lebensjahre, auf seine Passion, auf seine Auferstehung. Jeder Rosenkranz vernäht die christliche Existenz mit dem Heiligen Land. Jeder Kranz ist eine kleine Pilgerreise. Den Rosenkranz beten heißt: Pilgern mit den Fingern. Darum beten Fußpilger ihn auch so gern. Dazu ist es aber auch das einfachste – und süßeste – aller Gebete. Mit ihm geht es wie mit Mehl, das man im Mund kaut. Je länger man es zwischen den Zähnen hat, je mehr verwandelt sich die Stärke in Zucker. Der Rosenkranz erschließt sich deshalb erst vollständig in der häufigen, absichtslosen – und am besten täglichen – Wiederholung. Auch hier gleicht er dem Atmen der Pilger.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Badde

  1. 21 Märtyrer
  2. Christus ist auferstanden. Gott sei Dank und Halleluja!
  3. Zwei besondere Tücher und die wichtigste Frage unseres Lebens
  4. Das Abbild Jesu in zwei Tüchern
  5. Ohne Judentum steht das Christentum auf tönernen Füßen
  6. Heimat ist komplizierter
  7. Ja, wir hatten ein Halbes für das Ganze gehalten
  8. Das ist die Geschichte eines Engels
  9. Christus ist auferstanden. Resurrexit vere
  10. Ursprung der Welt und Ursprung der Geschichte







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst ab Dienstag im Gemelli-Krankenhaus
  3. Müller kritisiert geplante öffentliche Hinrichtung in den USA scharf
  4. Was auch immer Synodalität sein soll
  5. Auf den Spuren des Hl. Paulus - Mit Michael Hesemann nach Griechenland
  6. Europa „entseuchen“?
  7. Gerettet durch ein Pro-Life-Schild: Die Geschichte der kleinen Sawyer
  8. Papst an Russland: Getreide der Ukraine muss exportiert werden
  9. US-Demokraten planen Abtreibung bis zur Geburt bei Wahlsieg im November
  10. Ägyptischem Konvertiten droht lebenslange Haft
  11. Arabische Jugendliche störten Abendmesse mit „Allahu Akbar“-Rufen in Wien
  12. Ukrainischer Bischof: Haben Russland nie um Hilfe gebeten
  13. Papst mahnt Studierende: Glaubenslehre nicht einseitig auslegen
  14. Messi: Ohne Gott wäre ich nie so weit gekommen
  15. Vatikan: Bischöfe fordern langfristige Begleitung von Ehepaaren

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz