05 Dezember 2005, 20:48
Die Kirchennörgler und der 'Geist des Konzils'
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Gesellschaft'
"Wir sind Kirche" besteht aus einem Briefkasten und einem E-mail-Server, die KirchenVolksBegehrer, die in Publik-Forum ihr Organ fanden, sind heute ergraut und (geistig) kinderlos geblieben - Ein Kommentar von Guido Horst / Die Tagepost

Wenn in zehn Jahren das Zweite Vatikanische Konzil "silbernes Jubiläum" feiert, wird sich mehr und Besseres über diese große Kirchenversammlung sagen lassen, als das derzeit bei den etwas pflichtschuldigen Würdigungen der Fall ist. Vierzig Jahre nach Abschluss der Arbeiten: Das ist zu früh, um eine solide Bilanz zu ziehen. Zu viele Zeitzeugen leben noch und bringen jetzt in ihre Einschätzungen persönliche Wertungen und Enttäuschungen mit ein. Die nachfolgende Generation wird sich dagegen weniger mit dem "Geist des Konzils", sondern vielmehr mit dessen Texten befassen. Denn das steht ja noch aus. Unter Berufung auf das Zweite Vatikanum werden heutzutage noch die unmöglichsten Dinge gefordert, die den Dokumenten des Konzils völlig widersprechen. Da muss noch ein wenig Wasser den Tiber und Rhein hinunter laufen, bis der Blick auf die wirklichen Inhalte der Bischofsversammlung freie Bahn erhält. Diese kommende Generation, die sich in naher Zukunft den Konzilstexten wissenschaftlich-theologisch oder aus privatem gläubigen Interesse annimmt, wird die "Generation Wojtyla" beziehungsweise die "Generation Benedikt" sein. Eine andere gibt es dann nicht mehr.

Werbung
Messstipendien

Die Kirchennörgler, die in den vergangenen Jahren den "Geist des Konzils" beschworen haben, waren unfruchtbar. "Wir sind Kirche" besteht aus einem Briefkasten und einem E-mail-Server, die KirchenVolksBegehrer, die in Publik-Forum ihr Organ fanden, sind heute ergraut und (geistig) kinderlos geblieben. Wo die Zukunft liegt, hat dagegen die Million Teilnehmer auf dem Weltjugendtag gezeigt. Das wirkliche Zweite Vatikanum holt erst jetzt die Kirche wieder ein. Das hohe Frustrationspotenzial, das das Konzil geschaffen hatte, ist dabei gar nicht diesem selbst anzulasten. Die nachkonziliare Kirche geriet in den Sog der Achtundsechziger-Bewegung, deren Hoffnung Bischof Reinhard Marx einmal so geschildert hat: Sie sah "die Möglichkeit, sich von Konventionen, Normen, vorgebenen Institutionen zu lösen und das Subjekt in der persönlichen Freiheit voll ausleben". Marx fügte hinzu, dass "dieses unbändige Freiheitspathos" bis heute "unser Miteinander in Kirche und Gesellschaft" geprägt habe. Also auch in der Kirche. Bis heute. Nun aber sollte Schluss damit sein. Die Achtundsechziger-Bewegung ist jetzt ebenfalls frustriert an ihr historisches Ende gelangt. Friede ihrer Asche. Aber die Kirche lebt weiter. Nur dass sie nicht die Hoffnung auf das von Bischof Marx so genannte Freiheitspathos setzt, sondern auf Jesus Christus. So lehrt es das Konzil. Man lese ruhig einmal nach.

Guido Horst

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Europawahl - Ratlos vor der Entscheidung? (64)

Bischof Huonder zieht sich in Haus der Piusbruderschaft zurück (38)

„So wenige?“ (38)

Kardinal Woelki spricht Pater Romano Christen Vertrauen aus! (36)

Ibiza liegt in Europa - Ein Fall und eine Falle (36)

Vor Wahlen: Notwendiges Gespräch oder „indirekte Wahlempfehlung“? (33)

Bischof Zdarsa: steht jedem frei, das Schiff der Kirche zu verlassen (32)

Synodaler Weg – „Ich halte das für einen Etikettenschwindel“ (29)

Über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe (28)

"Ich vertraue mich dem Unbefleckten Herzen Mariens an" (27)

Großgmeiner Pfarrer kritisiert Marienheilgarten als „esoterisch“ (25)

Deutschland: „Elternteil 1 und 2“ statt „Vater“ und „Mutter“ (24)

Turiner Grabtuch: Wissenschaftler prüfen bisherige Altersmessung (23)

'Sie können nur hoffen, dass er in der katholischen Kirche ist' (22)

Protest gegen Monsterpfarreien im Bistum Trier (20)