20 November 2004, 16:26
Klaus Berger: 'Sünde ist eine tickende Zeitbombe'
 
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Der Heidelberger Theologieprofessor erinnerte bei einer Tagung der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge daran, dass Sünde die Beziehung des Menschen zu Gott als auch der Menschen untereinander zerstöre

Oberursel (kath.net/idea)
Warum braucht der Mensch Vergebung? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Tagung der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) in der Fachklinik Hohe Mark (Oberursel). Das Treffen mit rund 150 Teilnehmern stand unter dem Motto "Vergebung: nicht leicht, aber lebensnotwendig". Der APS-Vorsitzende und Chefarzt der Psychotherapeutischen Abteilung der gastgebenden Klinik, Martin Grabe, wies darauf hin, daß Vergebung eine Möglichkeit sei, Kränkungen der Vergangenheit und damit auch die Bindung an den Täter loslassen zu können. Die anfängliche Verletzung mache nur einen Bruchteil der gesamten emotionalen Belastung aus. Schwerwiegender sei der innere Prozeß, der sich an die Verletzung anschließe: "Die Situation wird immer wieder nacherlebt, meist unter dem Vorzeichen, wie ein Mensch denn besser, schlagfertiger, aggressiver hätte reagieren können. Hinzu kommen Haß- und Rachephantasien." Um Vergebung zu erfahren, gebe es drei Wege: Verstehen, Relativieren und Ausgleichen. In jedem liegt eine Chance, zu einer inneren Befreiung zu kommen. Grabe: "Je mehr ich verstehe, desto weniger halte ich das, was mir da passiert ist, für ein Unrecht, das mir bösartig zugefügt wurde, und desto näher bin ich an der Vergebung." Bei sehr schweren Verletzungen sei eine wirklich vollständige Versöhnung oft lebenslang nicht möglich. Man könne Rachegedanken jedoch an Gott abgeben; viele Christen hätten dies als äußerst heilsam erlebt.

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Hoheitlicher Akt zur Vergebung Gottes nötig

Der Heidelberger Theologieprofessor Klaus Berger ging auf die Vergebung Gottes gegenüber dem sündigen Menschen ein. Sünde zerstöre die Beziehung des Menschen zu Gott als auch der Menschen untereinander. Berger sprach in dem Zusammenhang von einer "tickenden Zeitbombe", die entschärft werden müsse. Ein hoheitlicher Akt sei nötig, ähnlich wie im staatsrechtlichen Bereich, um einen Menschen wieder in verlorene Bürgerrechte einzusetzen. Dies sei vor allem die stellvertretende Sühne, wie sie Menschen im Kreuz Jesu begegne. In der im Jahr 2000 gegründeten APS sind 167 Einzelmitglieder - Therapeuten, Seelsorger und Mitarbeiter in Fachkliniken - zusammengeschlossen.

Foto: (c) Pattloch

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