01 Februar 2004, 15:27
Familiäres Umfeld mitverantwortlich für homosexuelle Neigungen
 
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Die Familie prägt das sexuelle Verhalten von Kindern stärker als angenommen, meint der Oblatenpater John Harvey.

New York (www.kath.net / zenit) Die meisten Kinder, die als junge Erwachsene homosexuelle Erfahrungen suchen, neigen auf Grund ihres häuslichen Milieus zu homosexuellem Verhalten. Diese Meinung vertritt ein auf dieses Gebiet spezialisierter Seelsorger. Der Oblatenpater John Harvey ist Gründer des katholischen Apostolats für Erwachsene mit homosexuellen Neigungen, das sich “Courage” (“Mut”) nennt. Er ist Mitherausgeber von “Homosexuelle Neigung: Leitfaden für Eltern” (“Same-Sex Attraction: A Parent’s Guide”). Er gab ZENIT einige Interviews darüber, wie Eltern sich über homosexuelle Neigungen informieren und wie sie mit ihren Kindern über eine gesunde menschliche Sexualität sprechen können.

ZENIT: Sie erwähnten, dass Situationen in der Familie und im Elternhaus zum Entstehen homosexueller Neigungen beitragen können. Besteht ein Unterschied zwischen Kindern in diesen Situationen und Jugendlichen, die sich auf Grund gesellschaftlicher Einflüsse für homosexuelle Kontakte entscheiden?

Pater Harvey: Es besteht ein signifikanter Unterschied zwischen einem Kind mit homosexuellen Neigungen auf Grund des häuslichen Milieus und jemandem, der durch Experimentieren dazu kommt. Dass ein Jugendlicher sich für homosexuelle Kontakte entscheidet, ist verhältnismäßig selten, auch wenn dies auf Gymnasium- und Hochschulebene “cool” zu werden scheint. Im allgemeinen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diejenigen, die Kontakte haben, bereits homosexuelle Neigungen hatten und dass diese sich in der Studienzeit manifestieren.

Es kommt nicht häufig vor, dass jemand, der von sich annimmt, dass er oder sie heterosexuell ist und der aus einer gesunden Familie kommt, sich homosexuellen Handlungen zuwendet. Ein Trauma, wie zum Beispiel die Vergewaltigung eines Mädchens oder Jungen im Teenageralter, kann ihn oder sie dazu führen, eher zu gleichgeschlechtlichen Personen hingezogen zu werden als zum anderen Geschlecht. Manchmal gibt es eine Teenagerperiode, in der junge Menschen, die sich nicht vom entgegengesetzten Geschlecht angezogen fühlen, es mit einer solchen Beziehung versuchen und es nicht klappt. Sie stellen auch fest, dass Geschlechtsverkehr mit jemandem vom anderen Geschlecht kein Heilmittel gegen homosexuelle Neigungen ist.

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Einige gesellschaftliche Einflüsse, die dazu führen, dass Jugendliche in homosexuelles Verhalten hineingezogen werden, können auf das Gymnasium zurück verfolgt werden. Viele fühlten sich allein, weil sie sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlten und in die Gruppe nicht gut hinein passten. Beim Studium gerieten sie in eine Gruppe von Leuten mit homosexuellen Neigungen, die nach einer passenden Gesellschaft Ausschau hielten. An diesem Punkt kann es zu homosexuellen Erfahrungen kommen, zwischen Personen, die bereits prädisponiert sind.

Je mehr Untersuchungen angestellt werden, desto häufiger stellt man fest, dass der Einfluss zu Hause früh beginnt, in der Grundschule und noch früher. Aber es ist wichtig, daran zu denken, dass Teenager, die meinen, dass sie eine Hinneigung zum gleichen Geschlecht haben, nicht fürs ganze Leben festgelegt sind. Sie sagen zwar, sie sind “schwul”, aber es kann sein, dass sie es gar nicht sind. Wenn Teenager sagen, sie fühlen sich unwohl unter Gleichaltrigen des selben Geschlechts und wenn sie eine homosexuelle Neigung zu ihnen haben, dann hatten sie oft auch Schwierigkeiten in ihrer Beziehung zum gleichgeschlechtlichen Elternteil und in ihrer emotionalen und psychologischen Identifikation mit ihm oder ihr -- sie werden sich dieser gespannten Beziehung nur erst viel später bewusst.

Man muss auch hinzufügen, dass die homosexuelle Neigung auch durch die Beziehung des Kindes zum andersgeschlechtlichen Elternteil verursacht sein kann. In den Jahren, in denen ich Frauen mit homosexueller Neigung betreue, bin ich einer Reihe von Frauen begegnet, die glauben, dass ihre homosexuelle Neigung hauptsächlich ihrer Beziehung zum Vater entspringt. Es sind jedoch beide Eltern, die einen großen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und die geschlechtliche Selbstwahrnehmung des Kindes haben. Es können auch andere traumatische Erfahrungen außerhalb der Familie sein, die zur Entwicklung homosexueller Neigungen beitragen.

Wenn auch in den meisten Fällen die homosexuelle Neigung in der Kindheit beginnt, so wird doch die Teenageperiode entscheidend -- entweder wird der Teenager dazu verleitet, sich homosexuell zu betätigen, oder er bekommt Hilfe und lernt, einen enthaltsamen Lebensstil zu leben. Es ist auch möglich, dass der Teenager mit der Hilfe eines guten Therapeuten und geistlichen Leiters allmählich darauf hin arbeiten kann, seine Neigung zu überwinden oder wenigstens auf ein Minimum zurückzudrängen.

ZENIT: Was kann man für Kinder tun, die in stabilen Familien leben und sich dennoch aufgrund gesellschaftlicher Einflüsse homosexuell betätigen?

Pater Harvey: Wenn die Eltern wissen, dass ihr Kind sich homosexuell betätigt, müssen sie es dazu veranlassen, eine Therapie durch zuverlässige katholische Ärzte zu suchen. Wenn es sich um ein stabiles Familienleben im vollen Sinn handelt, wo das Kind eine gute Beziehung zu beiden Eltern hat, müssen die Eltern dann einfach weiterhin für eine gesunde häusliche Atmosphäre sorgen und dabei äußere Einflüsse auf die Familie, besonders auf das Kind, im Auge haben. Diese “äußeren Einflüsse” können sich im Jugendalter und in den frühen Studienjahren zeigen, wenn junge Leute sich in einer akademischen Umgebung befinden, wo es als “cool” gilt, homosexuell oder bisexuell zu sein. Wenn der Einzelne bereits eine gewisse Neigung zum gleichen Geschlecht hat, kann er in homosexuelle Kontakte hineinschlittern und so zu einer homosexuellen Lebensweise verleitet werden.

Ein gesundes häusliches Milieu setzt voraus, dass die Kinder lernen, ein gutes Verhältnis zu beiden Eltern zu haben. Wenn man das nicht sehen kann, liegen irgend welche Probleme vor. Gesellschaftliche Einflüsse und Schwierigkeiten können eintreten, wenn ein Teenager mit Kameraden ausgeht, die nicht mit den Einstellungen seiner Eltern übereinstimmen und keine christlichen Werte haben. Eltern müssen mit ihren Kindern reden, sie müssen ihr Kind über das Ziel und den Sinn der menschlichen Sexualität und die Schönheit der Ehe als der Vereinigung von Mann und Frau gewissenhaft unterweisen. Dies geschieht selten. Die Schriften von Christopher West über Papst Johannes Pauls des II. “Theologie des Leibes” sind dabei besonders hilfreich. Die Eltern scheuen sich, ihren Kindern zu sagen, was sie tun sollen, und mit 18 Jahren haben Teenager ihre Freiheit, zu tun, was ihnen gefällt. Die verderblichsten Lehrer der jungen Menschen sind die Medien.

ZENIT: Welche Hilfe kann den Eltern geleistet werden, die möglicherweise nicht gewillt oder in der Lage sind, nachzuforschen, ob ihre Kinder Zeichen gleichgeschlechtlicher Neigungen an den Tag legen?

Pater Harvey: Oft haben Eltern die Befürchtung, dass ihr Kind eine homosexuelle Neigung hat, wollen aber nicht Hilfe von Spezialisten in Anspruch nehmen, um die inneren Neigungen ihres Kindes festzustellen. Das Problem liegt darin, dass den Eltern kein zuverlässiges Wissen über die Anzeichen homosexueller Neigungen vermittelt wird. Und wenn jemand von außen - ein Arzt, Psychiater, Priester oder Freund - den Eltern sagt, dass ihr Kind gleichgeschlechtliche Neigungen haben könnte, ist dies für die Eltern auch sehr schwer zu verkraften. Sie wollen es nicht wahrhaben.

Viele Eltern wollen es nicht hören, aber irgend jemand aus dem Erwachsenenkreis muss es diesen Eltern bewusst machen, dass ihr Kind um Hilfe schreit. Die Eltern müssen Hilfe für ihre Kinder bekommen und sich über homosexuelle Neigungen informieren. Es gibt Bücher, die hilfreich sind - zum Beispiel Don Schmierers Buch, “Ein Körnchen Vorbeugung” (“An Ounce of Prevention”). Eltern sind manchmal unzugänglich, es herrscht viel Ablehnung. Die Eltern wollen nicht glauben, dass ihr Kind gleichgeschlechtliche Neigungen hat oder dass ihr Kind einen homosexuellen Lebensstil führen wird, wenn ihm oder ihr nicht geholfen wird.

Eltern, die nicht schon der Propaganda erlegen sind, dass ein homosexueller Lebensstil normal und akzeptabel ist, denken darüber nach, wie schwierig es für sie selbst und ihr Kind sein wird. Sie glauben, dass sie nicht damit rechnen können, dass ihr Kind einmal heiraten wird und sie sich auf Enkelkinder freuen können, und sie machen sich große Sorgen deswegen. Die Frage, wie man mit Eltern umgehen soll, die Anzeichen einer homosexuellen Neigung bei ihrem Kind nicht zur Kenntnis nehmen können oder wollen, ist äußerst schwer zu beantworten, weil es sehr schwer ist, zu wissen, wie man ihnen raten kann. Aber wenn man einige Monate lang mit diesen Eltern im Gespräch ist, wird man einen Weg finden, wie man ihnen und dem Kind helfen kann.

Die Zeichen für eine homosexuelle Neigung sind manchmal sehr gut verdeckt. Ein großer, kräftiger Jugendlicher, der begeisterter Fußballspieler ist, kann eine homosexuelle Neigung haben. Ein kleiner nicht sehr sportlicher kann heterosexuell sein. Bei der Interpretation der Anzeichen gibt es viele Probleme; aber in den meisten Fällen kann die Neigung festgestellt werden, wenn man die Beziehung zu den Eltern, den Geschwistern und gleichgeschlechtlichen Altersgenossen untersucht. Es ist sehr schwierig, weil das Kind einem oft nicht die Wahrheit sagen wird, aber einige werden zu einem Berater reden. Manchmal halten Teenager, die traumatisiert sind, ihre Neigung verborgen. Wenn sie schließlich darüber sprechen, kann ihnen unabhängig von ihrem Alter bei jeder Art homosexueller Neigung geholfen werden .

ZENIT: Welches ist die notwendige gesunde psychologische Atmosphäre, die Eltern in ihrer Ehe und Familie schaffen müssen, um homosexuellen Neigungen bei den Kindern vorzubeugen oder sie heilen zu helfen?

Pater Harvey: Eltern, die mit ihren Kindern zusammen arbeiten, erzeugen eine gesunde psychologische Umgebung. In einem Elternhaus, in dem Eltern und Kinder gern miteinander zusammen sind, werden sowohl heterosexuelle Kinder als auch solche mit einer homosexuellen Neigung davon profitieren. Gleichzeitig müssen die Eltern es klar machen, dass sie Zeit füreinander brauchen, um ihre Ehe (lebendig) zu erhalten. Kinder müssen erfahren, dass Vater und Mutter sich Zeichen der Zuneigung geben. Oft kommen Kinder mit homosexuellen Neigungen aus einem Elternhaus, in dem sie nicht sehen, dass ihre Eltern dies tun. Für ein Kind aus einem Elternhaus, wo es keine Zeichen der Zuneigung zwischen Eltern oder Geschwistern erlebt, hat es , wenn es gleichgeschlechtliche Neigungen hat, Schwierigkeiten, seine Zuneigung und seine Neigungen richtig zu ordnen.

Man kann nicht mit seinen Kindern nur über Homosexualität reden -- man braucht einen Hintergrund. Zuerst muss man mit ihnen über Gott und seinen Plan für den Menschen reden, dann über die Verschiedenheit der Geschlechter und dann erst über Homosexualität. Die beste Annäherung für allein stehende Eltern besteht darin, jemanden in der Familie zu finden, der dem Kind Freundschaft und Orientierung geben und ihm als Leitbild dienen kann. Eine allein stehende Mutter sollte in der Familie jemanden finden, ihren Bruder etwa oder jemanden anderen, der mit ihrem Sohn eine gute Beziehung hat, entsprechend ist es bei einem allein stehenden Vater und seiner Tochter. Es ist das besondere Vorrecht des Elternteiles, dies für sein oder ihr Kind zu tun.

Es ist ein langer Prozess, die sexuelle Identität in ihre natürliche Ordnung zurückzubringen, sie zu heilen. Es geschieht nicht von heut auf morgen. Dieser Prozess kann im Alter von drei oder vier Jahren beginnen -- wenn die Kinder anfangen, Anzeichen für ein Hingezogensein zu gleichgeschlechtlichen Personen an den Tag zu legen -- und er kann sich durch die Teenagerzeit bis in die Erwachsenenjahre hinein erstrecken. Er muss unter einem umfassenderen Blickwinkel gesehen werden. Zwei Faktoren scheinen mir für Teenager hilfreich zu sein: eine professionelle Therapie mit einem guten Therapeuten, der treu zur Lehre der Kirche steht, und geistliche Leitung und Gebet.

ZENIT: Der Katechismus der Katholischen Kirche [Nr. 2358] sagt, dass Menschen mit einer homosexuellen Neigung ihren Zustand nicht selbst wählen. Bedeutet das von Ihrem Standpunkt aus, dass es kein erlerntes Verhalten ist?

Pater Harvey: Eine Art des “Erlernens” homosexueller Betätigung, liegt dann vor, wenn eine Person mit dieser Art von Aktivität von einer anderen Person bekannt gemacht wird. Jemand kann auch auf andere Weise homosexuelle Praktiken lernen, z.B. durch das, was er sich anschaut oder was er liest. Die sexuelle Einstellung selbst jedoch entwickelt sich im allgemeinen nicht in einer freien Entscheidung. Ich glaube nicht, dass irgend jemand sich für eine homosexuelle Neigung entscheidet. Die homosexuelle Einstellung hat emotionale Wurzeln und wird von Haltungen in der Seele beeinflusst, die auf Grund verschiedener äußerer Ereignisse entstehen.

Es ist jedoch keine echte Entscheidung, weil die betreffende Person normalerweise keine Kontrolle über die Umstände und Traumata hatte, welche für die Entwicklung homosexueller Neigungen eine Rolle gespielt haben. Eine echte Entscheidung setzt volles Wissen und volle Erkenntnis beim Verstand und Freiheit beim Willen voraus. Das Forschungsmaterial stützt sich stark auf die Tatsache, dass homosexuelle Neigungen weitgehend auf das Milieu zurückgeführt werden können. Es gibt keinen Beweis für eine angeborene Homosexualität -- sie existiert nicht. Seit hundert Jahren wird über die Homosexualität geforscht, und man ist zu dem Ergebnis gekommen, dass homosexuelle Neigungen von milieubedingten Faktoren und psychologischen Einflüssen abhängen. Alle Untersuchungsergebnisse vor 1973 deuteten auf milieubedingte Faktoren hin. Dann kam die Idee auf, dass sie genetisch bedingt sei. Bisher gibt es keinen Beweis dafür.

Menschen, die eine homosexuelle Neigung haben, folgern daraus manchmal, dass das ihre Identität ist. Aber die Identität ist ständig dabei sich zu entwickeln; es bedarf einer langen Zeit, bis der Mensch in seiner Identität gereift ist. Unsere wahre Identität besteht darin, dass wir Geschöpfe Gottes, Männer und Frauen mit Intelligenz und einem freien Willen sind. Und, wenn wir getauft werden, werden wir Brüder und Schwestern Jesu Christi.







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