28 November 2018, 09:30
Erlösungsbedürftig – Das Leben nach dem Vorbild Jesu
 
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„Allzu selten, aber immerhin hin und wieder, wird mir plötzlich klar, wie sehr ich selber der Erlösung bedarf. Meist wird mir das kurz nach der Hl. Beichte bewusst“ – Gedanken eines Nichttheologen. Von Stefan Fleischer

Grenchen (kath.net/sf) Allzu selten, aber immerhin hin und wieder, wird mir plötzlich klar, wie sehr ich selber der Erlösung bedarf. Meist liegt es daran, dass mir kurz bis sehr kurz nach der Heiligen Beichte bewusst wird, dass ich wieder in die genau gleichen Fehler und Sünden gefallen bin, dass ich all meine guten Vorsätze bereits wieder vergessen habe. Das erinnert mich dann, dass ich diese Erfahrung nicht das erste Mal mache, dass ich mich aus meinen schlechten Gewohnheiten kaum wirklich zu lösen vermag, zumindest nicht allein. Das beweist mir, dass ich mich nicht selbst erlösen kann, dass ich auf die Erlösung durch Christus und auf sein Heiliges Kreuz angewiesen bin.

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Und dann kommen solche Predigten oder gut gemeinten Artikel, in welchen, wenn es gut geht, das Kreuz noch irgendwie erwähnt wird. Es gibt auch solche, welche sich diese Mühe nicht mehr nehmen. Der Schwerpunkt liegt auf einem Leben nach dem Vorbild Jesu. Viel ist von seiner Liebe zu uns allen die Rede. „An keiner Not ging er vorüber“ wird oft erwähnt. Wir werden aufgefordert den Armen, Unterdrückten und Notleidenden dieser Welt zu helfen. Der Hinweis auf die armen Länder rund um den Globus fehlt selten. Oft werden auch all die ungerechten Strukturen unserer Weltwirtschaft angeprangert. Und die Friedlosigkeit unserer Welt geht auch selten vergessen. Etwas weniger oft werden wir in Bezug auf unsere Allernächsten ermahnt. Aber das ist doch selbstverständlich, auch wenn dies in der Praxis manchmal viel schwieriger ist als der Griff in den Geldbeutel zu Gunsten eines Hilfswerkes.

Ja, das Leben Jesu ist ein leuchtendes Vorbild für uns alle. Aber wenn ich ehrlich bin muss ich doch bekennen, dass mir oft der Gedanke kommt, dass Christus der Herr bei all seinem Tun einen entscheidenden Vorteil hatte. Er war nicht erlösungsbedürftig. Er war zwar in allem uns gleich, aber eben außer der Sünde. Wenn ich dann sein Kreuz, beziehungsweise den tiefsten Sinn seines Kreuzes vergesse, dann könnte mich der Mut verlassen.

„Ich bete Dich an, Herr Jesus Christus und sage Dir Dank, denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.“ So beteten wir bei jeder Station der Kreuzwegandachten unserer Jugend. Sünde und Erlösung gehörten damals einfach dazu zur Verkündigung. Manchmal wurde dann zwar die Sünde viel stärker, vielleicht sogar zu stark, betont als die Erlösung. Doch deswegen ins andere Extrem zu verfallen, wie dies heute oft der Fall ist, scheint mir falsch, wenn nicht gar gefährlich. Dann nämlich geht schnell einmal die Erlösung vergessen. Und ohne die Erlösung bleiben uns nur die Hoffnungslosigkeit oder die Gleichgültigkeit.

Wozu ist Christus in die Welt gekommen? Das ist eine Frage, welche wir Menschen von heute uns viel zu wenig stellen. „Er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“, sagt die Schrift. (Ps 130,8 / Mt 1,21) Wenn wir unsere eigene Sündhaftigkeit und Schwäche betrachten, so sollten wir eigentlich merken, dass wir alle dieser Erlösung bedürfen, dass wir keine besseren Menschen werden und deswegen auch keine bessere Welt schaffen können, wenn wir die Mahnung des Völkerapostels überhören: „Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2.Kor 5,20) Erst dann werden wir fähig Christus wirklich nachzuahmen, uns ganz für unsere Mitmenschen einzusetzen. Und dann werden wir dabei nie vergessen, auch diese „mit der Erfahrung des Heils zu beschenken“ welche in der Vergebung der Sünden liegt.“ (vgl. Lk 1,77)

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Flurkreuz im Winternebel nahe St. Peter/Lindenberg (Südschwarzwald)




Foto (c) Petra Lorleberg/kath.net

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