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Rom: 75. Jahrestag der Papstvisite in zerstörter Basilika

18. Juli 2018 in Chronik, 2 Lesermeinungen
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Geste am Platz vor der vom Bombenhagel getroffenen Kirche San Lorenzo zählt zu ausdrucksstärksten Bildern des Pontifikats von Pius XII. - Er wollte Rom im Zweiten Weltkrieg aus den Kampfhandlungen heraushalten - Von Johannes Schidelko - VIDEO


Rom (kath.net/KAP) Vor 75 Jahren wurde Rom vom ersten und mit Abstand schwersten Luftschlag auf die Ewige Stadt im Zweiten Weltkrieg getroffen. Drei Stunden lang luden 500 amerikanische und britische Flugzeuge um die Mittagszeit mehr als 1.000 Tonnen Bombenlast über dem San-Lorenzo-Viertel im Osten Roms ab. Die Bilanz des Angriffs, der sich am am 19. Juli zum 75. Mal jährt: 1.500 Tote, 1.600 Verletzte und zahlreiche zerstörte oder schwer beschädigte Gebäude, darunter die Papst-Basilika San Lorenzo.

Papst Pius XII., der Rom mit allen Mitteln aus den Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs herauszuhalten versuchte, protestierte nach dem Bombenhagel auf seine Weise. Nur von zwei Gendarmen und seinem Substituten Giovanni Battista Montini - dem späteren Papst Paul VI. - begleitet, fuhr er sofort zum Unglücksviertel. Vom Apostolischen Palast aus hatte er die Angriffe und die Rauchsäulen über dem Osten der Stadt gesehen, wie seine Haushälterin Schwester Pasqualina in ihren Aufzeichnungen notierte.

Während sich weder König Viktor Emanuel III. noch ein Vertreter der faschistischen Führungsriege blicken ließen, traf der Papst auf dem Vorplatz der San-Lorenzo-Basilika mit den traumatisierten Menschen zusammen. Inmitten der Trümmer kniete er nieder und betete das Klagegebet "De profundis". Seine Soutane war blutverschmiert - ein verwundeter Bub hatte ihn berührt. Die Menschen riefen "Wir wollen Frieden". Pius XII. tröstete die Verletzten und Hinterbliebenen. Flehend und warnend erhob er die ausgebreiteten Arme zum Himmel. Die Geste zählt zu den ausdrucksstärksten Bildern seines Pontifikats. Sie ist vor Ort, nahe dem Eingang zum Verano-Friedhof, in einer lebensgroßes Bronzeskulptur festgehalten.


Die vatikanische Diplomatie protestierte gegen die von langer Hand geplante Operation "Crosspoint". Der Papst telegraphierte an US-Präsident Franklin D. Roosevelt, den Heiligen Charakter der Hauptstadt der Christenheit zu achten und sie von weiteren Bombardements zu verschonen. Zugleich forderte der Vatikan die Italiener auf, hohe militärische Kommandos aus der Stadt zu schaffen, die den Alliierten Grund zu Angriffen geben könnten. Er rief dazu auf, Rom zu einer "offenen Stadt" zu machen.

Zehn Tage nach dem großen Luftangriff wurde Diktator Benito Mussolini gestürzt und verhaftet. Italien blieb zunächst auf deutscher Seite im Krieg, bereitete jedoch seine Kapitulation vor. Unmittelbar nach deren Bekanntwerden am 9. September 1943 rückten deutsche Truppen in Rom ein. Für neun Monate war die Ewige Stadt von den Nazis besetzt. Am 4. Juni 1944 übernahmen dann US-Einheiten von Osten her die Stadt, während gleichzeitig die deutschen Verbände nach Norden abzogen. Zu größeren Kämpfen kam es aufgrund vorheriger Absprachen dabei nicht.

Bombenabwurf auf den Vatikan

Der Bombenabwurf vom 19. Juli 1943 war nicht der letzte Luftangriff auf Rom; die späteren waren jedoch nicht so verheerend. Das römische Stadtzentrum blieb danach von Kriegszerstörungen weitgehend verschont. Aber am 4. November 1943 wurde der Vatikan getroffen: In den späten Abendstunden fielen vier Bomben. Ein Fehlabwurf ist ausgeschlossen, weil das einzelne Flugzeug vorher länger über Rom kreiste und bei klarem Mondlicht gute Sicht bestand. Die Bomben richteten beträchtlichen Sachschaden am Governatorat und am Bahnhof an; in der ganzen Umgebung flogen die Fensterscheiben heraus. Jedoch wurde niemand verletzt oder getötet. Wenn auch durch glückliche Umstände: Der spätere Kardinal Domenico Tardini hatte kurz zuvor sein Studio im Governatorat verlassen, das schwer beschädigt wurde.

Die vatikanische Diplomatie protestierte und forderte bei Alliierten und Deutschen Aufklärung. Aber jede Seite bestritt den Abwurf und machte die Gegenseite für den Angriff verantwortlich. Der Vatikan hat die Schäden nach dem Angriff weitgehend beseitigt. Nur die getroffene Fassade des Bahnhofs, in dem heute ein Supermarkt für Elektronik, Getränke und Bekleidung untergebracht ist, wurde nie repariert. Auch nach 75 Jahren sieht man noch die von Bombensplittern beschädigte Front.

Originalaufnahmen: Papst Pius XII. besucht nach dem Bombardement Roms durch die Allierten die Römer bei der getroffenen Basilika San Lorenzo


Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 myschkin 18. Juli 2018 
 

Pater Patriae

Papst Pius XII. war in dieser Zeit der Pater Patriae Italiens und Roms, als die weltlichen Politiker des Landes samt und sonders komplett versagten, die Königsfamilie inbegriffen. Er genießt in Rom, wie ich von meinen dortigen Freunden weiß, nach wie vor hohe Verehrung. In Rom hat man dem Papst seine tatkräftige Hilfe und Umsicht und seine Solidarität mit der Bevölkerung der Stadt in dieser bösen Zeit nie vergessen. Man kann nur mit größtem Respekt von ihm reden.


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0
 
 Sebi1983 18. Juli 2018 
 

Ein großer Papst in schwerer Zeit ...

Wann wird er endlich zur Ehre der Altäre erhoben?


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