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Wege des Unglücks

22. Februar 2018 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Es gibt heute überaus beliebte und erfolgreiche Wege ins Unglück. Einer davon liesse sich so zusammenfassen: „Das Glück liegt in dir selbst, du musst nur lange genug suchen.“ Gastbeitrag von Giuseppe Gracia


Chur (kath.net/Blick.CH)
Es gibt heute überaus beliebte und erfolgreiche Wege ins Unglück. Einer davon liesse sich so zusammenfassen: „Das Glück liegt in dir selbst, du musst nur lange genug suchen.“ Wer diesem Motto folgt, glaubt in der Regel auch, dass er zuerst sich selber lieben muss, um einen anderen Menschen lieben zu können. Als liesse sich aus der Selbstliebe eine Schule machen, in der man lernt, sich dem Anderen zu schenken. Beliebt ist auch der Glaube, dass man bei wichtigen Entscheidungen seinem inneren Kompass folgen muss. Als würde sich die Welt dem inneren Kompass des Menschen anpassen und nicht umgekehrt.


Um sich selbst zu finden, reisen die Leute heute auch gern nach Asien und in andere ferne Welten. Wenn sie nicht reisen, suchen sie eine heimische Stufe der Selbstverwirklichung, etwa auf einer Karriereleiter. Dabei achten sie auf eine gesunde sogenannte «Work-Life-Balance». Yoga, Tantra, Sauna und Disco. Bio-Gemüse, Snapchat und Amphetamine. Die Wege der Neuzeit sind bunt und widersprüchlich, doch schreiten viele Lebenshoffnungen auf ihnen dahin.

Was würde wohl einer der grössten Denker der Menschheitsgeschichte zu diesem Phänomen sagen, der Heilige Thomas von Aquin (1225–1274)? „Alles, was die Seele glücklich macht, liegt ausserhalb ihrer selbst.“ Was meint der Denker damit? Die Bäume, das Meer, die Sonne, die Tiere. Die Frauen, die Männer, die Kinder. Die Blumen, die Sterne, die Familie. Das alles liegt ausserhalb unserer Seele und kann uns erfüllen, kann uns zu einem glücklichen Leben führen. Thomas von Aquin lenkt seinen Blick nicht auf das eigene Innere. Sondern er richtet den Blick nach aussen, auf die Welt und ihre täglichen Wunder.

Und an schlechten Tagen, wenn das Leben schwer fällt? Dann empfiehlt er ein warmes Bad und gute Freundschaften. Das sind einfache, klassische Wege zum Glück. Und sie sind auch noch viel günstiger als ein professionelles Coaching oder eine Psychotherapie.

Oder wie es der Filmemacher Woody Allen einmal gesagt hat: „Ich gebe meinem Psychiater noch ein Jahr, dann fahre ich nach Lourdes.“

Giuseppe Gracia (50) ist Schriftsteller, Medienbeauftrager des Bistums Chur und Kolumnist für die Schweizer Zeitung BLICK. Dieser Text ist am 19.2.18 im BLICK erschienen.



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