21 Juli 2017, 17:00
Der Abschied – Leseprobe 3
 
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An der Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Erinnerung und Traum erlebt der Erzähler den Trip seines Lebens. Leseprobe 3 aus dem Buch „Der Abschied“ von Giuseppe Gracia

Linz (kath.net)
Seit Anbeginn der Zeit, sagt Lichtenberger, sei es um Entgrenzung gegangen. Schon immer sei der Motor aller Kriege und Herrschaftswechsel und aller wissenschaftlichen, politischen wie kulturellen Leistungen nichts anderes gewesen als der Wunsch nach Anerkennung und Ruhm. Und zwar deshalb, weil Anerkennung und Ruhm einen möglichst freien Zugang zu möglichst viel Sex gestatten würden, auch den Zugang zu verbotenen Frauen und Männern, von denen es in der Weltgeschichte nur so wimmle, zu welcher Epoche und auf welchem Erdteil auch immer.

Nie habe ein Mann auf dieser Welt Großes geleistet oder zerstört und fremdes Großes durch das eigene Große ersetzt, ohne seine hungrige, einsam herangeschwollene Lust in der Hand, sagt Lichtenberger. Nie sei der aufwiegelnde, sich gegen Obrigkeit und Moral durchsetzende Mann ohne eine solche Lust in der Hand aufgestanden. Wohin man in der Menschheitsgeschichte auch blicke, aufmuckende Lustmolche hüben und drüben.

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Und seit der Gleichberechtigung aufmuckende Schlampen hüben und drüben. Der ganze Feminismus, so Lichtenberger, sei genau wie der Liberalismus eine massenhysterische Pubertät, die Erregung von Halbwüchsigen, die gegen das jüdisch-christliche Fundament ihres Elternhauses anrammelten.

Ja, dieser Diagnose ist hundertprozentig zuzustimmen. Und gerade deswegen will ich, während der vierten Flasche, von Lichtenberger wißen, ob denn diese Diagnose auch auf das moderne Theater angewendet werden könne?

Wenn es in der Geschichte immer nur um möglichst viel Lustgewinn gegangen ist, sage ich zu Lichtenberger, und wenn es heute keine kulturellen oder religiösen Hindernisse mehr gibt, die uns von diesem Lustgewinn fernhalten: wo sollen Dramatiker und Regisseure, die sich für Beziehungen interessieren, noch Spannendes finden? Wenn jeder alles geniessen kann, wo bleibt die dramatische Reibungsfläche? Ist das der Grund, warum auch Schriftsteller immer mehr von der konservativen Vergangenheit erzählen, um überhaupt noch Sprengstoff zu finden?

Ganz genau so ist es!, ruft Lichtenberger. Offensichtlich macht er als Regisseur seit Jahren die Erfahrung, wie schwer es ist, das Theaterpublikum mit Sex und Blut wachzurütteln, weil die Realität alles überholt hat.

Das bringt uns zur Frage, wie man die Leute heute aus ihrer Selbstzufriedenheit holen kann, so daß sie nach draußen stürmen und die Absetzung des Stücks fordern? Vielleicht mit der Inszenierung einer jungen hübschen Frau, die sich auf der Bühne in keiner einzigen Szene auszieht und sich die ganze Zeit anständig benimmt? Eine Frau, die in gebildeter Sprache verkündet, daß sie Politikwissenschaften studiert hat und sowohl Seitensprünge wie auch die gesamte Arbeitswelt banal findet und lieber eine glückliche Vollzeitmutter und Ehegattin ist. Eine Mutter, die tapfer ankämpft gegen Karrierefrauen, die während dem Theaterstück als Zombies Angst und Schrecken verbreiten. Aber die Heldin kann alle Zombies vertreiben und wird von der Schauspielerin so begehrenswert dargestellt, daß das Publikum sie hassen muss, je länger sie glücklich strahlt, wenn am Abend der alleinverdienende Mann nach Hause kommt.

Grauenhaft, unerträglich!, begeistert sich Lichtenberg. Für so ein Schauspiel würden uns sämtliche Kultur- und Genderbeauftragten in Grund und Boden stampfen! Am Schluss dieses Theaterstücks könnten wir die von den Karrierefrauen getöteten Föten auf die Bühne regnen lassen, von der Theaterdecke herunter auf die Köpfe der Schauspieler, ein Fleisch- und Blutregen aus dem Himmel der Abtreibungskliniken.

Bestellmöglichkeit beim Verlag

kath.net Buchtipp
Der Abschied
Autor: Giuseppe Gracia
Bucherverlag 2017
112 Seiten
ISBN 978-3-99018-400-4
Preis: Euro 13,50

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