26 November 2017, 08:30
Eine Enzyklika ohne Verfallsdatum
 
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Ein Leitartikel bewegt die Welt! - Impuls zum Sonntag aus Maria Vesperbild von Wilhelm Imkamp.

Ziemetshausen (kath.net)
Jeder Journalist träumt vom großen Leitartikel, mit dem er etwas, am liebsten die ganze Welt wirklich bewegt. Der berühmte, engagiert pazifistische Publizist Walter Fabian (1902–1992) drückte diesen Traum in einem Buchtitel „Leitartikel bewegen die Welt“ (Stuttgart 1964), einer Sammlung berühmter Leitartikel, aus. Das Leben von Walter Fabian, der Verbannung, Exil, Missverständnisse und Hass ertragen musste, zeigt, dass hier die immer wieder enttäuschte Hoffnung eines (wohl jeden) Publizisten zum Buchtitel geworden ist: Mit einem Leitartikel die Welt bewegen!

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Zum Christkönigsfest gibt es auch einen Leitartikel, er beschreibt pointiert und geschliffen die Situation und zeigt die Aktualität des Regierungsprogrammes von Christus dem König für unsere Gegenwart: „Die überaus bitteren Früchte, welche die Abkehr der Einzelnen und der Staaten von Gott in so großer Zahl und andauernd zeitigte …, beklagen wir heute wieder: Nämlich den weit verbreiteten Samen der Zwietracht, jenen verzehrenden Neid und jene aufgestachelten Eifersüchteleien unter den Völkern, die eine friedliche Wiederversöhnung noch weitgehend behindern; die Zügellosigkeit der Leidenschaften und Begierden, die sich nicht selten unter der Maske der Vaterlandsliebe verbergen und als Folgen dieser Unbeherrschtheit sowohl Streitigkeiten unten den Bürgern als auch jene blinde und schrankenlose Selbstsucht, die nur auf den eigenen Vorteil und Nutzen schaut und alles einzig danach bemisst.

Der häusliche Friede ist durch Pflichtvergessenheit und Pflichtvernachlässigung völlig zerrüttet. Die Einheit und die Beständigkeit der Familiengemeinschaft ist untergraben. Die menschliche Gesellschaft selbst ist erschüttert und treibt dem Abgrunde zu“.

Das ist ein Auszug aus einem echten Leitartikel, der in einer echten Tageszeitung, dem „Osservatore Romano“, erschienen ist! Dieser Leitartikel stammt aus päpstlicher Feder, es ist die Enzyklika „Quas primas“ vom 11.12.1925. Diese Enzyklika ist natürlich länger, als ein Leitartikel in einer Tageszeitung sein könnte, aber der zitierte Auszug (AAS, 17(1925), S.605) zeigt schon die ganze Aktualität des Regierungsprogramms von Christus dem König. Ein Leitartikel hat die Welt bewegt. Ein Leitartikel, der die Königsherrschaft Christi als Modell der Barmherzigkeit darstellt.

Mit dem Ruf: „Es lebe Christus der König“ starben unzählige Märtyrer in Mexiko und im spanischen Bürgerkrieg, hingemetzelt von Anarchisten, Kommunisten, Sozialisten und extremen Nationalisten. „O Du mein Heiland, hoch und hehr, dem sich der Himmel beuget, von dessen Liebe, dessen Macht die ganze Schöpfung zeuget. Christus, mein König, Dir allein, schwör ich die Liebe lilienrein, bis in den Tod die Treue.“ So hatte schon 1915 der berühmte Jesuitentheologe Erich Przywara gedichtet, und es ist bezeichnend, dass dieses Lied nach 1933 schnell Aufnahme in viele diözesane Gebets- und Gesangbücher fand, in Augsburg schon 1934. Heute sucht man diese und ähnliche Lieder in offiziellen Gebet/Gesangbüchern vergeblich, aber selbst da hat „Christus der König“ noch in einigen Kehrversen überlebt.

Aber gerade unter der Anrufung Christus des Königs fanden im Dritten Reich eindrucksvolle katholische Glaubensdemonstrationen statt. Eine Provokation für die Gewaltherrscher! Die Königsherrschaft Christi ist eine Herausforderung für alle Mächtigen dieser Welt und der Maßstab, an dem sie sich messen lassen müssen. Das heutige Tagesevangelium bietet das Regierungsprogramm von Christus dem König. Es ist das Programm der Barmherzigkeit, das aber deutlich macht, dass man sich auch und endgültig verfehlen kann, (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, nr. 680-683). Damit werden dieses Fest und seine Botschaft auch zur Provokation für unser Alltagsleben.

Der Leitartikel Pius’XI. hat die Welt bewegt, er sollte aber auch unseren Alltag bewegen. Denn nur dann dürfen auch wir mit einem Christkönigslied von 1948 hoffen, dass das Gericht für uns zur Gnade wird: „Christus König, dem wir dienen, Glut verklärend stehen im Streit, über Gräben und Ruinen, Flammen deiner Herrlichkeit. Deiner Krone Strahlen, senden den Erwählten mächtig Licht, wenn die Heiligen sich vollenden, wird zur Gnade das Gericht“. (H. Hodes, Über drohenden Gewittern, 4. Str.). Das Gericht, das endgültige Gericht über unser Leben, wird zur Gnade, wenn wir das Programm Christi in unser Leben übersetzen, wenn wir unsere Herzen vom Leitartikel Pius’XI. über Christus den König bewegen lassen.

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