02 November 2017, 11:30
Laien als Pseudo-Priester?
 
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Kardinal Cordes hinterfragt in einer Kleinschrift neue kirchliche Dienstmodelle, mit denen im deutschsprachigen Raum auf den dramatischen Einbruch der Priesterberufe reagiert wird

Kisslegg/Vatikan (kath.net/red) Paul Josef Kardinal Cordes hinterfragt in einer Kleinschrift des Fe-Verlages neue Dienstmodelle, mit denen im deutschsprachigen Raum auf den dramatischen Einbruch der Priesterberufe reagiert wird. Die Schrift wurde bereits an die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz versandt, die Ordinarien der Deutschen Bischofkonferenz werden sie in Kürze vom Fe-Verlag erhalten. Der Grundentwurf für den Begleitbrief von Kardinal Cordes liegt der KATH.NET-Redaktion vor. Kardinal Cordes schreibt darin u.a. an seine bischöflichen Mitbrüder: „Die Personalnot in den europäischen Ortskirchen ist notorisch. Daß Abhilfe geschaffen werden muß, liegt auf der Hand. Freilich dürfen bei Ersatzlösungen unsere katholischen Glaubenskategorien nicht aus dem Blick geraten. Das Vaticanum II hat sie im Priesterdekret ‚Presbyterorum ordinis‘ schrift- und traditionsnah formuliert.“ Die Studie des emeritierten Kurienkardinals ruft in Erinnerung: Für den amtlichen Dienst in der Kirche sind Gott und die Gnade des Weihesakraments unverzichtbar.

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Hinführung zur Kleinschrift "Laien als Pseudo-Priester?":

Der deutschsprachige Raum leidet unter einem dramatischen Einbruch der Priesterberufe- Die Statistik? Von 18663 Priestern im Jahr 1995 in Deutschland fiel die Zahl der Geweihten im Jahr 2015 auf 14o87. Das bedeutet: Die Kirche in Deutschland leidet seit zehn Jahren um einen kontinuierlichen Rückgang von geweihten Seelsorgern, die in dieser Zeit um mehr als 4 000 Männer abnahmen.

In dieser Notlage sind fraglos über die Priester hinaus auch Laien-Akteure in der Pastoral unverzichtbar. Die Einstellung von Seelsorgehelfern/innen und Pastoralassistenten/innen muß aufgestockt werden. Zusätzliche Arbeitsplätze müssen her. Sie mögen im Volk Gottes auch dadurch neue Dienstbereitschaft wecken, daß sie die Amtsstruktur der Kirche öffnen. Vier Vorstöße haben das bislang versucht.

Würzburg (Synode der Bistümer in der Bundesrepublik 1972 – 1975): Laien mit Universitätsdiplom („Pastoralassistenten“) erhalten für die Feier der Eucharistie die Vollmacht zu predigen.

St. Gallen (Rahmenstatut des Bistums von 1992): „In Pfarreien ohne eigenen Pfarrer am Ort übernehmen engagierte Laien im haupt- oder nebenamtlichen Dienst Aufgaben der Gemeindeleitung. Sie leisten diesen Dienst in Stellvertretung des Pfarrers und werden für diesen Dienst vom Bischof beauftragt.“

Wien (Vorschläge Kardinal Schönborns von 2011): Bündelung von sieben bis acht Pfarreien zur „Mega-Pfarrei“. Sie wird gemeinsam geleitet von einer „Equipe“. In ihr trägt ein Mann oder eine Frau (geweiht oder nicht) die Verantwortung. Ein Priester gehört zum „Leitungs-Team“.
München (Bestellung einer Arbeitsgruppe durch Kardinal Marx 2016): Ankündigung der Bestellung von einem oder mehreren Laien als „Leiter“ von Pfarrgemeinden.

All diesen Konzepten ist gemeinsam, daß priesterliche Aufgaben an Nicht-Geweihte übertragen werden sollen. Über die betroffenen Diözesen hinaus stoßen die genannten Initiativen für den ganzen deutschen Sprachraum Überlegungen zu neuer Personalrekrutierung an, und sie verbreiten Modelle für die Bewältigung des gegebenen Arbeitsanfalls.

Merkpunkte des geweihten Amtes

Sie nötigen fraglos dringend zu einer sorgfältigen Prüfung: Haben die kursierenden Vorschlägen ein verläßliches theologisches Fundament für Neukonzeptionen der Gemeindedienste? Welche Wegzeichen sind generell zu beachten, damit neue Entwürfe von Dienstpersonal sich überhaupt in das vom Wort Gottes geoffenbarte Selbstverständnis von Kirche integrieren?

Beim Konzipieren der angebotenen Modelle haben bislang Mitarbeiter von Unternehmensberatungen und „Consulting Companies“ tatkräftig mitgewirkt, Fraglos können und müssen wir als Kirche auch viel von weltlichen Institutionen lernen. Allein, wir sind mehr als eine „Multi National Corporation“, deren Funktionieren allein den Regeln wirtschaftlicher Effizienz folgt. Im fortlebenden Christus kann das Licht der Offenbarung nicht ausgeblendet werden. Jesus Christus ist und bleibt der Eckstein. Darum lehrt der Völkerapostel: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden, jeder Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt“ (1 Kor 3,11 – 13).

Inhalt

Merkpunkte des geweihten Amtes
Biblische Offenbarung - Vaticanum II - Weiheliturgie
Interdependenz der priesterlichen Tätigkeiten
Verkündigung – Liturgie - Hirtendienst
Unzulänglichkeit kursierender Modelle
Kirchenrechtliche Vorgaben
Eine erhellende Begriffsentstellung
Hirte – Seelsorger - Gemeindeleiter
Ein biblischer Titel für pastorale Laienmitarbeiter
Die Not als Appell
Keine „Null-Fehler-Kultur“ – Gott verkünden

Der Verfasser, Kardinal Cordes, war bis zu seiner Emeritierung (2010) Präsident des Päpstlichen Rates «Cor unum» gewesen, zuvor langjähriger Vizepräsident des Päpstlichen Rates für die Laien. Er ist einer der Initiatoren der katholischen Weltjugendtage, die er wesentlich mitprägte. Der Westfale hatte vor seiner Berufung als Weihbischof von Paderborn (1975) einige Jahre als Referent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz gewirkt, 1980 wechselte er auf Betreiben von Papst Johannes Paul II. in den Vatikan. Papst Benedikt XVI. kreierte ihn 2007 zum Kardinal (Näheres zur Vita des Kardinals findet sich auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz).







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