04 Juli 2017, 11:44
'Ave Crux Spes Unica!'
 
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Bei der Taufe unter dem Zeichen des Kreuzes auf den für unser Heil gekreuzigten Christus geht es um eine wesentliche Verwandlung, um wiedergeboren werden in Gott für die Ewigkeit. Von Nuntius Thomas E. Gullickson

Kreuzlingen (kath.net) Der apostolische Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Thomas E. Gullickson, hat diese Predigt zum Patrozinium in der Kirche Sankt Ulrich Kreuzlingen am 2. Juli 2017 gehalten. kath.net dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zum Abdruck.
2 Kön 4,8-11, 14-16a, Röm 6,3-4, 8-11, Mt 10,37-42

Gelobt sei Jesus Christus!

Der Tag des Heiligen Ulrich ist hier in Kreuzlingen das jährliche Patronatsfest der Pfarrkirche. Das Jahr 2017 gibt zudem Anlass, das goldene Jubiläum der Erhöhung der Kirche zum „Basilika minor“ zu feiern. Aus Anlass dieses Jubiläums kommt das berühmte Kreuzreliquiar aus den Vatikanischen Museen als Leihgabe hierher zurück. Ein Erinnerungsstück aus der Urgeschichte des Glaubens hierzulande kommt zu Besuch! Genau so sollten wir unsere Geschichte immer erleben: Als etwas das wir, nicht ohne Stolz, mit Freude und Dankbarkeit annehmen können.

„Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten.“

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Mit Bezug auf die erste Lesung aus dem 2. Buch der Könige, habe ich mich zum Spaß gefragt, ob wohl der Prophet Elischa auch ein dem deutschen „Vergelt’s Gott!”, entsprechendes Wort verwendet habe, um der Schunemitin zu danken, die ihm zu essen gab und ihm dann auch noch ein Zimmer in ihrem Haus bereitet hat. Gott hat, durch das Wort des Propheten, die Großzügigkeit der Familie in außerordentlicher Weise verdankt: Er gab der Frau und ihrem Mann das einzige, was die beiden sich selber nicht geben konnten: Das unerwartete Geschenk eines Sohnes. „Vergelt’s Gott!”

„Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten.“

Was können wir uns hier in Kreuzlingen erwarten vom Heiligen Ulrich, dem Patron dieser Pfarrei? Für viele bleiben das Patrozinium und der Patron nur auf der Ebene der Folklore, das heißt auf der Ebene der schönen Bräuche und zum jeweiligen Ort passenden Ritualen, aber oftmals ohne Glaubensinhalt. Das Fest darf schon sein. Aber es ist noch wichtiger zu wissen, dass die Fürbitte des Heiligen ebenso wie der dem Schutzengel übertragene Auftrag Gottes eine wirkliche und reale Verbindung darstellt zwischen uns und diesem Gott, der uns liebt und uns unsere Liebe mehrfach vergilt. Unsere Liebe zu Gott spiegelt sich wieder in unserer Verehrung des Heiligen und unseren herzlichen Zuwendung zu ihm.

In einem guten katholischen Kalender wurden die Besonderheiten des Hl. Ulrich folgendermaßen beschrieben: „Patron… von Schwaben, der Reisenden, der Wanderer, gegen Fieber, Tollwut und anderes Unheilbares“. Bitte schön! Vielleicht ist nur Tollwut heute nicht mehr so aktuell. Aber auch heute noch gibt es viele Anliegen, in denen wir den Hl. Ulrich um Fürbitte anrufen können! Dank den prophetischen Worten des Elischa konnte die Schunemitin Gott als Ursache ihres Kindes erkennen. Es geht dabei um einen starken Glauben an Gott und ein vertrauensvolles Verhältnis zum Propheten, welcher zugunsten des Paares bei Gott als Mittler aufgetreten war. Ich hoffe, dass auch die Leute von Kreuzlingen nicht zögern, ihren Hl. Patron als Fürbitter anzurufen und dass diese Pfarrei dem Hl. Ulrich „die Schuld geben“ kann für die gewährten Gnaden und empfangenen Geschenke.

„Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“

Für diese Welt zu sterben, um für Christus zu leben ist eine Definition der grundlegenden Wirkung unserer Taufe. Es ist das Holz des Kreuzes Christi und sein Tod, welche die Wasser der Taufe geheiligt haben und ihnen die Kraft verliehen haben, nicht nur den Körper zu waschen, sondern auch die Person neu zu schaffen, und damit zu befähigen, jetzt und immer in Gott zu leben. Die Taufe unter dem Zeichen des Kreuzes, die Taufe auf den für unser Heil gekreuzigten Christus, die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes, diese Taufe reicht weit über die schönen Bräuche hinaus. Bei der Taufe geht es um eine wesentliche Verwandlung, um ein wiedergeboren werden in Gott für die Ewigkeit. Und genau dafür wurden wir geschaffen und genau dafür hat uns Jesus Christus erlöst.

„Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“

Bei meinen Reisen hier in der Schweiz begegne ich oft Erwachsenen, die von ihren oft wenig praktizierenden und der Kirche gegenüber kritischen Eltern sprechen. Von Eltern, die nicht an Christus glaubten. Es scheint, dass in diesen Familien oft das Bewusstsein für den Auftrag fehlt, die neue Generation durch Christus mit Gott vertraut zu machen. Aber trotzdem erzählen mir einige von ihrem lebendigen Glauben und davon, dass sie in der Kirche diese wertvolle Perle gefunden haben, von der das Evangelium spricht. Wenn diese Leute sich nicht definitiv von der Kirche entfernt haben, wenn ihre Verbindung zur Kirche die Kirchlichkeit ihrer Eltern übertrifft, so ist das vielleicht ein kleines oder großes Wunder, das der Taufgnade zu verdanken ist.

Dieses Wunder der Gnade, welches sich überall und jederzeit im Leben ereignen kann ist kein Automatismus und auch keine Magie. Es handelt sich um das Glück einer Begegnung mit Gott in Christus, einer Begegnung mit diesem Gott, der uns liebt und niemals verlässt. Das Sakrament der Taufe bringt viele Früchte – oftmals auch ungeachtet eines dem Glauben feindlich gesinnten Umfeldes.

Wir müssen darauf hinweisen, dass die rettende Taufgnade die Freiheit der Person nicht aufhebt. Die freie Wahl bleibt – die Wahl zum Guten oder aber leider auch zum Bösen. Die Straße führt in beide Richtungen. Wir können auch die Hölle, den ewigen Tod wählen, indem wir uns von Gott und seiner Kirche entfernen. Bei aller Verantwortung welcher die Eltern für die Erziehung ihrer Kinder im Glauben haben – Wegen dieser Freiheit des Individuums können wir die Schuld für den Glaubensmangel der Kinder nie ausschließlich den Eltern zuweisen.

„Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“

Das Ärgernis des Kreuzes ist ein mehrfacher: Normalerweise wird unter diesem Ärgernis verstanden, den über die Welt und die Ewigkeit herrschenden Gott anzurufen und anzubeten in dem am Kreuz leidenden Christus. Wir verkünden tatsächlich den Sieg in der Niederlage.

Nicht weniger wichtig ist es ein Ärgernis in den Augen der Gelehrten dieser Welt, wenn wir aufgrund dieser Wahl bedingungslos dem Taufglauben anhangen und offen bekennen, dass wir hier die einzige Hoffnung gefunden haben, welche der menschlichen Person entspricht, welche in Christus geschaffen, erwählt und erlöst wurde: Ave Crux Spes Unica!

Eine echte Anhänglichkeit der Pfarrei gegenüber dem Hl. Ulrich könnte als Indiz dienen für einen wirklich übernatürlichen Glauben an Gott, der uns zum Glück mit ihm ruft, zum Glück jetzt in dieser Welt in seiner Kirche und dann für immer im Himmel. Wenn wir die ganze Geschichte der Schunemitin mit dem Propheten Elischa im 2. Buch der Könige lesen, dann werden wir nicht nur die Macht der Fürbitte des Propheten entdecken, sondern auch den riesigen Glauben dieser Frau. Das Patrozinium und zugleich die Rückkehr hier in diese Basilika des Reliquiars, welches den grossen Glauben unserer Vorfahren an die Macht des Kreuzes Jesu Christi bezeugt, mögen uns auch heute, jedem einzelnen von uns, Anlass sein für die Erneuerung unseres Glaubens, den wir in der Taufe empfangen haben.

Gelobt sei Jesus Christus!
Ave Crux Spes Unica!

Heiliger Ulrich, bitte für uns!

Symbolbild: Kreuz im Gegenlicht




Foto (c) kath.net/Petra Lorleberg







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