06 März 2017, 12:00
Cantate Domino canticum novum
 
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„Wir werden die Menschen nicht in die Kirche einladen, um ihnen ein Nebenprodukt von Popmusik und moderner Kunst anzubieten“ - Stellungnahme bittet um Bestätigung des Wertes von gregorianischem Choral, liturgischer Polyphonie sowie der Pfeifenorgel

Washington (kath.net) 200 Musiker, Seelsorger und Lehrende unterzeichneten anlässlich des 50. Jahrestages von Musicam Sacram (Paul VI, 5. März 1967) die Stellungnahme „Cantate Domino canticum novum“ [Singt dem Herrn ein neues Lied]. Der Text ruft das großartige musikalische Erbe in Erinnerung, dessen Pflege das kirchliche Lehrschreiben aufgetragen hat. Die Verfasser hoffen, einen Beitrag zu leisten, dass die musikalische Gestaltung der Liturgie stets ein Ausdruck der edlen, geistigen Gesinnung des in der Gottesebenbildlichkeit erschaffenen Menschen ist. Initiatoren der Stellungnahme sind zwei berühmte Musikwissenschaftler, der Italiener Aurelio Porfiri und der Amerikaner Peter A. Kwasniewski.

kath.net dokumentiert die Stellungnahme „Cantate Domino canticum novum“ zur gegenwärtigen Lage der Kirchenmusik in voller Länge:

Wir, die Unterzeichneten – Kirchenmusiker, Seelsorger, Wissenschaftler und Freunde der Kirchenmusik –, unterbreiten diese Stellungnahme, die unsere große Liebe zum Schatz der Kirche, zur liturgischen Musik, zum Ausdruck bringt sowie unsere tiefe Besorgnis angesichts ihrer verzweifelten gegenwärtigen Lage, katholischen Gläubigen in aller Welt.

Vorwort

Cantate Domino canticum novum, cantate Domino omnis terra (Psalm 96): Dieser Gesang zur Ehre Gottes hallte die gesamte Geschichte der Christenheit hindurch, von den ersten Anfängen bis in unsere Tage, in unseren Kirchen wider. Die Heilige Schrift und die heilige Tradition zeugen gleichermaßen von einer großen Liebe für die Schönheit und Kraft der Musik in der Anbetung des allmächtigen Gottes. Der Schatz der Kirchenmusik wurde in der katholischen Kirche von ihren Heiligen, Theologen, Päpsten und gläubigen Laien immer gehegt und gepflegt.

Eine solche Liebe und Praxis der Musik ist in der gesamten christlichen Literatur wie auch in vielen Dokumenten bezeugt, die verschiedene Päpste im Laufe der Geschichte der Kirchenmusik gewidmet haben, angefangen von Docta sanctorum patrum (1324) von Johannes XXII. über Benedikts XIV. Annus qui (1749) bis hin zum Motu Proprio Tra le sollecitudini (1903) von Pius X., Musicae sacrae disciplina (1955) von Pius XII. und dem Chirograph Johannes Pauls II. zur Kirchenmusik aus dem Jahre 2003 u. a. m. Diese reiche Dokumentation drängt uns, die Bedeutung und die Rolle der Musik in der Liturgie sehr ernst zu nehmen. Diese Dringlichkeit bezieht sich auf den tiefen Zusammenhang, der zwischen der Liturgie und ihrer Musik besteht – ein Zusammenhang, der in zweierlei Richtung besteht: Eine gute Liturgie ermöglicht herrliche Kirchenmusik; ein niedriges Niveau der Kirchenmusik wirkt sich indes sehr verhängnisvoll auch auf die Liturgie aus. Ebenso darf man die Bedeutung der Kirchenmusik für die Ökumene nicht vergessen, eingedenk der Tatsache, dass andere christliche Bekenntnisse wie die Anglikaner, Lutheraner und die orthodoxen Kirchen des Ostens der geistlichen Musik in ihrer Bedeutung und Würde eine hohe Wertschätzung angedeihen lassen, wie ihre eigenen sorgsam gehüteten kirchenmusikalischen „Schätze“ bezeugen.

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Wir werden nun Zeugen eines wichtigen Meilensteins, des 50. Jahrestages der Verkündung der Instruktion Musicam sacram vom 5. März 1967 unter dem Pontifikat des Seligen Paul VI. Wenn wir dieses Dokument heute nochmals lesen, können wir nicht umhin, der via dolorosa zu gedenken, welche die liturgische Musik in den Jahrzehnten nach der Liturgiekonstitution Sacrosanctum concilium beschritten hat. Was damals, um das Jahr 1967 herum, in einigen Interessengruppen der Kirche in Wirklichkeit geschah, stand alles andere als im Einklang mit Sacrosanctum concilium oder mit Musicam sacram. Bestimmte Ideen, die niemals Eingang in die Konzilsdokumente gefunden hatten, wurden mit Nachdruck in die Praxis umgesetzt, manchmal mit einem Mangel an Wachsamkeit vonseiten des Klerus und der kirchlichen Hierarchie. In manchen Ländern wurde der Schatz der Kirchenmusik, den das Konzil zu bewahren auftrug, nicht nur nicht bewahrt, sondern sogar bekämpft – und dies im eindeutigen Widerspruch zum Konzil, das klar zum Ausdruck gebracht hatte:

„Die überlieferte Musik der Gesamtkirche stellt einen Reichtum von unschätzbarem Wert dar, ausgezeichnet unter allen übrigen künstlerischen Ausdrucksformen vor allem deshalb, weil sie als der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang einen notwendigen und integrierenden Bestandteil der feierlichen Liturgie ausmacht. In der Tat haben sowohl die Heilige Schrift wie die heiligen Väter den gottesdienstlichen Gesängen hohes Lob gespendet; desgleichen die römischen Päpste, die in der neueren Zeit im Gefolge des heiligen Pius X. die dienende Aufgabe der Kirchenmusik im Gottesdienst mit größerer Eindringlichkeit herausgestellt haben. So wird denn die Kirchenmusik um so heiliger sein, je enger sie mit der liturgischen Handlung verbunden ist, sei es, daß sie das Gebet inniger zum Ausdruck bringt oder die Einmütigkeit fördert, sei es, daß sie die heiligen Riten mit größerer Feierlichkeit umgibt. Dabei billigt die Kirche alle Formen wahrer Kunst, welche die erforderlichen Eigenschaften besitzen, und läßt sie zur Liturgie zu“ (Sacrosanctum concilium, Nr. 112).

Die gegenwärtige Lage

Im Lichte des so oft ausgedrückten Sensus ecclesiae können wir nicht umhin, über den gegenwärtigen Zustand der Kirchenmusik besorgt zu sein, der nichts weniger als katastrophal ist und bei dem Missbräuche im Bereich der liturgischen Musik nun fast eher die Regel als die Ausnahme sind.

Wir wollen hier einige der Faktoren zusammenfassen, die zur gegenwärtigen beklagenswerten Lage der Kirchenmusik wie auch der Liturgie beitragen:

1. Es ist der Sinn für die „musikalische Gestalt der Liturgie“ verloren gegangen, welche bedeutet, dass die Musik ein untrennbarer Bestandteil des eigentlichen Wesens der Liturgie als öffentliche, formale, feierliche Gottesverehrung darstellt. Wir singen nicht bloß in der Messe, sondern wir singen die Messe. Von daher sollten – wie Musicam sacram selbst anmahnt – die Teile des Priesters in denjenigen Tönen gesungen werden, die im Messbuch angegeben sind, und die Antworten des Kirchenvolkes darauf dem entsprechend erfolgen. Der Gesang der ordentlichen Teile der Messe im gregorianischen Choral oder in von ihm inspirierten Melodien sollte gefördert werden und die Gesänge des Propriums der hl. Messe denjenigen Ehrenplatz in ihr einnehmen, der ihnen nach ihrer historischen Bedeutung, liturgischen Funktion und theologischen Tiefe auch zukommt. Ähnliches gilt ebenso für das Singen des Stundengebets. Es offenbart die Untugend „liturgischer Trägheit“, wenn man sich weigert, die Liturgie zu singen, oder wenn man Gebrauchsmusik anstelle von geistlicher Musik verwendet, wenn man es versäumt, sich selbst oder andere über die Tradition und die Wünsche der Kirche aufzuklären, wenn man nur wenig oder gar keine Mittel und Wege für den Aufbau eines liturgischen Musikprogramms findet.

2. Dieser Verlust des liturgischen und theologischen Verständnisses geht Hand in Hand mit einer breiten Akzeptanz des Säkularismus. Die weltliche Popmusik hat zu einer Entheiligung der Liturgie beigetragen, während der Säkularismus des gewinnorientierten Kommerzes den örtlichen Pfarreien vermehrt die Einführung von mittelmäßigen Liedsammlungen auferlegt hat. Dies hat einen Anthropozentrismus in der Liturgie befördert, der ihr eigentliches Wesen zu untergraben droht. In weiten Teilen der Kirche gibt es heute einen falschen Zugang zur Kultur, den man als „Netzwerk von Beziehungen“ betrachten kann. In der gegenwärtigen Lage der Kirchenmusik (und der Liturgie selbst, weil diese beiden untrennbar miteinander verflochten sind) haben wir die Verbindung zu unserer Vergangenheit gekappt und versucht an eine Zukunft anzuknüpfen, die ohne ihre Vergangenheit keinerlei Bedeutung hat. Heute wird die Kirche, statt ihre kulturellen Reichtümer aktiv zur Evangelisierung einzusetzen, selbst von einer vorherrschenden weltlichen Kultur – geboren aus dem Widerspruch zum Christentum – benutzt, um den Sinn für die Anbetung auszuhöhlen, die im Zentrum des christlichen Glaubens steht.

In seiner Predigt zum Fronleichnamsfest am 4. Juni 2015 sprach Papst Franziskus von dem „Staunen der Kirche angesichts dieser Wirklichkeit [der allerheiligsten Eucharistie]“, einem „Staunen, das stets die Betrachtung, die Anbetung und die Erinnerung nährt“. Wo sind in vielen unserer Kirchen weltweit dieser Sinn für die Betrachtung, diese Anbetung und dieses Staunen angesichts des Geheimnisses der Eucharistie geblieben? Sie sind verloren gegangen, weil wir uns im Zustand einer Art geistigen Alzheimers befinden, einer Krankheit, die uns unsere geistigen, theologischen, künstlerischen, musikalischen und kulturellen Erinnerungen raubt. Es wurde gesagt, dass wir die Kultur eines jeden Volkes in die Liturgie mit einbringen sollen. Dies kann richtig sein, wenn es recht verstanden wird, nicht jedoch in dem Sinne, dass die Liturgie (und die Musik) zu dem Ort werden, an dem wir einer weltlichen Kultur huldigen. Sie sind der Ort, wo die Kultur, jede Kultur, auf eine andere Ebene gebracht und gereinigt wird.

3. Es gibt Gruppen in der Kirche, die eine „Erneuerung“ vorantreiben, die nicht die Lehre der Kirche widerspiegelt, sondern eher ihrer eigenen Agenda, ihrer Weltsicht und ihren Interessen dient. Diese Gruppen haben Mitglieder in führenden Schlüsselpositionen, von wo aus sie ihre Pläne, ihre Vorstellung von Kultur und die Art und Weise in die Praxis umsetzen, wie wir uns mit aktuellen Problemen auseinandersetzen sollen. In einigen Ländern haben mächtige Lobbys zum De-facto-Austausch des Bestands an Kirchenmusik, der den Richtlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprach, durch ein minderwertiges Musikrepertoire beigetragen. Und so sind wir am Ende bei unserem derzeitigen sowohl musikalisch als auch textlich niedrigen Niveau einer neuen liturgischen Musik angelangt. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, dass nichts von bleibendem Wert von einem Mangel an Ausbildung und Erfahrung herrühren kann, vor allem, wenn die Menschen die klugen Richtlinien der kirchlichen Tradition vernachlässigen:

„Aus diesen Gründen galt der gregorianische Gesang stets als höchstes Vorbild der Kirchenmusik, so daß man mit Recht das allgemeine Gesetz aufstellen kann: Eine Kirchenkomposition ist um so heiliger und liturgischer, je mehr sie sich in Verlauf, Eingebung und Geschmack der gregorianischen Melodik nähert; und sie ist umso weniger des Gotteshauses würdig, als sie sich von diesem höchsten Vorbild entfernt“ (Pius X., Tra le sollecitudini, Nr. 3).

Heute wird dieses „höchste Vorbild“ oft verworfen, wenn nicht gar verachtet. Das gesamte Lehramt der Kirche erinnert uns an die Wichtigkeit, an diesem Vorbild festzuhalten, nicht als Art und Weise, die Kreativität einzuschränken, sondern als Fundament, auf dem Inspiration gedeihen kann. Wenn wir möchten, dass die Menschen Jesus suchen, dann müssen wir sein Haus mit dem Besten ausstatten, was die Kirche zu bieten hat. Wir werden die Menschen nicht in unser Haus, die Kirche, einladen, um ihnen ein Nebenprodukt von Popmusik und moderner Kunst anzubieten, wenn sie solche viel besser außerhalb der Kirche finden können. Die Liturgie ist ein limen, eine Schwelle, die uns erlaubt, aus unserem Alltagsleben zur Anbetung der Engel zu schreiten: Et ídeo cum Angelis et Archángelis, cum Thronis et Dominatiónibus, cumque omni milítia cæléstis exércitus, hymnum glóriæ tuæ cánimus, sine fine dicéntes ...

4. Diese Geringschätzung des gregorianischen Chorals wie des traditionellen Musikrepertoires verweist auf ein viel größeres Problem, nämlich das der Geringschätzung der Tradition überhaupt. Sacrosanctum concilium lehrt, dass das musikalische und künstlerische Erbe der Kirche geachtet und wertgeschätzt werden soll, weil es die Verkörperung von Jahrhunderten der Anbetung und des Gebets sowie des höchsten Ausdrucks menschlicher Kreativität und Spiritualität ist. Es hat einmal eine Zeit gegeben, als die Kirche nicht jeder letzten Mode hinterherlief, sondern selbst Schöpferin und Vermittlerin von Kultur war. Der Mangel an Einsatz für die Tradition hat die Kirche auf einen unsicheren und verschlungenen Abweg gebracht. Die versuchte Trennung der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils von früheren Lehren der Kirche ist eine Sackgasse, und der einzige Weg, der daraus führt, ist die Hermeneutik der Kontinuität, die Papst Emeritus Benedikt XVI. befürwortet hat. Die Wiederherstellung der Einheit, Integrität und Harmonie der katholischen Lehre ist die Voraussetzung für die Wiederherstellung sowohl der Liturgie als auch ihrer Musik in ihrer edlen Erhabenheit. Auch Papst Franziskus lehrte uns in seiner ersten Enzyklika: „Die Kenntnis unserer selbst ist nur möglich, wenn wir an einem größeren Gedächtnis teilhaben“ (Lumen fidei, Nr. 38).

5. Eine weitere Ursache für den Verfall der Kirchenmusik ist der Klerikalismus, der Missbrauch von Amt und Stellung der Kleriker. Ein in der großen Tradition liturgischer Musik schlecht ausgebildeter Klerus trifft weiterhin Personalentscheidungen und bestimmt Richtlinien, die gegen den wahren Geist der Liturgie und die in unserer Zeit immer wieder geforderte Erneuerung der Kirchenmusik verstoßen. Mehr als häufig widersprechen sie im Namen eines angeblichen „Konzilsgeistes“ den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils. Darüber hinaus haben Mitglieder des Klerus – vor allem in Ländern mit altem christlichen Erbe – Zugang zu Positionen, die Laien nicht zur Verfügung stehen, während Laienmusiker durchaus in der Lage wären, der Kirche eine gleiche oder bessere professionelle Dienstleistung anzubieten.

6. Wir sehen auch das Problem der unzureichenden (manchmal ungerechten) Vergütung von Laienmusikern. Die Bedeutung der Kirchenmusik in der katholischen Liturgie erfordert auch, dass zumindest einige Mitglieder der Kirche an jedem Ort gut ausgebildet und dementsprechend ausgerüstet sind, um dem Volk Gottes in dieser Eigenschaft hingebungsvoll zu dienen. Ist es etwa nicht wahr, dass wir Gott nur unser Bestes geben sollten? Niemanden würde es überraschen oder stören, dass Ärzte eine Vergütung benötigen, um zu überleben, und niemand würde eine medizinische Behandlung von ungeschulten Praktikanten akzeptieren. Auch Priester haben ihre Gehälter, weil sie nicht leben können, wenn sie nicht essen, und wenn sie nicht essen, werden sie nicht in der Lage sein, sich theologisch weiterzubilden oder die hl. Messe mit Würde zu lesen. Wenn wir Floristen und Köche bezahlen, die in den Pfarreien aushelfen, warum sollte es dann so abwegig erscheinen, dass diejenigen, die für die Kirche musikalisch tätig sind, ebenso ein Recht auf eine angemessene Vergütung haben? (vgl. Canon 231)

Konstruktive Vorschläge

Es mag den Anschein haben, dass das, was wir hier angesprochen haben, sehr pessimistisch klingt, aber wir hegen die Hoffnung, dass es einen Ausweg aus dieser dunklen Nacht gibt. Die folgenden Vorschläge werden in spiritu humilitatis mit der Absicht unterbreitet, die Würde der Liturgie und ihrer Musik in der Kirche wiederherzustellen.

1. Als Musiker, Seelsorger, Wissenschaftler und Katholiken, die den gregorianischen Choral und die liturgische Polyphonie lieben, welche vom kirchlichen Lehramt so oft gelobt und empfohlen worden ist, bitten wir um erneute Bestätigung dieses Erbes neben modernen geistlichen Kompositionen in Latein oder in den Volkssprachen, die ihre Inspiration aus dieser großen Tradition beziehen; wir bitten um konkrete Schritte, um sie überall zu fördern, in jeder einzelnen Kirche auf der ganzen Welt, sodass alle Katholiken weltweit das Lob Gottes mit einer Stimme, eines Sinnes und Herzens, in einer gemeinsamen Kultur singen können, die über all ihre Unterschiedlichkeit hinausgeht. Wir bitten auch um eine erneute Bestätigung der einzigartigen Bedeutung der Pfeifenorgel für die heilige Liturgie, wegen ihrer einzigartigen Fähigkeit, die Herzen zu Gott zu erheben, und ihrer vollkommenen Eignung, den Gesang von Schola, Chören und Gemeinden zu unterstützen.

2. Es ist notwendig, dass die Bildung eines guten Geschmacks in Musik und Liturgie schon bei den Kindern beginnt. Oft meinen Pädagogen ohne musikalische Ausbildung, dass Kinder die Schönheit der wahren Kunst nicht zu schätzen wissen. Dies ist weit von der Wahrheit entfernt. Mit einer Pädagogik, die ihnen hilft, sich der Schönheit der Liturgie zu nähern, werden die Kinder in einer Art und Weise gebildet werden, die ihre Kraft stärken wird, weil sie nahrhaftes geistiges Brot und nicht das scheinbar leckere, aber ungesunde Essen aus industrieller Fertigung angeboten bekommen (wie bei den „Kindermessen“, die von der Popkultur inspirierte Musik aufweisen). Wir können aus persönlicher Erfahrung feststellen, dass Kinder, die mit dem gregorianischen Choral und polyphoner Kirchenmusik konfrontiert werden, diese schätzen lernen und eine innigere Beziehung zur Kirche entwickeln.

3. Wenn Kinder die Schönheit der Musik und der Kunst schätzen, wenn sie die Bedeutung der Liturgie als fons et culmen des Lebens der Kirche verstehen sollen, dann müssen wir fest im Glauben stehende erwachsene Laien haben, die dem Lehramt der Kirche folgen. Wir müssen auf den Gebieten der Kunst und der Musik gut ausgebildeten Laien Raum zur Entfaltung geben. Um als kompetente Kirchenmusiker oder Lehrkräfte in der Kirche wirken zu können, sind viele Jahre Studium erforderlich. Ein solch „professioneller“ Status muss anerkannt, geachtet und auf praktische Weise gefördert werden. Im Zusammenhang mit diesem Punkt hoffen wir aufrichtig, dass die Kirche gegen offensichtliche und subtile Formen von Klerikalismus weiter vorgehen wird, sodass Laien ihren vollen Beitrag in Bereichen leisten können, wo eine Ordination nicht erforderlich ist.

4. Für Dome und Basiliken sollte auf höheren Standards und Qualifikationen für das musikalische Repertoire bestanden werden. Die Bischöfe in jeder Diözese sollten mindestens einen professionellen Musikdirektor und/oder einen Organisten anstellen, die klaren Anweisungen folgen würden, um in den jeweiligen Domen bzw. Basiliken ausgezeichnete liturgische Musik zu fördern und zu ermitteln, wer ein leuchtendes Beispiel im Kombinieren von Werken der großen Tradition mit geeigneten neuen Kompositionen anbieten könnte. Wir sind der Meinung, dass ein gesunder Grundsatz hierzu in Sacrosanctum concilium enthalten ist: „Schließlich sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es. Dabei ist Sorge zu tragen, daß die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen“ (Sacrosanctum concilium, Nr. 23).

5. Wir schlagen vor, dass in jedem Dom bzw. in jeder Basilika die Feier einer wöchentlichen Messe in Latein (in beiden Formen des römischen Ritus) gefördert werde, um die Verbindung zu unserem liturgischen, kulturellen, künstlerischen und theologischen Erbe zu bewahren. Die Tatsache, dass viele junge Menschen heute die Schönheit des Lateins in der Liturgie wieder entdecken, ist sicher ein Zeichen der Zeit und fordert uns auf, die Zwistigkeiten der Vergangenheit zu begraben und nach einem mehr „katholischen“ Ansatz zu suchen, der aus allen Jahrhunderten katholischer Gottesverehrung schöpft.

6. Die liturgische und musikalische Ausbildung der Geistlichen sollte für die Bischöfe erste Priorität haben. Der Klerus trägt die Verantwortung, die liturgischen Melodien zu erlernen und zu üben, da er gemäß Musicam sacram und anderer lehramtlicher Dokumente in der Lage sein sollte, die Gebete der hl. Messe zu singen und nicht bloß zu sprechen. Künftige Priester sollten in den Seminaren und an der Universität mit der großen Tradition der liturgischen Musik der Kirche vertraut gemacht werden und sie im Einklang mit dem Lehramt und gemäß dem gesunden Grundsatz, den wir bei Matthäus finden, schätzen lernen: „Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der die Schule des Himmelreiches durchlaufen hat, einem Hausvater, der Neues und Altes aus seinem Schatze hervorholt“ (Mt 13,52).

7. In der Vergangenheit spielten katholische Verlage eine große Rolle bei der Verbreitung von guter alter und neuer Kirchenmusik. Heute verbreiten dieselben Verlage – auch wenn sie der Diözese oder religiösen Institutionen angehören – aus rein kommerziellen Erwägungen heraus eine Musik, die für die Liturgie ungeeignet ist. Viele gläubige Katholiken meinen, dass das, was die Mainstream-Verlage an Kirchenmusik anbieten, mit der Lehre der katholischen Kirche bezüglich Liturgie und Musik übereinstimmt, auch wenn es oft nicht so ist. Katholische Verlage sollten in erster Linie die Gläubigen in der gesunden katholischen Lehre bilden und zur guten liturgischen Praxis anleiten und nicht als erstes Ziel haben, Geld zu verdienen.

8. Die Bildung von Liturgiewissenschaftlern ist auch von grundlegender Bedeutung. So wie die Kirchenmusiker die Grundlagen der Liturgiegeschichte und Theologie verstehen sollten, so sollten auch Liturgiker mit dem gregorianischen Choral, der Polyphonie sowie der gesamten Musiktradition der Kirche vertraut sein, sodass sie gute von schlechter Musik unterscheiden können.

Schlusswort

In seiner Enzyklika Fidei lumen, erinnerte Papst Franziskus uns an die Art und Weise, wie der Glaube Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet:

„Es ist wahr, dass der Glaube Abrahams, insofern er Antwort auf ein vorangegangenes Wort ist, immer ein Akt der Erinnerung sein wird. Doch legt dieses Erinnern nicht auf die Vergangenheit fest, sondern wird, da es Erinnerung an eine Verheißung ist, fähig, auf Zukunft hin zu öffnen, die Schritte auf dem Weg zu erleuchten. So wird sichtbar, dass der Glaube als Erinnerung an die Zukunft – memoria futuri – eng mit der Hoffnung verbunden ist“ (Lumen fidei, Nr. 9).

Diese Erinnerung, dieses Gedächtnis, dieser Schatz, der unsere katholische Tradition ist, ist nicht allein etwas aus der Vergangenheit. Er besitzt noch eine Lebenskraft in der Gegenwart und wird immer auch ein Geschenk der Schönheit für künftige Generationen sein. „Preist den Herrn; denn herrliche Taten hat er vollbracht; auf der ganzen Erde soll man es wissen. Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.“ (Isa 12:5-6)







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