Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nach Berliner Stromausfall: „Herr Erzbischof Koch, wir warten auf Ihre Stellungnahme“
  2. Rechtsanwalt Steinhöfel: Maduro war ohne legales Amt, hatte keine völkerrechtliche Immunität mehr
  3. „Sehr brüderliche Atmosphäre, die meisten waren von Dringlichkeit der Neuevangelisierung überzeugt“
  4. Katholik kritisiert „Schleimjesus“-Fernsehgottesdient mit direktem Brief an verantwortlichen Pfarrer
  5. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  6. Menschenrecht auf Abtreibung?
  7. So fühlt sich Nachhausekommen an
  8. Der Stern stört Jerusalem. Epiphanie und die Ruhe der Gewöhnten
  9. Kardinäle votieren für Themen in der Linie von Papst Franziskus
  10. Der Weihnachtsglaube - Sand oder Fels
  11. These: Die Wahrheit steht über der nachdrücklichen Forderung nach Einheit
  12. Gegen Agenden und Aktivismus: das Kardinalskollegium hält inne
  13. „Die Ursache der Kirchenkrise und ihre Überwindung“
  14. Bischöfliche Spökenkiekerei zum Jahreswechsel
  15. Linke US-Moderatorin Rachel Maddow gibt Rückkehr zum katholischen Glauben bekannt

Theologieprofessoren: Evangelische Kirche ist eine Behördenkirche

22. November 2016 in Deutschland, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Gemeinden werden entmündigt und Pastoren zu Dienstleistern degradiert - Vorwurf: Wer nicht mit der EKD kooperiert, muss mit Konsequenzen rechnen


Göttingen (kath.net/idea) Grundlegende Kritik am Zustand der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) üben die Theologieprofessoren Gisela Kittel (Bielefeld) und Eberhard Mechels (Westoverledingen/Landkreis Leer) in dem von ihnen herausgegebenen Buch „Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr“ (Vandenhoeck & Ruprecht/Göttingen). Entgegen den Grundanliegen der Reformation habe sich die evangelische Kirche heute weithin zu einer zentralistisch organisierten Behördenkirche entwickelt, in der die Gemeinden und ihre Vorstände entmündigt, haupt- und ehrenamtlich arbeitende Gemeindemitglieder verdrängt und Pastoren zu Dienstleistern degradiert werden. Ferner werde die Arbeit an der Basis durch rigorose Sparmaßnahmen immer mehr eingeschränkt. Die in dem Buch gesammelten Berichte und Dokumente sollen laut Kittel und Mechels den Umbauprozess der Kirche verdeutlichen.

Verein Kirchenbunt: Es gibt keine Finanzkrise der Kirche

Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Kirchenbunt im Rheinland“, Pfarrer Hans-Jürgen Volk (Eichelhardt/Westerwald), kritisiert in seinem Beitrag, dass Kirchenleiter seit Jahren davon sprechen, dass die Zeiten steigender Kirchensteuereinnahmen vorbei seien. Das werde – obwohl in Wirklichkeit die Einnahmen seit Jahren stiegen – als Hebel genutzt, Synoden zu Entscheidungen zu drängen, die überwiegend auf eine Zentralisierung von Finanzen, Verwaltung und Personalplanung hinausliefen. Dieses „manipulative Vorgehen“ der Verantwortungsträger führe zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit: „Es gibt keine Finanzkrise der Kirche. Geld ist da, es wird allerdings verwendet, um die eigene Organisation und Verwaltung zu stärken und Kapital in großem Umfang als Zukunftssicherung zu akkumulieren. Gespart wird bei der Arbeit mit den Menschen vor Ort.“ Rechne man diese Entwicklung hoch, dürfte es, so Volk, in wenigen Jahren in vielen Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche im Rheinland deutlich mehr Vollzeitstellen in der Verwaltung als im Pfarrdienst geben: „Eine geradezu perverse Fehlentwicklung.“


Wer nicht mit der EKD kooperiert, muss mit Konsequenzen rechnen

Volk kritisiert ferner den Einfluss der EKD. Aus seiner Sicht sind die einst eigenständigen Landeskirchen mittlerweile zu „Tochterunternehmen des EKD-Konzerns mutiert“. Gemäß den Bestimmungen des 2006 beschlossenen „erweiterten Solidarpaktes“ müssten die Landeskirchen dem Kirchenamt der EKD jährlich einen Bericht zu ihrer finanziellen Situation vorlegen. Er werde vom Kirchenamt der EKD ausgewertet. Komme es bei einer Landeskirche zu erheblichen Abweichungen bei den festgelegten Mindeststandards, könnten Sanktionen greifen. Volk: „Bei nicht kooperativem Verhalten gegenüber den EKD-Spielregeln droht der Entzug der Solidarität, also möglicherweise auch der Entzug der Finanzausgleichsmittel. Die einzelnen Landeskirchen sind also im Blick auf ihre Finanzen seit März 2006 nicht mehr Herrin im eigenen Haus.“ Sie stünden unter Aufsicht der EKD.

Autoren: Theologie muss wieder zur Leit-Wissenschaft werden

Das 20-köpfige Autorenteam des Buches fordert einen „Mentalitätswandel“ in den Landeskirchen. Theologie müsse statt der Betriebswirtschaftslehre wieder zur Leit-Wissenschaft der Kirchenpolitik werden. Es dürften nicht länger Mitarbeiter aus der Beratungsindustrie und Beamte der Verwaltungshierarchie die Richtung in der Kirche vorgeben, ohne dass die geplanten „Reformgesetze“ und Richtlinien auf ihre theologischen Auswirkungen hinterfragt würden. Die evangelische Kirche sei mittlerweile hierarchisch organisiert. Sie werde nicht mehr als Versammlung der Glaubenden gesehen, sondern als soziale Organisation, in der ein marktorientiertes Denken bestimmend sei. Es gehe mehr um Vermögenserhaltung, Kapitalanlagen und finanzielle Vorsorge statt um die konkrete Arbeit mit den Menschen. Kostspielige Verwaltungsämter entstünden, aufwendige Kirchenkreisprojekte würden initiiert und Fachkräfte aus der Wirtschaft unbefristet eingestellt: „Der Organisationsapparat der Kirchen bläht sich auf.“ Die Autoren fordern, die Finanz- und Personalhoheit wieder an die Gemeinden zurückzugeben. Die Gelder müssten umgeschichtet werden. Es gehe nicht an, dass Gemeinden vor Ort „nur noch deutlich weniger als die Hälfte der ihnen zustehenden, weil durch ihre Glieder bereitgestellten Kirchensteuermittel erhalten, während der größte Teil im großen Topf der Landeskirche“ verschwinde. Fazit der Autoren: „Unsere Hoffnung ist, dass Gott der Evangelischen Kirche in Deutschland eine grundlegende Umkehr schenkt.“


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Evangelische Gemeins

  1. „Die Kirche in Deutschland hat abgehängt“
  2. Evangelische Pfarrerin segnet VIER Männer in sogenannter „Polyhochzeit“
  3. "Interviews mit Bedford-Strohm oder Margot Käßmann nur noch schwer an Kitsch zu übertreffen"
  4. Reiner Haseloff: Luther ist den Katholiken heute näher als der evangelischen Kirche
  5. Kunstaktion: Plastikmüll in Taufbecken
  6. Evangelische Kirchengemeinde streicht klassischen Sonntagsgottesdienst
  7. „Respektvolle Trennung statt endlosen Streits“
  8. EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm erhält Morddrohungen
  9. Stehen die Methodisten unmittelbar vor weltweitem Schisma?
  10. „Jetzt hat auch die EKD ein Problem“






Top-15

meist-gelesen

  1. Weihnachtsspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre HILFE!
  2. ISLAND-REISE - SOMMER 2026 - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  3. „Die Ursache der Kirchenkrise und ihre Überwindung“
  4. "Beten wir gemeinsam für die kommende Welle!"
  5. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  6. Überlebende der Brandkatastrophe in Crans-Montana: „Möchte Gott danken, dass er mich gerettet hat“
  7. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  8. Nach Berliner Stromausfall: „Herr Erzbischof Koch, wir warten auf Ihre Stellungnahme“
  9. Katholik kritisiert „Schleimjesus“-Fernsehgottesdient mit direktem Brief an verantwortlichen Pfarrer
  10. Kardinäle votieren für Themen in der Linie von Papst Franziskus
  11. „Sehr brüderliche Atmosphäre, die meisten waren von Dringlichkeit der Neuevangelisierung überzeugt“
  12. "Der Herr ist wirklich in diesen Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig"
  13. Ein Frühstück für den Verleugner
  14. Rechtsanwalt Steinhöfel: Maduro war ohne legales Amt, hatte keine völkerrechtliche Immunität mehr
  15. Ich bin Staatsanwältin – und ich bete

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz