03 November 2016, 11:30
Papst versichert Bischof und Bewohnern Norcias seine Nähe
 
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Subprior des stark zerstörten Benediktinerklosters von Norcia, Benedetto Nivakoff, betont in Radio Vatikan, dass alle Mönche des Klosters bleiben wollten

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Papst Franziskus hat am Mittwochabend den Bischof von Norcia, Renato Boccardo, angerufen, um seine Sorge über das Los der Erdbebenopfer auszudrücken. Der Anruf aus dem Vatikan kam nur Stunden vor einem neuen, starken Erdstoß. "Ich bin allen Menschen in Norcia nahe, bete für sie und segne sie", sagte Franziskus zu Bischof Boccardo von Spoleto-Norcia, wie Radio Vatikan am Donnerstag berichtet. 22.000 Menschen haben in Mittelitalien bei mehreren schweren Beben ihr Zuhause verloren.

"Mich schmerzt auch das Kulturerbe des Glaubens, das zerstört worden ist", sagte der Papst. In Norcia, dem Geburtsort des heiligen Benedikt von Nursia, ist am vergangenen Sonntag die mittelalterliche Basilika eingestürzt, die ihm geweiht ist. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi versprach ihren Wiederaufbau.

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Der Bischof - ein früherer päpstlicher Reisemarschall - erzählte dem Papst, wie sehr sich die Menschen in Mittelitalien jetzt Sorgen um ihre Zukunft machen. "Man muss sie ermutigen", entgegnete Franziskus: "Sie sollen sich ihren Optimismus bewahren. Seid ihnen nahe, lasst sie nicht die Hoffnung verlieren - auch die Hoffnung, weiter in ihrer Heimat zu wohnen."

Auch der Subprior des stark zerstörten Benediktinerklosters von Norcia, P. Benedetto Nivakoff, sagte am Donnerstag im Gespräch mit Radio Vatikan, dass alle Mönche des Klosters am Ort bleiben wollten. "Die Hoffnung geht immer wieder neu von Christus aus. Was zählt sind nicht die Trümmer, sondern die geistlichen Fundamenten. Natürlich sind die Gebäude wichtig, sogar sehr wichtig. Aber Momente wie dieser erinnern uns doch daran, was noch wichtiger ist."

Der Benediktiner spricht von einem guten Zusammenhalt der Menschen in Norcia. "Wir haben eine starke Bindung untereinander, weil der heilige Benedikt von Nursia der wichtigste Bürger dieser Stadt ist, der den Menschen hier sehr viel bedeutet. Sie sehen die Mönche als eine Art von 'Botschaftern des Patrons'. Darum helfen sie uns in allem. Sie wissen, dass wir am Morgen des Erdbebens in der Basilika gebetet haben und dass es - das ist wirklich ein Wunder! - keinen Toten gegeben hat."

Zur Benediktinergemeinschaft von Norcia gehören Patres und Brüder aus vielen Teilen der Welt. Befragt, ob die Nichtitaliener jetzt darüber berieten, wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren, sagte Nivakoff: "Nein, im Gegenteil, alle sind hier jetzt noch stärker verwurzelt als zuvor. Keiner redet davon, nach Hause zu gehen."

Das der römischen Abtei San Anselmo unterstellte Benediktinerpriorat Norcia wird vom amerikanischen Prior Cassian Folsom, der auch Professor an der Ordenshochschule San Anselmo ist, geleitet. Die Gemeinschaft zählt knapp 20 Mitglieder, die meisten sind unter 30. Bei dem Kloster handelt es sich um eine Wiedergründung des 20. Jahrhunderts. Der ursprüngliche Konvent von Norcia war im 19. Jahrhundert Opfer der napoleonischen Säkularisationsgesetze geworden.

Italien debattiert Sicherung von Kirchen

Unterdessen wies die Regionalregierung von Umbrien Medienvorwürfe zurück, sie habe zu wenig zur Sicherung von Kirchen getan. Der Zeitraum zwischen den Beben vom 26. und 30. Oktober sei zu kurz gewesen, um Schutzmaßnahmen treffen zu können, sagte die Leiterin der umbrischen Aufsichtsbehörde für Baudenkmäler, Maria Mercalli, der Zeitung "La Stampa" (Donnerstag).

Man habe etwa unmittelbar nach dem ersten Beben die Schäden an der mittelalterlichen Abtei Sant'Eutizio in Preci inspiziert. Vier Tage hätten aber für eine Projektplanung nicht ausgereicht. Die Vertreterin Umbriens äußerte zugleich die Einschätzung, dass ein umfassender Wiederaufbau der Kirchen und andere Baudenkmäler nur mit ausländischer Hilfe möglich sei. Ministerpräsident Matteo Renzi hatte am Mittwoch angekündigt, die St.-Benedikt-Basilika in Norcia solle zügig wiederaufgebaut werden.

Das Beben vom 30. Oktober mit einer Stärke von 6,5 auf der Richterskala brachte in Mittelitalien mehrere Kirchen zum Einsturz; viele weitere wurden beschädigt. Die bis auf die Fassade eingestürzte Kirche des heiligen Benedikt in Norcia wurde zum Sinnbild der Zerstörung. Bereits das erste, schwächere Beben vom 26. Oktober hatte etliche Kirchen in Mitleidenschaft gezogen.

Hintergrundartikel:
- Symbole des Erdbebens: Zerstörte Basilika, gerettete Ordensfrauen
- Erneut starkes Erdbeben in Mittelitalien: Stärke 6,5


Die eingestürzte St. Benedikts-Kathedrale/Nursia wurde zum Symbol des heftigen Erdbebens am 30.10.2016 - Vorher-/Nachheraufnahmen




Erste Bilder der Zerstörungen in Nursia - St. Benedikts-Kathedrale stürzte ein! - Erdbeben Italien 30.10.2016





Gebetsaufruf mit der Benediktsbasilika



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