Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Papst warnt erneut die Piusbrüder! Geste wäre "ein schismatischer Akt"
  2. Vom Streuner zum Messdiener: Welpe „Johnny“ findet ein neues Zuhause
  3. Selektive Wahrheiten und die römische Geduld
  4. 'Der Bischof des Niedergangs ist Herr Feige'
  5. Homosexuellenapostolat Courage International kritisiert Synodenbericht
  6. ‚Ist das Synodenbüro des Vatikan die PR-Abteilung von P. James Martin SJ geworden?‘
  7. Vom Benehmen mit Majestäten
  8. Ein Jahr Papst Leo XIV.
  9. Eine nötige Klarstellung aus Rom
  10. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts bei Unfall schwer verletzt
  11. Wuppertaler stellv. Stadtdechant: „Lebendige Bindung an die Weltkirche“ statt „deutsche Sonderwege“
  12. „Klimaschützer“ fliegen am häufigsten
  13. Solschenizyns düstere Prognose: Wenn die Seele der Zivilisation stirbt
  14. "Wir haben Maria neue Hände gegeben"
  15. Ein Akt der Demut?

Evangelischer Kirchentag: Wer unter dem Schirm des Regenbogens sitzt

8. Juni 2015 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Das einzig Bunte an den Veranstaltungen waren die Regenbogen-Fahnen. Inhaltlich gab’s Einfarbiges ohne Gegenmeinungen. idea-Kommentar von Stephan Dreytza


Stuttgart (kath.net/idea) Auf dem Kirchentag waren LSBTTIQ-Vertreter (lesbisch-schwul-bisexuelltranssexuell- transgender-intersexuell-queer) mit einem eigenen Schwerpunkt im „Zentrum Regenbogen“ vertreten. Der Vikar der hannoverschen Landeskirche, Stephan Dreytza, hat sich dort umgesehen.

Als Evangelikaler das Thema Homosexualität auf dem Kirchentag kommentieren? Ein undankbarer Job! Die einen lehnen kritische Anfragen als homophob und diskriminierend ab. Die anderen wachen mit Argusaugen über (vermeintliche) Abweichungen von „der klaren biblischen Lehre“. Und wieder andere schweigen aus Sorge um ihren Ruf oder sind vom Thema genervt. Aber kneifen ist nicht mein Ding!

Ein flotter Spurt durch Fettnäpfchen

Ich war beim Workshop „Mit der Bibel gegen die Homophobie: Der Lebensfeindschaft gut begründet begegnen“ und der Podiumsdiskussion „Da kann man doch was machen …?! Umpolungsversuche an Lesben/Schwulen und ihre Folgen“. Erstere Veranstaltung hat versucht, die theologische Unbedenklichkeit von Homophilie aufzuzeigen und Gesprächsstrategien zu vermitteln, wenn sie hinterfragt wird. Letztere wollte die Schädlichkeit einer erzwungenen Veränderung der sexuellen Orientierung aufzeigen. Drei Aspekte nehme ich mit: Damit auf zum flotten Spurt durch unangenehme Fettnäpfchen …


Ein bitterer Spiegel für die Evangelikalen

Erstens: Wir Evangelikale scheitern im seelsorgerlich-einfühlsamen Umgang mit Homophilen brutal. „Deine Homosexualität geht nicht weg? Dann musst du halt mehr beten! – Wenn wir uns outen in der Gemeinde, verlieren wir unsere Familie, unser Umfeld, unseren Glauben. Wir haben keine Vertrauten, mit denen wir darüber sprechen können!“ Solche und andere Erfahrungen waren von Teilnehmern zu hören. Äh, was heißt nochmal Gnade und Gemeinschaft? Ich war beschämt. Wie hartherzig geht es denn zum Teil bei „uns“ zu? Findet sich in Gemeinden niemand, der für brenzlige Fragen da ist? Die Sprachlosigkeit auf diesem Feld spielt bestimmt eine Rolle. Solche Stellungnahmen sind ein bitterer Spiegel für die evangelikale Bewegung!

Ein Denkansatz und seine Folgen

Zweitens: Der Denkansatz entscheidet alles. Im Workshop zeigte sich das überdeutlich: Pastor Nils Christiansen, Sprecher des Konventes schwuler und lesbischer TheologInnen in der Nordkirche in Hamburg, forderte unter Berufung auf Luther, alle Stellen der Bibel müssten sich fragen lassen, ob sie „Christum treiben“. Das hieße doch: „Befördern oder behindern diese Stellen unser Leben? Das ist die Prüffrage!“ Problem: Mit dieser Interpretation wird jede Bibelstelle ausgeknockt, die dem eigenen Gusto von Lebensförderung widerspricht – in diesem Fall werden alle biblischen Aussagen über praktizierte Homosexualität irrelevant.

Die Unterscheidung von Person und Sache fehlt

Gemäß Ergebnissen der historisch-kritischen Methode könne man die Ablehnung von Homosexualität (3. Mose 18,22; Römer 1,27), so Christiansen weiter, religions- und sozialgeschichtlich als zeitbedingt und damit heute nicht mehr gültig erklären. Schließlich: Luther habe laut Christiansen nur eine Sünde gekannt: sich als Mensch aufzuwerfen, Gott zu sein und anderen Menschen ihren Wert abzusprechen. Folglich sei es falsch und unbiblisch, bei Sex überhaupt von Sünde zu sprechen. Und wieder grüßt der Denkansatz: Die biblische Kritik an manchen sexuellen Praktiken ist überholt. Das größte Manko überhaupt: Bei Christiansen (und anderen) fehlte die notwendige evangelische Unterscheidung zwischen Person und Sache. Damit wird zwingend jede Kritik an praktizierter Homosexualität „menschenfeindlich“, „herabsetzend“ und somit Sünde. Alles bezieht sich sofort auf die ganze Person, und die Diskussion ist beendet.

Das Programm ist einseitig

Drittens: Das einzig Bunte an den Veranstaltungen waren die Regenbogen-Fahnen. Inhaltlich gab’s Einfarbiges ohne Gegenmeinungen. Klar, altbekannte Klischees gegenüber vermeintlichen „Homo-Umpolern“ bestätigen und subtil Angst schüren („Die verwenden schon mal Elektroschocks “) ist einfacher. Belege? Fehlanzeige! Kritische Selbstreflexion und Distanz zur eigenen Position? Nicht nötig! Mit „Menschenfeinden“ gibt es auf Podien kein Gespräch. Schade! Trotz respektvoller Gespräche wird nicht gestritten auf dem Kirchentag. Da bekommen Sadomaso-Christen einen Stand, keusch lebende Homosexuelle aber erhalten von der Kirchentagsleitung keinen. Hallo?

Auf beiden Seiten ist Gesprächsfähigkeit nötig

Fazit: Teile der evangelikalen Basis müssen offensichtlich gesprächsfähiger und einfühlsamer werden. Von LSBTTIQ-Vertretern wünsche ich mir andererseits die Bereitschaft für Gegenmeinungen auf Podien und den ehrlichen Versuch, zwischen Person und Sache zu unterscheiden und diese Problematik zu benennen. Das macht Menschen stark und bringt bei einem komplexen Thema weiter.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Evangelische Gemeins

  1. „Die Kirche in Deutschland hat abgehängt“
  2. Evangelische Pfarrerin segnet VIER Männer in sogenannter „Polyhochzeit“
  3. "Interviews mit Bedford-Strohm oder Margot Käßmann nur noch schwer an Kitsch zu übertreffen"
  4. Reiner Haseloff: Luther ist den Katholiken heute näher als der evangelischen Kirche
  5. Kunstaktion: Plastikmüll in Taufbecken
  6. Evangelische Kirchengemeinde streicht klassischen Sonntagsgottesdienst
  7. „Respektvolle Trennung statt endlosen Streits“
  8. EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm erhält Morddrohungen
  9. Stehen die Methodisten unmittelbar vor weltweitem Schisma?
  10. „Jetzt hat auch die EKD ein Problem“






Top-15

meist-gelesen

  1. EINMALIGE CHANCE - SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. Papst warnt erneut die Piusbrüder! Geste wäre "ein schismatischer Akt"
  3. Selektive Wahrheiten und die römische Geduld
  4. Vom Streuner zum Messdiener: Welpe „Johnny“ findet ein neues Zuhause
  5. 'Der Bischof des Niedergangs ist Herr Feige'
  6. Eine nötige Klarstellung aus Rom
  7. Überraschendes Blutwunder in Neapel bei Papstbesuch
  8. 'Der Papst sollte diese wöchentlichen Presse-Mehrkämpfe unterlassen'
  9. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts bei Unfall schwer verletzt
  10. Wenn die Wahrheit unglaubwürdig ist: Bankmitarbeiterin beendete Telefonat mit Papst Leo
  11. Solschenizyns düstere Prognose: Wenn die Seele der Zivilisation stirbt
  12. Vom Benehmen mit Majestäten
  13. Wuppertaler stellv. Stadtdechant: „Lebendige Bindung an die Weltkirche“ statt „deutsche Sonderwege“
  14. Ein Akt der Demut?
  15. ‚Ist das Synodenbüro des Vatikan die PR-Abteilung von P. James Martin SJ geworden?‘

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz