06 März 2015, 09:00
Wissenschaftler: Religion wird in Zukunft wichtiger
 
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Aber: Je wohlhabender eine Region ist, desto bedeutungsloser wird der Glaube - Entkirchlichung in Mittel- und Westeuropa wird vermutlich weiter fortschreiten - Im Islam gibt es zwei gegenläufige Entwicklungen

Berlin (kath.net/idea) Die Bedeutung von Religion wird in den nächsten Jahrzehnten weltweit zunehmen – allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Diese Einschätzung gibt der Religionswissenschaftler Prof. Georg Schmid (Rüti/Schweiz) im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin). Der Beitrag trägt den Titel „Die Zukunft der Kirchen und Religionen“. Wie Schmid schreibt, wird die Entkirchlichung in Mittel- und Westeuropa weiter fortschreiten. Vor allem die beiden großen Kirchen würden weiter Mitglieder verlieren. Ausnahmen bildeten lediglich einzelne attraktive Freikirchen.

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„Wahrscheinlich besteht weltweit ein Zusammenhang zwischen wachsendem Wohlstand und abflauender Religiosität“, so Schmid. Der Schwerpunkt des Christentums verschiebe sich immer offenkundiger in die außereuropäische Welt. In den sogenannten Schwellenländern zeige das Christentum vor allem in seinen evangelikal-charismatischen Ausprägungen eine in diesem Ausmaß noch nie dagewesene Anziehungskraft. Etwas überspitzt lasse sich sagen: „Der Westen wird ‚östlicher’ und säkularer, der Osten und der Süden werden christlicher.“ Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen.

Im Islam gibt es zwei gegenläufige Entwicklungen

Das Wachstum des Islam wird sich laut Schmid in den kommenden Jahren verlangsamen. Denn mit steigendem Wohlstand und mehr Bildung glichen sich auch die Geburtenraten verschiedener Religionsgruppen an. Im Islam beobachtet der Wissenschaftler zwei gegensätzliche Entwicklungen.

Zum einen gebe es einen Trend zur „Reislamisierung“. Er zeige sich in einer Neubesinnung auf die islamische Tradition und einer Abwehr „unislamischer westlicher Sitten und Werte“.

Zum anderen gebe es aber auch zunehmend Anzeichen für eine „Deislamisierung“. Die bessere Bildung von Mädchen und Frauen oder der fragwürdige Ausgang islamischer Revolutionen – etwa im Iran – führten dazu, dass vielen Muslimen der eigene Glaube nicht mehr einleuchte: „Das noch weitgehende Schweigen der in ihrem Glauben verunsicherten oder von ihrem Glauben frustrierten Muslime darf nicht zur Annahme führen, dass alle Muslime zweifelsfrei zu ihrem Glauben stünden.“

Der Islam werde in den nächsten Jahrzehnten eine Periode spannungsreicher Selbstfindung durchlaufen: „In der modernen Gegenwart wirklich angekommen ist der Islam erst, wenn er auch die Möglichkeit zur Islamkritik bejaht.“

Der Buddhismus ist „in“, wird aber keine Massenreligion

Der Buddhismus sei derzeit „in“ und der Dalai Lama für viele „die unbestrittene Nummer eins in der Liste der spirituellen Führer“, so Schmid. Die Popularität dieser Religion besonders in der westlichen Welt werde wohl noch lange anhalten: „Aber zur neuen Massenreligion wird er sicher nicht werden.“

Zum Atheismus schreibt der Religionswissenschaftler, er sei zwar eine „respektable weltanschauliche Option“. Eine gloriose Zukunft habe er aber nicht. Denn eine sinnleere, sich konsequent dem Zufall verdankende Welt sei nicht jedermanns Sache: „In den Religionen erahnen Menschen jenen Sinn, ohne den ihr Gemüt zu frieren beginnt.“

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