01 Juni 2014, 11:00
Rettet die heilige Messe – Erlebnisse eines Katholikentagsbesuchers
 
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Diese „Eucharistiefeier“ habe ich verlassen: Kein Schuldbekenntnis, kein Kyrie, kein Gloria. Ein Film anstelle der Lesung und das Evangelium wurde von einem Laien gelesen. Gastkommentar von Stefan Mattaei

Regensburg (kath.net/pbr) Ein Mann geht auf einen Markt und sieht dort ein Bild mit einem Preisschild. Auf diesem Schild steht 100 Euro. Der Mann möchte das Bild für 100 Euro kaufen, dabei erfährt er, dass die 100 Euro sich auf das Preisschild beziehen und nicht auf das Bild.

So ähnlich erging es mir, als ich am Katholikentag an Christi Himmelfahrt in eine heilige Messe gehen wollte. Das Wort „Eucharistiefeier“ im Katholikentagsprogramm bezog sich offensichtlich nicht auf die darunter beschriebene Kirche, zumindest wenn man unter Eucharistiefeier heilige Messe versteht.

Die Videoleinwand als Mittelpunkt der Messe?

Als ich um kurz vor 21 Uhr die volle Herz Marien Kirche betrete, fällt mir als erstes eine große Leinwand auf, die im Altarraum installiert ist. Ich hoffe noch, dass die Leinwand während der Messe nicht eingesetzt wird, doch in den nächsten 30 Minuten sollte sie eine bedeutende Rolle spielen.

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Als beim Glockenschlag die „Messe“ beginnt, passiert dies nicht wie erwartet mit der Betätigung der Glocke eines Ministranten und dem Spielen der Orgel, sondern mit dem Start des ersten Films. Bei voller Lautstärke wird ein Film gezeigt, der die Bibelstelle Ezechiel 37. Kapitel thematisiert. Der Priester oder etwa Ministranten sind nirgends zu sehen, die Leinwand ist der Mittelpunkt.

Nachdem der Film zu Ende ist, kommt ein Priester in den Altarraum, kommentiert kurz den Film und begrüßt uns mit den Worten „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Diese Worte waren die ersten und zugleich die letzten, die mich an eine heilige Messe erinnerten. Es folgt eine Art Tagesgebet, das wir „selbstverständlich“ zusammen mit dem Priester beten.

Anschließend tritt ein Sänger in den Altarraum und singt ein Lied, dessen Hauptthema die Illusion ist. Die Aussage bleibt zumindest mir unklar.

Es folgt ein weiterer Film über krebskranke Menschen, die zu einem Fototermin eingeladen werden und dazu vorher von Hairstylisten mit Perücken ausgestattet worden sind.

Während ich mich frage was das nun mit der heiligen Messe zu tun hat und ob irgendwann jemand die Kurve bekommt und vielleicht eine Lesung liest, tritt ein Laie vor und beginnt das Evangelium zu lesen.

Kein Schuldbekenntnis, kein Kyrie, kein Gloria – ein Film anstatt einer Lesung und das Evangelium gelesen von einem Laien. Mir reicht es und ich verlasse die Kirche, ich möchte gar nicht wissen, wie diese sogenannte „Eucharistiefeier“ weitergeht.

Guter Wille erkennbar

Ich bin fest überzeugt, dass die Organisatoren guten Willens waren und versucht haben im Sinne Christi zu handeln, nur ist ihnen offenbar nicht mehr bewusst, was eigentlich der Wert und das Ziel einer Heiligen Messe ist. Wenn diese Filme an einem Jugendabend im Pfarrsaal gezeigt worden wären, wäre ich sofort einverstanden gewesen, allerdings nicht in der Kirche während einer heiligen Messe.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle nochmal einige Punkte klarstellen.

1. Die heilige Messe ist kein sozio-kulturelles Happening, in dem es gilt ein religiöses Gefühl zu vermitteln und sich dabei aller vorhandener Medien zu bedienen. In der heiligen Messe wird Christus real präsent und zwar in der Gestalt von Brot und Wein. Das sollte im Zentrum stehen, auch wenn die Kirche dann eben nicht so voll ist.

2. In der heiligen Messe agiert der Priester in persona Christi und nicht als Unterhalter der Gottesdienstbesucher. Es geht nicht darum möglichst gut anzukommen, sondern diesem Amt möglichst würdig gerecht zu werden.

3. Erreicht man wirklich mehr Leute, wenn man die heilige Messe an die aktuellen Moden anpasst? Scott Hahns Bekehrung begann bei dem heimlichen Besuch einer heiligen Messe. Hätte er sich auch bekehrt, wenn er an Christi Himmelfahrt in Herz Marien zum Messbesuch gekommen wäre? Kommt bei einer solchen Feier die Ehrfurcht gegenüber Gott wirklich zum Ausdruck, oder gelten dann noch viel mehr die Worte eines Muslim, die er an den katholischen Autor Peter Kreeft richtete: „Ich kann nicht glauben, dass Gott im Tabernakel gegenwärtig ist, weil ihr es nicht könnt. Wenn im Tabernakel wirklich Gott gegenwärtig wäre, würde ich mich davor auf den Boden werfen und nicht mehr aufstehen.“ Wenn hier kein Umdenken stattfindet, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Leute (auch die jungen) in Scharen zu der Piusbruderschaft flüchten, um dort eine würdige Messe zu bekommen.

Matthäus 24,15

Ich möchte jetzt nicht so weit gehen und sagen, dass Matthäus 24,15 bereits zutrifft („Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht“), aber wenn wir diesen Entwicklungen nicht Einhalt gebieten, könnte es schneller zutreffen als es uns lieb ist.

Deswegen rufe ich alle dazu auf, die Messe wieder mehr wertzuschätzen und ihr den Raum zu geben, der ihr gebührt.

Obiger Beitrag entstand im Rahmen eines Projektes des Bistums Regensburg, bei welchem junge Journalisten über den Katholikentag berichteten

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