16 Mai 2014, 17:48
Dieses Plakat ist respektlos den Schwächsten gegenüber
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Aufreger'
Linzer Kinder- und Jugendpsychiater Michael Merl übt scharfe Kritik an den Plakaten des Life Balls: "Im Sinne eines achtsamen und toleranten Umgangs miteinander sollte das Plakat aus dem Straßenbild verschwinden!"

Linz (kath.net)
Der bekannte Linzer Mediziner, Primarius Michael J. Merl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz hat sich jetzt mit einem Offenen Brief an die Veranstalter des umstrittenen Life Balls gewandt. Kath.net dokumentiert den Brief im WORTLAUT:

Werbung
KiB Kirche in Not

S.g. Hr. Keszler !

Das Plakatsujet des Lifeball 2014 macht mich betroffen und nachdenklich. Als Kinder- und Jugendpsychiater habe ich täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die die Grenzen der Intimität nicht kennen und die oft nicht verstehen, was der Unterschied zwischen Sexualität ohne Liebe und Sexualität in einer Liebesbeziehung ist.

Das Sich-Entblößen vor anderen ist Teil dieses Nichterkennens von Grenzen. Viele Kinder, Jugendliche und ich denke auch Erwachsene leiden darunter, dass andere diese Grenzen des Schamgefühls oder der Intimität nicht respektieren.

Täglich arbeiten meine MitarbeiterInnen und ich daran, das jungen Menschen zu vermitteln oder wieder herzustellen, was zerstört wurde. Dieses Plakat ist respektlos v.a. den Schwächsten der Gesellschaft gegenüber. Durch Conchita Wursts Triumph haben wir gehört, dass Toleranz dort endet, wo jemand anderer Schaden nimmt oder nehmen könnte.

Viele Kinder und Jugendliche haben durch ihre Lebenserfahrung nicht die Distanz und Reflexionsfähigkeit, um mit derart expliziter Kunst umzugehen. Sie würden definitiv Schaden nehmen. Die Entblößung vor anderen in der Öffentlichkeit als Instrument einer falsch verstandenen Toleranz darf nicht die notwendige Achtsamkeit im gesellschaftlichen Umgang außer Kraft setzen. Und Toleranz darf nicht auf die Freiheit der sexuellen Orientierung reduziert werden.

Toleranz brauchen unsere Kinder und besonders die, die es nicht so gut im Leben hatten. Toleranz brauchen auch kranke, verzweifelte Menschen, was immer auch ihr Unglück verursacht haben mag. Im Sinne eines achtsamen und toleranten Umgangs miteinander sollte das Plakat aus dem Straßenbild verschwinden!

Prim. Dr. Michael J. Merl
Abt. f. Kinder- u. Jugendpsychiatrie Landes-Frauen- u. Kinderklinik Linz

Facebook: Aktionsgruppe gegen den Life Ball





Foto: (c) privat

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Marx: Vielleicht „treten wir in eine neue Epoche des Christentums ein“ (106)

Vatikan stellt sich gegen deutsche Bischöfe! (85)

Ökumenischer Arbeitskreis von Theologen möchte 'Eucharistie für alle' (66)

Marx und Rom ODER: Am deutschen Wesen soll die Weltkirche genesen (59)

Deutsche Bischofsrevolte gegen Rom (54)

In der Politik müsste Marx jetzt seinen Hut nehmen! (44)

Kirchenrechtler Schüller: Game over! (26)

Feigheit ist keine Tugend (24)

„Konservative Katholiken sind ‚Krebszellen in der Kirche‘“ (23)

Australien: Gesetz zwingt Priester zum Bruch des Beichtgeheimnisses (19)

„Ein Kreuzzug des Gebets und des Fastens“ (19)

Lackner beklagt bei Maria-Namen-Feier Verfall christlicher Werte (17)

„Kein Zolibät (sic) mehr, mehr Rechte für Laien und Frauen“ (16)

Die Vergebung Gottes (15)

Täglich grüßt das synodale Murmeltier (13)