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‚Trinke die Liebe des heiligen Johannes!’

27. Dezember 2013 in Chronik, 2 Lesermeinungen
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Der heutige Gedenktag des Apostels und Evangelisten ist mit einem alten Brauch verbunden, der „Johannesminne“. Von Ulrich Nersinger


Rom (kath.net/un) In der vorchristlichen Antike kannten die Griechen und Römer ein besonderes Trankopfer (λοιβή, libatio) zu Ehren ihrer Götter. Ähnliches begegnet uns bei den Volksstämmen der Germanen. Das Mittelalter wandelte diesen uralten Brauch zu einem „bibere in nominibus Sanctorum – Trinken zu Ehren der Heiligen“ um.

Im oberbayerischen Benediktinerstift Ebersberg trank man am Fest des heiligen Sebastian Wein aus der Hirnschale des Märtyrers. Das Schottenstift in Wien besaß einen der Pfeile, mit denen der Blutzeuge für seine christliche Überzeugung getötet worden sein soll; durch dessen Schaft sogen die Gläubigen den „vinum Sancti Sebastiani – Wein des heiligen Sebastian“. „In der Lieb’ und in den Ehren Sankt Ulrichs“ genoss man in Schwaben die Ulrichsminne; ebenso labte sich das christliche Volk mit Wein zu Ehren von Stephanus, Gallus, Placidius, der Äbtissin Gertrude von Nivelles, des Norwegerkönigs Olav und Kaiser Heinrichs II.


Bis in die jüngere Zeit reichte man in der römischen Basilika San Nicola in Carcere am Gedächtnistag des großen Wundertäters und Volksheiligen Nikolaus Brot und Wein; die Pilger, die zur Heiligtumsfahrt nach Kornelimünster bei Aachen wallfahrten, erhielten Kornelibrot und –wein. Aber sowohl die Römer als auch die Rheinländer – in ihrer Mentalität sehr verwandt – dürften diese Form der Verehrung zu eifrig betrieben haben. In unseren Tagen muss sich der Gläubige an beiden Worten mit Brot alleine begnügen.

Das „Collegium Cultorum Martyrum“, dem vom Papst die Pflege des Märtyrerkultes in der Stadt Rom anvertraut ist, übt bis heute noch oft den Brauch, nach seinen Gottesdiensten eine Agape abzuhalten, bei der man der Blutzeugen Christi mit einem Schluck Wein gedenkt. Dieser Brauch des Kollegiums ist sogar für die Stationsgottesdienste der strengen Fastenzeit bezeugt.

Die bekannteste Weinsegnung vollzieht die Kirche am 27. Dezember, dem Fest des Apostels und Evangelisten Johannes. Den geweihten Wein erhält der Gläubige mit der Aufforderung: „Trinke die Liebe des heiligen Johannes!“ „Die Liebe des heiligen Johannes“ trank man früher aber nicht nur am Gedenktag des Heiligen, sondern auch zu vielen anderen Gelegenheiten. Gebräuchlich war die Johannesminne bei Braut- und Eheleuten – hier kam ihr die Bedeutung eines öffentlichen Versprechens von Liebe und Treue zu. Als Unterpfand einer glücklichen Heimkehr erhielten sie Reisende, Pilger und Soldaten; Sterbende und zu Tode Verurteilte empfingen sie als Wegzehrung für die letzte große Fahrt.

Auch Darstellungen, wie der Lieblingsjünger Johannes gemäß dem Zeugnis des Johannesevangeliums an der Brust Jesu ruht, werden als "Johannesminne" bezeichnet


Foto (c) kath.net/Heinrich-Maria Burkard


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