02 Dezember 2013, 09:20
Strengste Geheimhaltung und verschlossene Türen
 
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Das Konklave gibt sich mehr denn je als ein geheimnisumwittertes Geschehen – Buchtipp und Leseprobe zu Neuerscheinung „Ulrich Nersinger: Tatort Konklave“

Vatikan (kath.net) Nichts reizt die Fantasie mehr als das Geheimnisvolle. Das macht das Konklave, mit dem in der katholischen Kirche ein neues Oberhaupt bestimmt wird, selbst für Nicht-Katholiken interessant. Dementsprechend häufig wird es Thema in Romanen und Spielfilmen. Thriller wie Jörgs Kastners „Der Engelspapst“ und Mario Giordanos „Apocalypsis“ finden reißenden Absatz. Dan Browns „Angels and Demons“ kam 2009 als Blockbuster auf die Leinwand und spielte Unsummen an Geldern ein.

Doch nicht nur in der Fiktion geht es hinter den verschlossenen Türen spannend zu. Die Wahl eines Papstes wurde in der Geschichte immer wieder begleitet von Gewalttaten, Bestechung und Einflussnahme politischer Mächte. In jüngster Zeit hatte sich die Kirche dann eher der Mittel der technischen Überwachung und der sensationsgierigen Medien zu erwehren.

Und trotz aller menschlichen Schwächen, Fehler und Manipulationsversuche gab es mehr als einmal unerwartete, ja erstaunliche Ergebnisse.

Tatort Konklave möchte einen kleinen Einblick in die spannende Welt der Papstwahlen geben und das eine oder andere verschlossene Fenster dem interessierten Leser öffnen. Der Streifzug durch die Historie des Konklave will nichts beschönigen, aber auch keine chronique scandaleuse sein. Er ist ein Stück Kirchengeschichte, die ihre Höhen und Tiefen hat. Und letztendlich aufzeigt, dass Gott der Herr allen Geschehens ist und es vermag, wie es Paul Claudel anmerkt, auf krummen Zeilen gerade zu schreiben.

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Zum Autor:
Ulrich Nersinger ist Journalist, Buchautor und ausgewiesener Kenner des Vatikans, der Kurie und der Kirchengeschichte. Der 56-jährige schreibt für verschiedene katholische Zeitschriften, namentlich den Osservatore Romano, den Schweizergardist und die Tagespost. Ulrich Nersinger studierte Philosophie und Theologie in Bonn, St. Augustin, Wien und Rom mit ergänzenden Studien am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie und der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Neben seiner schriftstellerischen und journalistischen Tätigkeit ist er in Selig- und Heiligsprechungsverfahren als Postulator und Untersuchungsrichter zugelassen und Mitglied der Pontificia Accademia Cultorum Martyrum. Im Sommer 2013 wurde er zum Ehrenmitglied der Vereinigung ehemaliger päpstlicher Schweizergardisten ernannt. Ulrich Nersinger lebt in Eschweiler, Deutschland.

Leseprobe: Das vollständige Vorwort von „Tatort Konklave“:

Die Besonderheiten einer Papstwahl – das Konklave – gehen in ihren Ursprüngen auf das 13. Jahrhundert zurück. Auch nach fast 700 Jahren hat die Art und Weise, der katholischen Kirche ein neues Oberhaupt zu geben, nichts an Faszination eingebüßt. Im Gegenteil, das Interesse an dieser archaisch anmutenden Wahlversammlung ist gestiegen. Das Konklave gibt sich mehr denn je als ein geheimnisumwittertes Geschehen, das die ganze Welt in seinen Bann zu ziehen vermag. Ernst Trost schrieb 2005 in dem österreichischen Boulevardblatt Die Krone: „Tausende von Journalisten haben sich akkreditieren lassen, aber sie sind draußen, und die Kardinäle drinnen. Und nichts dringt nach außen, bis der weiße Rauch qualmt. Welch ein Triumph einer geheiligten Tradition über die Neuigkeitsgier einer total vernetzten Gesellschaft!“

Das Konklave eignet sich nicht nur als Gegenstand akademischer Untersuchungen und populärwissenschaftlicher Darstellungen oder Dokumentationen. Es ist zum Thema vieler Romane und Spielfilme geworden. Morris L. West schrieb „In den Schuhen des Fischers“, Malachi Martin „Das letzte Konklave“ und Robert Pazzi „Conclave“; alle Werke waren auf den Bestsellerlisten anzutreffen. Aktuelle Thriller wie Jörg Kastners „Der Engelspapst“ und Mario Giordanos „Apocalypsis“ finden reißenden Absatz – als Printausgaben und Hörbücher. Dan Browns „Angels and Demons“ kam 2009 als Hollywood-Blockbuster auf die Leinwand und spielte Unsummen an Geldern ein. Die erste Staffel der millionenschweren europäischen Fernsehproduktion „Borgia“, die mit dem Konklave zur Wahl Papst Alexanders VI. beginnt, lockte in Deutschland und Österreich viele Zuschauer an den Bildschirm und bescherte ihren Machern und Fernsehanstalten beachtliche Quoten.

Die Wahl eines Papstes ist ein zentrales Geschehen im Leben der Kirche. Und so hat das Konklave eine bedeutsame religiöse Gewichtung. Die Einschätzung der spirituellen Dimension wird jedoch unterschiedlich gesehen. In seinem Hirtenwort zur Sedisvakanz 2013 schrieb der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, über das Konklave: „Es ist ein geistliches Geschehen, weil es zu entdecken gilt, wen Gott berufen hat, seine Kirche zu leiten und das Petrusamt in ihr auszuüben.“ Der deutsche Kurienkardinal Paul Cordes wich in einem Interview ein wenig von der frommen Sichtweise ab; er verglich die Teilnahme am Konklave mit „einem Besuch beim Zahnarzt“. Aber darf man darüber hinaus von der Papstwahl als „Tatort Konklave“ sprechen? Und Schlagwörter wie „Intrige“, „Erpressung“ und „Mord“ verwenden? Man darf!

1998 führte August Everding, der langjährige Generalintendant der Bayerischen Staatstheater, ein Gespräch mit dem Kurienkardinal Joseph Ratzinger über die katholische Kirche. Everding fragte den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation: „Eminenz, glauben Sie wirklich, dass bei der Papstwahl der Heilige Geist mitwirkt?“ Der Kardinal antwortete: „Ich würde nicht sagen in dem Sinn, dass der Heilige Geist den jeweiligen Papst heraussucht, denn da gibt es zu viele Gegenbeweise, da waren doch viele da, die der Heilige Geist ganz evident nicht herausgesucht hätte. Aber dass er insgesamt die Sache nicht aus der Hand lässt, uns sozusagen wie ein guter Erzieher an einem sehr langen Band lässt, sehr viel Freiheit lässt, aber es nicht ganz abschnappen lässt, das würde ich schon sagen. Das wäre also in einem viel weitläufigeren Sinn aufzufassen und nicht so, dass er sagt, jetzt habt ihr den zu wählen. Wohl aber lässt er nur das zu, was die Sache nicht total zerstören kann.“

In ihrem Buch „Die Papstmacher. Die Kardinäle und das Konklave“ berichtet Crista Kramer von Reisswitz von einer Geschichte, die über Karl Borromäus erzählt wird. Der Heilige hatte im Konklave von 1572 den anderen Kardinälen geraten, Ugo Boncompagni zum Papst zu wählen. Die Purpurträger hatten ein offenes Ohr für den Rat des Erzbischofs von Mailand. Das Konklave wurde eines der kürzesten der Geschichte (es dauerte nur 24 Stunden) und endete mit einer einstimmigen Wahl. Boncompagni regierte hochangesehen als Gregor XIII. bis 1585. Als einige Zeit nach dem Konklave herauskam, dass der Papst einen natürlichen Sohn hatte, wurde der Mailänder Oberhirte vorwurfsvoll gefragt, ob er dies denn nicht gewusst habe, als er ihn zum Papst vorschlug. Der heilige Karl Borromäus antwortete: „Ich nicht, aber der Heilige Geist hat es gewusst – und es hat ihm nichts ausgemacht.“

Tatort Konklave möchte einen kleinen Einblick in die spannende Welt der Papstwahlen geben, das ein oder andere verschlossene Fenster dem interessierten Leser öffnen. Der Streifzug durch die Historie des Konklave will nichts beschönigen, aber auch keine chronique scandaleuse sein. Er ist ein Stück Kirchengeschichte, die ihre Höhen und Tiefen hat. Und letztendlich aufzeigt, dass Gott der Herr allen Geschehens ist und es vermag, wie es Paul Claudel anmerkt, auf krummen Zeilen gerade zu schreiben.


Buchtipp
Tatort Konklave
Von Ulrich Nersinger
Verlag Petra Kehl, 2013
ISBN 978-3-930883-60-8
Preis 17.40 EUR

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Titelbild und Vorwort (c) Verlag Petra Kehl







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