30 Oktober 2013, 13:24
Kirchenkohle zum Todeswohle?
 
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So ein Skandal darf nicht vertuscht, nicht unter den Teppich gekehrt oder weggedrückt werden. Ein Gastkommentar des Publizisten Martin Lohmann zum katholischen Medienpreis der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)

Bonn (kath.net)
Die „katholische“ Medienpreisverleihung 2013 könnte in die Geschichte eingehen – und mit ihr der gesamte Preis. Das jedenfalls meinten wache Beobachter schon am Abend der Veranstaltung, nachdem diese aus dem Saal ans feine Buffet gewandert war. Im Saal unten im Rheinischen Landesmuseum in Bonn gab es nicht nur feine Kost. Manch Unverdauliches war dabei, nachdem die von den katholischen Veranstaltern gedungene Moderatorin und WDR-Journalistin Gisela Steinhauer etwas bemüht die Denk- und Fühlrichtung gleich zu Beginn vorgegeben hatte. Zunächst wolle sie dem Papst danken, dass dieser „dem Schlimburger eine Auszeit“ verpasst habe, so dass man hier nun endlich mal über etwas anderes als diesen Skandal reden könne. Lustig, lustig.

So gab sich auch der Medienbischof, der Rottenburg-Stuttgarter Oberhirte Gebhard Fürst, gut gelaunt und war zu kleinen Scherzen aufgelegt – im so lockeren Miteinander mit der WDR-Kollegin. In seiner Begrüßung mahnte er zur Suche nach Wahrheit, ermutigte zum Eintreten für diese und „für Gerechtigkeit und Entwicklung, ja Wandlung der Menschen und der Welt.“ Er konnte nicht ahnen, dass wenig später sein Aufruf an die Journalisten, „ Agenten prophetischer, fürsprechender Kommunikation“ zu sein, verpufft war beziehungsweise übel missbraucht wurde. Und als die Wahrheit des Lebens vor ihm und in seiner Gegenwart von einer soeben mit 5000 Euro Kirchengeld „ausgezeichneten“ Journalistin alles andere als „fürsprechend“ kommunikativ getreten wurde – da blieben sowohl der Medienbischof als auch der Sekretär der Bischofskonferenz erkennbar ungerührt, während im Saal kräftig applaudiert wurde nach erfolgter Unanständigkeit. Die Preisträgerin spendete das Preisgeld einer lebens- und kirchenfeindlichen Organisation.

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Ein mutiges Wort des Bischofs? Fehlanzeige? Eine korrigierende Reaktion des Sekretärs? Nicht wahrnehmbar. Beide Kirchenpromis wurden in der ersten Reihe kalt erwischt. Und waren wie ohnmächtig. Ob sie komplett uninformiert waren? Vielleicht hatten sie auch keine Ahnung, was da gerade passiert war. Denn die Preisträgerin hatte soeben ein übles Zeichen gegen Kirche und Leben gesetzt und die Pille danach gepriesen, um dann das empfangene Kirchengeld einer Abtreibungsgruppe zu spenden. Das von ihr benannte Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung plädiert für eine gelebte Sexualität, die auch die Tötung noch nicht geborener Menschen billigend in Kauf nimmt und das Lebensrecht des Menschen radikal mit Füßen tritt. Im August hatten sich die Gegner des Lebens zusammengefunden, um gegen den seit Jahren wachsenden und immer mehr Menschen aus allen Generationen anziehenden Friedens-Marsch für das Leben in Berlin zu protestieren. Das dort erkennbare Credo: Freiheit ohne Verantwortung, Abtreibung als Frauenrecht.

Eigentlich müsste man das auch als Medienbischof wissen. Denn Informationen, auch und gerade vom Bundesverband Lebensrecht (BVL), gab es genügend über diese antikirchliche Gruppierung, die nun Kirchenkohle zum Todeswohle bekommt. Eine öffentliche und gar beklatschte Ohrfeige für Päpste, deren Lehre, also die Lehre der Kirche und vor allem ein Tritt gegen das Leben. Ein nahezu perfekter Missbrauch nicht nur katholischer Wahrheit! Und das auf der Bühne der katholischen Medienwelt, wo soeben – völlig ohne Konsequenzen – noch eine fröhliche Exzellenz zum Eintreten für die Wahrheit plädiert hatte. Die von Katholiken ausgelobte Journalistin meint, „dass Frauen selbst über ihren Körper entscheiden können sollten - mit allen Konsequenzen." Ihre eklatante und böse Missachtung des Respekts vor dem Leben, ja dieser Missbrauch des Lebens und der Wahrheit blieb ebenfalls konsequenzenlos. Schließlich war sie ja für viel Sensibilität und einen qualitätsvollen wie werteorientierten Journalismus ausgezeichnet worden. War wohl alles nicht so gemeint, oder?

Ganz ehrlich: Auch so ein Skandal darf nicht vertuscht, nicht unter den Teppich gekehrt oder weggedrückt werden. Es gilt auch hier: Die Wahrheit wird frei machen (Joh 8,32). Sic! Und zu der gehört jede Angst vor Feigheit im Namen einer Freiheit, die keine ist und die in die Unkultur des Todes führt. Schade, dass der Bischof seine eigenen Worte wohl am konkreten Fall gleich wieder vergessen hatte. Er hätte als der Wahrheit verpflichteter Bischof zeigen können, dass es ihm leicht fällt, einzutreten für die „Wahrheit, Gerechtigkeit und Entwicklung, ja Wandlung der Menschen.“ Als Juryvorsitzender sollte er gefragt werden dürfen, ob diese Preisverleihung sich nicht als böses Foul gegen Wahrheit und Leben erwiesen hat.

Eigentlich war die Preisträgerin unmissverständlich, als sie erklärte, sie ärgere sich als Frau immer wieder über die Kirche: „Ich fand es zwar beeindruckend, dass die Bischofskonferenz auf die Vorfälle reagiert und zumindest für vergewaltigte Frauen die Verhütungspille ‚Pille danach‘ in katholischen Kliniken zugänglich gemacht hat. Aber dennoch: Das ist nur für Katholiken ein großer Schritt, mir ist dieser Schritt aber noch viel zu klein.“ Alles auch noch falsch, was die Dame da behauptet. Denn die Abtreibungspille danach wurde nicht erlaubt und kann gar nicht freigegeben werden von der Kirche, so lange sie eben „auch“ tötend wirkt.

Wer dann aber auch noch schweigt, wenn so gegen die Wahrheit des Lebens agiert wird, macht sich schwer mitschuldig. Und das ist alles andere als preiswürdig oder exzellent! Ein katholischer Medienpreis sieht anders aus. Muss anders aussehen. Oder aber man lässt es einfach. Es sei denn, man möchte der Kirche eine falsche Lehre unterjubeln. Übrigens: Wie steht es eigentlich um die Recherchequalität derer, die einen katholischen (!) Medienpreis vergeben? Weil man ja in der Kirche inzwischen so geübt ist mit Aufklärung und Scham, gilt hier für die Veranstalter: Aufklären, ohne falsche Scham und ohne Feigheit. Anbiedern wird ja wohl ausgeschlossen werden können. Mal sehen, wie wahrheitsliebend und verantwortungsbewusst, wie frei, unabhängig, ausgezeichnet und mutig jene sind, die so gerne mit diesem Anspruch feiern und auszeichnen.

Niemand zweifelt an der Klarheit der christlichen Botschaft zum Leben. Niemand sollte daran zweifeln können, dass auch die Bischöfe hier eine klare Botschaft haben. Leider war keiner der katholischen Bischöfe beim diesjährigen öffentlichen Zeugnis für das Leben in Berlin dabei. Wohl aber einige evangelische Bischöfe. Diese wie auch alle anderen Teilnehmer konnten die unwürdigen und respektlosen Parolen gegen Leben und Lebensrecht hören und auch sehen.

Und sie alle wissen, wer und was mit kirchlichem Preisgeld jetzt unterstützt wird. Nichts Gutes.
Und daher, weil es keinen Zweifel geben darf, sind gerade die katholischen Bischöfe, allen voran der Medienbischof – übrigens ganz im Sinne von Papst Franziskus – schon jetzt herzlich eingeladen, am 20. September 2014 in Berlin dabei zu sein, wenn überzeugte Christen und Nichtchristen aus allen Generationen friedvoll dafür werben, dass jeder Mensch liebens- und lebenswert ist. So gesehen hoffe ich als ehrenamtlicher BVL-Vorsitzender freudig im Namen vieler auf eine bischöfliche teilnehmende und unübersehbare Unterstützung derer, die nun wirklich für eine sexuelle Selbstbestimmung sind, zu der Geist, Herz, Verstand und Verantwortung für das Leben unabdingbar gehören. Dieser Einsatz ist übrigens des Preisens würdig, also preiswürdig.

Martin Lohmann ist katholischer Publizist und Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL), der jährlich in Berlin den immer erfolgreicher werdenden Marsch für das Leben organisiert. Zum nächsten Marsch für das Leben 2014 sind wieder alle Menschen guten Willens eingeladen.

Kontakt Deutsche Bischofskonferez

Kontakt Bischof Fürst

Diskussion mit Martin Lohmann im Presseclub über "Wasser für den Papst, Schampus für den Bischof´ vom 13.10.2013






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