23 April 2013, 11:00
Käßmann: 'Gutmensch' sollte kein Schimpfwort sein
 
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EKD-LutherBotschafterin fordert Christen auf: Macht die Welt besser! - Zu Abtreibungen: „Ich kann mit dem Kompromiss in unserem Land sehr gut leben, dass sie bis zum Ende des dritten Monats der Schwangerschaft nicht strafrechtlich verfolgt werden.“

Berlin (kath.net/idea) Kirchentagsteilnehmer sind keine naiven Weltverbesserer und der Begriff „Gutmensch“ sollte kein Schimpfwort sein. Diese Ansicht vertrat die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann (Berlin), am 22. April vor Journalisten in Berlin. Anlass war die Vorstellung ihres Buches „Mehr als Ja und Amen. Doch, wir können die Welt verbessern.“, das im adeo Verlag (Aßlar bei Wetzlar) erscheint.

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Käßmann zufolge sollten sich Christen nicht mit allem abfinden, sondern sich einmischen. Sie regte an, dass die Deutschen einen Teil ihres durchschnittlichen Fernsehkonsums von 238 Minuten täglich einsetzen, um die Welt zu verbessern.

Christlicher Glaube müsse der Welt zugewandt sein und dürfe sich nicht ins Private abschieben lassen. Sie wolle nicht nur klagen und den moralischen Zeigefinger erheben, sondern in kleinen Schritten etwas tun, so Käßmann.

Zur Frage, was sie getan habe, um die Welt etwas besser zu machen, erklärte Käßmann: „Ich habe nicht in Aktien investiert, sondern in meine vier Kinder.“

Kritik am Betreuungsgeld

Käßmann kritisierte den mangelnden Respekt gegenüber Sozialberufen. Dies zeige sich etwa in der schlechten Bezahlung von Pflegekräften und Erzieherinnen.

Sie wandte sich gegen das vom Deutschen Bundestag beschlossene Betreuungsgeld. Ab 1. August erhalten Eltern, die für ihr Kind im zweiten und dritten Lebensjahr keinen Kita-Platz oder keine staatlich geförderte Tagesmutter in Anspruch nehmen, zunächst 100 Euro monatlich, ab 2014 dann 150 Euro.

Nach Käßmanns Worten wäre es besser gewesen, die Gelder dafür in die Bezahlung von Mitarbeitern in Kindertagesstätten zu investieren.

Die Luther-Botschafterin lebt „konsequent vegetarisch“

In ihrem Buch ruft Käßmann unter anderem zur Entschleunigung auf und setzt sich für eine „Ethik des Genug“ ein. Benötigt werde zudem „Mut zum Frieden“. Statt Mittel für Rüstung auszugeben, sollten sie in die Entwicklung verarmter Länder fließen.

Ferner sprach sich Käßmann für Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Schöpfung aus, um eine Klimakatastrophe zu verhindern. Konsumenten sollten „Politik mit dem Einkaufskorb“ machen, indem sie Produkte aus biologischem Anbau und weniger oder gar kein Fleisch kaufen. Sie selbst ernähre sich seit einiger Zeit „konsequent vegetarisch“.

Käßmann wirbt zudem für gewaltfreie Erziehung und die Unterstützung Alleinerziehender.

Zur Frage der Abtreibung schreibt Käßmann: „Abtreibungen kann ich nicht einfach so befürworten, weil sie Leben zerstören. Aber ich kann mit dem Kompromiss in unserem Land sehr gut leben, dass sie bis zum Ende des dritten Monats der Schwangerschaft nicht strafrechtlich verfolgt werden.“

Foto Margot Käßmann: © www.ekd.de

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