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Scharfe Kritik an Familienbild des EKD-Ratsvorsitzenden

19. Februar 2013 in Deutschland, 12 Lesermeinungen
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Birgit Kelle: „Ich bin ehrlich gesagt schockiert, dass sich nicht einmal mehr die evangelische Kirche in Deutschland klar und eindeutig zu der Wichtigkeit und Einzigartigkeit der Familie als kleinster Keimzelle der Gesellschaft bekennt.“


Düsseldorf/Kempen (kath.net/idea) Auf heftigen Widerspruch sind Äußerungen des EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), zur Familie gestoßen. Er plädierte für ein neues familienpolitisches Leitbild. „Familie ist da, wo Menschen verbindlich auf Dauer zusammenleben und Verantwortung füreinander übernehmen“, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin). Auch Paare ohne Kinder bildeten eine Familie.

Laut Schneider muss die soziologische Sicht, dass eine Familie aus Vater, Mutter und Kind bestehe, durch eine inhaltliche Definition ersetzt werden. Konstitutiv seien Verbindlichkeit, Liebe, Achtsamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme.


Die Ehe als „Möglichkeit, in einer rechtlich geordneten Weise Verantwortung füreinander zu übernehmen“, sollte weiter gefördert werden. Dabei müsse sichergestellt werden, dass Frauen ihren Weg im Beruf gehen und zugleich ein Leben mit Familie und Kindern führen können. Dies könne durch eine Mütterrente gefördert werden. Außerdem müssten ausreichend Betreuungsangebote für Kleinkinder zur Verfügung stehen.

Das von der Bundesregierung beschlossene Betreuungsgeld hält Schneider für einen Fehler, da es wegen der zu geringen Zahl an Plätzen in Kindertagesstätten oder bei Tagesmüttern keine echte Wahl zwischen der Betreuung zu Hause oder in einer Einrichtung gebe.

Birgit Kelle: Ich bin schockiert

Scharfe Kritik an der Definition von Familie durch Schneider übte die Vorsitzende der Organisation „Frau 2000plus“, die Journalistin Birgit Kelle (Kempen/Niederrhein). Nach ihren Worten leben auch in den Slums von Indien elternlose Kinder dauerhaft zusammen: „Ist da jetzt auch Familie?“

Kelle zufolge sucht man sich Familie nicht aus: „Sie wird einem in die Wiege gelegt. Wer Familie als x-beliebige Wohngemeinschaft definiert, hat Familie schon längst aufgegeben.“

Insofern wundere sie sich nicht, dass Schneider das Betreuungsgeld ablehne: „Das passt wunderbar in sein Weltbild.“

Wer Familie aus Vater, Mutter und Kindern nicht mehr als etwas Einzigartiges betrachte, für den gebe es auch keinen Grund, diese Lebensform zu unterstützen.

Da schaffe man dann lieber die „Ersatzfamilie“ in der Krippe. Kelle: „Ich bin ehrlich gesagt schockiert, dass sich nicht einmal mehr die evangelische Kirche in Deutschland klar und eindeutig zu der Wichtigkeit und Einzigartigkeit der Familie als kleinster Keimzelle der Gesellschaft bekennt.“

Die Journalistin, die durch Auftritte in Fernsehdiskussionen bekannt wurde, ist römisch-katholisch und Mutter von vier Kindern. Die Organisation „Frau 2000plus“ setzt sich für die Förderung von Familien und besonders Müttern ein. Sie plädiert „für ein neues Frauenbild jenseits der alten feministischen Vorstellung“.


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