18 Januar 2013, 16:58
Die Zukunft gehört uns!
 
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Bei der Pariser Demonstration sagten homosexuelle Sprecher, dass sie ein politisches Gewissen haben und sich nicht von den Lobbyisten der lautstarken, aber nicht repräsentativen Homolobby vereinnahmen lassen wollen. Von Gabriele Kuby

Paris (kath.net) Die Menschen strömen und strömen am 13. Januar 2013, um 13 Uhr von drei Sammelpunkten aus in einem langen Marsch durch Paris zum Champ de Mars. Sie tragen Fahnen und Transparente in kräftigem Rosa und Türkis, auf denen Slogans kurz und griffig ausdrücken, worum es geht:

• Un père, une mère, c’est élémentaire (ein Vater, eine Mutter, das ist elementar);
• 2 mères, 2 pères, enfants sans repères (2 Mütter, 2 Väter – Kinder ohne Orientierung).
• Ein Mann, eine Frau – das ist Viefalt
• Ich bin ein Vater – kein Elter 1!
• Made in Maman et Papa

Am Samstagabend, als ich mich gerade auf einen gemütlichen Sonntag eingestellt hatte, rief ich ein befreundetes Ehepaar an. Wir kamen auf die „Manifestation“ (kurz Manif) in Paris zu sprechen, und ich fragte im Scherz: „Fahren wir hin?“ „Ja!“, sagten sie: „Fahren wir hin!“ Zwei Stunden später saßen wir im Nachtzug von München nach Paris.

Frankreich ist aufgestanden, um den Plänen Präsident Hollands die Stirn zu bieten. Die massenhaft aus dem ganzen Land angereisten Franzosen, die einen Nachmittag lang aus der Innenstadt von Paris eine Fußgängerzone machten, wollen keine „Homo-Ehe“ und keine Kinderadoption durch gleichgeschlechtliche Paare. Die völlige Gleichstellung dessen, was nicht gleich ist: die gleichgeschlechtliche Beziehung mit der Ehe von Mann und Frau - soll noch in diesem Monat von der Nationalversammlung verabschiedet werden und sogleich in Kraft treten. Wie Zapatero in Spanien bis zu seinem kläglichen Abgang will der sozialistische Ministerpräsident Frankreichs die Zeit seiner Macht auskaufen, um das soziale Fundament der Gesellschaft irreversibel zu verändern.

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Dagegen hat sich eine zivile Koalition gebildet, die alle einschließt: Linke und Rechte, Wähler und gewählte Politiker, Bürger und Bürgermeister, Katholiken, Protestanten, Juden und Muslime, Vertreter ungezählter Verbände und – das ist die Sensation – auch Vertreter von Homosexuellenverbänden.

Homosexuelle stehen auf der Bühne und geben Zeugnis, dass das geplante Gesetz „Marriage pour tous“ niemandem dient, weder dem Allgemeinwohl, noch den Homosexuellen und am wenigsten den Kindern. Sie sagen, sie hätten ein politisches Gewissen und wollten sich nicht von den Lobbyisten der lautstarken, aber nicht repräsentativen Homolobby vereinnahmen und auf ihre sexuelle Orientierung beschränken lassen. Auch sie verdankten ihr Leben einem Vater und einer Mutter. Sie hätten kein Recht auf Kinder, vielmehr Kinder ein Recht auf ihre Eltern. Das sagen an diesem Nachmittag unweit des Elyseepalastes nicht katholische Bischöfe, sondern Homosexuelle! Solche Äußerungen tragen ihnen Morddrohungen von ihren Genossen ein.

Motor des Aufstandes der Vernunft gegen die anthropologischen Revolutionäre ist Frigide Barjot, Pseudonym für Virginie Tellene, einer Politologin und Studienkollegin von F. Hollande, die als Humoristin und Kolumnistin landesweit bekannt ist und sich vor einigen Jahren zum Katholizismus bekehrte. Sie sagt: „Man möchte der Gesellschaft einen scheinbar großzügigen, einheitlichen Diskurs aufzwingen, der die gesetzliche Gleichbehandlung und den Kampf gegen Diskriminierungen vorwärtsbringt. Aber dahinter verbirgt sich in Wahrheit ein grundlegender Umbruch: Die Veränderung des Begriffs des Menschseins (conception de l’ ȇtre humain) in jeder Bedeutung des Wortes.“

Die Bischöfe Frankreichs haben sich hinter das Aktionsbündnis gestellt und die Teilnahne an „La Manif Pour Tous“, der Manifestation für alle, gutgeheißen, einige von ihnen sind selbst mitmarschiert. Aber bei der Abschlusskundgebung unter dem Eifelturm ist keiner auf den Großleinwänden zu sehen – eine Entscheidung für die zivile Koalition.

Hier auf dem Champ du Mars wird Boden zurückerobert, auch symbolischer: Die Farben rosa und blau (türkis) stehen am Anfang des Lebens für die Zweigeschlechtlichkeit. Auf der Bühne stehen Mariannen mit roten Jakobinermützen und dem Code Civil in den Händen, will sagen: Wir sind Frankreich, wir hüten das Gesetz. 5000 gewählte Volksvertreter – Abgeordnete, Bürgermeister, Kommunalpolitiker – marschieren mit, tragen große Transparente mit der Aufschrift: „Tous pur le Code Civil“ und die Banderole quer über den Leib. Der Begriff Familie braucht keinen Zusatz wie „traditionell“, um die tragende soziale Grundeinheit der Gesellschaft zu bezeichnen, nämlich die Ehe von Mann und Frau als bester Ort für die Zeugung und das Aufwachsen von Kindern. Mann und Frau sind die „Vielfalt“, die uns vorgegeben ist; diese Vielfalt soll nicht eingeebnet werden, um einer künstlichen Vielfalt sexueller Orientierungen Platz zu machen.

Das Großereignis ist phantastisch organisiert von den 40 Beschallungsmasten und Animations-LKWs bis zu den Slogans und Liedern, die zu altbekannten Melodien in neuen Versen transportieren, was jeder Mensch weiß: Wir sind Mann oder Frau, verdanken unser Leben und unsere Abstammung einem Vater und einer Mutter und sind verantwortlich für die Schwächsten der Gesellschaft: die Kinder. Wie menschlich, wie demokratisch eine Gesellschaft ist, misst sich an ihrem Umgang mit den Schwächsten.

Die Menschen hier bleiben auch in der Masse einzelne, verantwortliche Personen. Nicht ein Papierfetzchen fällt auf die Straße. (Man vergleiche dies mit den Müllbergen, die CSD-Paraden hinterlassen, deren Beseitigung den Steuerzahler viele Millionen Euro kostet.)

Frankreich hat am 13. 1. 2013 ein Ausrufezeichen gesetzt: Bis hierhin und nicht weiter. 800.000 Menschen sind auf der Straße, einzeln von den Organisatoren an Schleusen gezählt. Das hindert Medien wie „Spiegel online“ und „Süddeutsche Zeitung“ nicht, von „Zehntausenden“ zu sprechen. Die Zeiten scheinen vorbei, als sich Journalisten noch als Anwälte der Wahrheit und Widerpart der Mächtigen verstanden.

Achthunderttausend plus drei. Die Franzosen, die uns als Deutsche erkennen, wundern sich, dass wir hier mit ihnen auf der Straße sind. Aber was in Paris geschieht, sollte den Widerstand in ganz Europa ermutigen. Die Menschen lassen sich nicht auf Dauer für dumm verkaufen und vor den Karren der egoistischen Interessen einer Minderheit von der Minderheit von der Minderheit spannen. (In Deutschland nehmen circa rund 0,06 Prozent der Bevölkerung das neue Rechtsinstitut der eingetragenen, gleichgeschlechtlichen Partnerschaft in Anspruch.)

Mag Präsident Hollande auch geloben, dass er „dem Druck der Straße“ nicht weichen wird. Wenn er sich weiter taub stellt gegenüber dem friedlichen, aber entschiedenen Eintreten eines breiten, überkonfessionellen und überpolitischen Bündnisses des Volkes für die unaufhebbaren Vorgaben der Natur und die Familie als Grundlage des Gemeinwohls, dann schürt er Wut – berechtigte Wut, die sich früher oder später Bahn brechen wird.

„Diese Demonstration ist nur der Anfang. Die Zukunft gehört uns!“ tönt es aus den Lautsprechen, und die unübersehbar große Menschenmenge auf dem Champ du Mars in Paris quittiert es mit Jubel.


Kurzvideo: Paris - Demo gegen Homo-Ehe (In franz. Sprache)




kath.net-Buchtipp:
Gabriele Kuby
Die globale sexuelle Revolution
Hardcover mit Schutzumschlag, 456 Seiten,
13,7 x 21,9 cm, ISBN 978-3-86357-032-3
20,50 EUR

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Foto Gabriele Kuby: © Gabriele Kuby







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