06 Oktober 2012, 12:00
Müller: Die Nachkonzilsprobleme wurden nicht vom Konzil ausgelöst
 
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Präfekt Müller: Der Säkularismus erstarkte schon im 19. Jahrhundert und lief zeitgleich mit dem Konzil zu einem Tsunami auf. Eine „spezielle Form des Säkularismus“ fand dann „ihren Weg in die inneren Kreise der Kirche“ - Teil 1 - Von Petra Lorleberg

Vatikan-Stadt (kath.net/pl) „Die Probleme, die sich nach dem Konzil stellten, waren nicht durch das Konzil verursacht. Beispielsweise hatte die Entwicklung der säkularen Mentalität nichts mit dem Konzil zu tun, sondern entwickelte sich vor dem Konzil, im 19. Jahrhundert, als Liberale, die das Übernatürliche verneinten und die die Kirche nur als Wohltätigkeitseinrichtung verstanden, für den Säkularismus warben.“ Dies sagte Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, im Interview mit dem National Catholic Register. Der Einsatz der Kirche im sozialen Bereich sei nur ihre zweite Aufgabe, ihr allererster Daseinszweck sei „die Verkündigung des Evangeliums, um der ganzen Welt Hoffnung zu geben“.

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„Die Wellen des Säkularismus begannen lange vor dem Konzil, die Kirche zu untergraben, doch sie liefen in der Zeit des großen Konzilsereignisses zu einem Tsunami auf. Auch aus diesem zeitlichen Zusammentreffen fand eine spezielle Form des Säkularismus ihren Weg in die inneren Kreise der Kirche“, erläuterte Erzbischof Müller weiter. „Dies führte dazu, dass wir jetzt nicht nur mit dem Säkularismus außerhalb der Kirche konfrontiert sind, sondern wir haben einen Typus des Liberalismus innerhalb der Kirche, der dazu führte, dass wir unsere Orientierung etwas verloren haben. Wir müssen in unsere eigenen Quellen schauen – die Heilige Schrift, die Kirchenväter, die dogmatische Lehre der Kirche – und wie ein guter Kapitän unseren Weg nach vorn steuern.“

Für das Zweite Vatikanische Konzil brauche es „eine authentische Interpretation durch das Lehramt“, forderte Müller. Indem der Papst sage, das Konzil „hat nicht eine neue Kirche erschaffen“, habe er eine „gute und treue Interpretation des Konzils gegeben“. „Mit anderen Worten, das Konzil betonte nicht nur wie einige andere Konzilien einige Lehraspekte, sondern es brachte eine Zusammenfassung der Hauptaspekte unseres Glaubens. Was das Konzil beispielsweise in Dei Verbum über die göttliche Offenbarung sagt, ist eine Zusammenfassung von allem, was das Lehramt über die persönliche Offenbarung gelehrt hat. Und in Lumen Gentium haben wir eine umfassende Vision all der Dimensionen, die zur Ekklesiologie gehören: die Sakramente wurden von Jesus Christus eingesetzt, ebenso die Hierarchie, die Laien, das Gottesvolk, der Leib Christi, der Tempel des Heiligen Geistes. Wir haben eine Theologie, die zur Einheit führt. Auch über Gaudium et Spes und über andere Dokumente kann man sagen, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Grundelemente unserer Lehre auf eine Stelle zusammengesammelt hat.“

Mit Bezug auf die Priesterbruderschaft St. Pius X. erläuterte Müller: „Wir haben solche Gruppen, die wegbrechen, nicht nur auf der Seite der Traditionalisten, sondern auch auf der liberalen Seite“. Manche hätten einen Satz Ideen entwickelt, aus dem sie eine Ideologie geformt hätten, und nun beurteilten sie alles im Kontext dieser Ideen. Man könne nicht sagen, dass es nur eine einzige Form gebe, in welcher die Liturgie zelebriert werden könne, und dass die außerordentliche Form die einzige Form der Messe sei. „Ebenso können wir den Inhalt der Heiligen Messe nicht ändern – es ist derselbe Inhalt –, aber manche Elemente der Liturgie haben sich entwickelt. Wir haben eine Menge Riten, römisch, byzantinisch usw., und sie sind alle gültig.“

Es sei ganz allgemein ein häufiges Problem, dass „Lehraussagen aus verschiedenen Jahrhunderten und aus verschiedenen Kontexten“ von manchen Leuten einfach miteinander verbunden würden. Es bedürfe „einer theologische Hermeneutik, um zu einer authentischen Interpretation zu gelangen“ Diese diese Interpretation jedoch verändere nicht den Inhalt der Lehre, schloss der Präfekt der Glaubenskongregation.

[Die Zitate wurden aus der englischen Sprache rückübersetzt]

Zum Bericht über den zweiten Teil des Interviews von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller: Hauptteil der Konzilslehre 'für jeden bindend'

Foto: Gerhard Ludwig Müller (c) Bistum Regensburg

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