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Der letzte Feind – Leseprobe 1

2. Juli 2020 in Buchtipp, 1 Lesermeinung
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Leseprobe 1 des neuen Romans von Giuseppe Gracia


Linz (kath.net)

Unter der Führung eines neuen Papstes - für viele ein rückständiger Traditionalist - plant die katholische Kirche in Rom das «Dritte Vatikanische Konzil»: eine Versammlung von über 3.000 Bischöfen und Kardinälen aus aller Welt, geprägt von heftigen Richtungskämpfen. Bereits im Vorfeld kommt es zu mysteriösen Todesfällen und schließlich, während des Konzils, zu einem brutalen Anschlag.

 

Leseprobe 1: 

Der Abend senkt sich auf die Piazza della Liberta. Hank hat das Gefühl, daß man ihnen folgt, aber er ist nicht sicher. Vielleicht ein Mann mit schwarzem Hemd und langem, zurückgebundenem Haar, dessen Umrisse im Widerschein eines Schaufensters vorbeischwimmen oder der – blasses, angestrengtes Gesicht – neben einem Postkartenstand auftaucht.

Hank und sein Begleiter durchqueren das Geplapper und Gelächter auf der Piazza, im Hintergrund das Aufflattern von Tauben. Sie folgen einer Gruppe junger Frauen, umschwebt von einer Parfümwolke, bis zur Engelsbrücke, wo sie etwa in der Mitte stehenbleiben.

Sie blicken ins schaukelnde, abendrote Glitzern des Flusses. Hank schätzt seinen Begleiter um die Sechzig, gut beieinander, braungebrannte Arme; wahrscheinlich ein Ex-Gardist oder Beamter der Vatikanpolizei.

 

Hank fragt ihn direkt: „Waren Sie Rossis Informant?“

Der Mann blickt in die Ferne, auf einen Hügelzug mit dunkel in den Abendhimmel ragenden Pinien, weiter drüben die marmorhelle Kuppel des Petersdoms.

 „Unser Freund mit den langen Haaren, haben Sie ihn bemerkt?“

Der Kerl im schwarzen Hemd auf der Piazza, natürlich hat Hank ihn bemerkt.

„Schauen sie nicht hin – er ist immer noch da. Er wartet auf der anderen Seite der Brücke, bei der Schmuckwarenhändlerin.“


 „Vielleicht gehen wir zu ihm und fragen nach seiner Sozialversicherungsnummer.“

 

Der Mann wirft einen Blick auf seine Armbanduhr – digitale Anzeige, blaues Gummiband – und schlägt vor, daß sie in entgegengesetzte Richtungen auseinandergehen, um den Verfolger zu zwingen, sich für einen von ihnen zu entscheiden.

„Kein Problem,“ erwidert Hank. „Ich gehe zu ihm rüber, das macht die Entscheidung einfach.“

Der Mann scheint für einen Moment nachzudenken, will vielleicht widersprechen, aber er tut es nicht. „Ich melde mich wieder,“ flüstert er und wendet sich ab.

Er geht stadtauswärts über die Brücke, langsam, wie ein Flaneur, der den Abend genießt. Hank begibt sich in die Gegenrichtung und kann, am Ende der Brücke, die Händlerin beim Schmuckwarenstand sehen. Aber er sieht den Mann im schwarzen Hemd nicht.

 

Hank überquert eine von Scootern und Motorrollern umzingelte Kreuzung und erreicht eine Einkaufsstraße. Zuerst geht er weiter, immer geradeaus, umschlossen vom Strom aus Touristen, Bummlern, Händlern.

Irgendwann fällt ihm, auf der Straßenseite gegenüber, der Mann mit den langen, zurückgebundenen Haare auf. Er schreitet unter der Markise eines Gemüseladens hindurch, mit leicht schaukelnden Armen, langsamer als die anderen. Er bleibt stehen, geht weiter, während Hank ihm folgt.

Wirklich auffällig, wie langsam er geht und manchmal zwischen den Passanten stehenbleibt, zwischen telefonierenden Signorine und gestikulierenden Teenagern.

Moment: ist das da vorne nicht – ist das nicht Chiara? Ja, sie ist es. Sie kommt gerda aus einem Buchladen und geht, in der rechten Hand eine Plastiktüte, zur nächsten Kreuzung.

 

Der Mann mit den langen Haaren folgt ihr. Hank zögert. Dann rennt er doch los. Rennt direkt auf Chiaras Verfolger zu, der sich, kurz bevor er ihn erreicht, nach ihm umdreht.

Hank stößt ihn gegen das Schaufenster eines Schuhladens, spürt sofort Fußtritte des Mannes – Schienbein, Oberschenkel – greift nach den zurückgebundenen Haaren und reißt daran. Er knallt den Kopf des Mannes gegen das Schaufensterglas.

Der Mann schlägt um sich. Hank weicht auf die Seite aus und macht, wie im Karate-Training, einen Sprungtritt nach vorn, Mae-Tobi-Geri, in den Bauch des Gegners.

Der Mann landet in der halb geöffneten Tür des Schuhladens, fängt sich wieder, sehr schnell, reißt die Fäuste hoch und schlägt zu, verfehlt Hank knapp.

 

Hank schafft es, ihm einen weiteren Fußtritt zu verpassen, Mae-Kekomi. Der Mann taumelt ins Innere des Ladens.

Die Stimme der Verkäuferin: „No, prego!“

Der Mann schnappt sich aus einem Gestell einen Schuhspanner aus Holz und wirft ihn in Hanks Richtung. Volltreffer, mitten ins Gesicht. Blitzheisses, grelles Feuerwerk im Kopf. Hank taumelt, versucht einen Halbkreisfusstritt, Mawashi-Geri, trifft ein Regal, lässt Sneakers zu Boden regnen, Sandalen.

Der Mann schlingt die Arme um ihn, sie knallen gegen ein Plakat mit langen, schönen Beinen von Gucci, gegen eine Vitrine von Dolce & Gabbana, bevor sie zu Boden gehen. Sie kämpfen sich durch herumliegende Schuhe und Handtaschen, greifen nach Stiefeletten und High Heels mit dünnen, scharfkantigen Absätzen, schlagen zu, schlitzen die Haut auf, hacken sich in Arme und Hände.

 

Giuseppe Gracia ist sizilianisch-spanischer Abstammung, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Schweizer arbeitet als Publizist, Medienberater und Schriftsteller: «Das therapeutische Kalifat» (2018), «Der Abschied» (2017), «Santinis Frau» (2006), «Kippzustand» (2002) u.v.m. Gracia ist fester Kolumnist bei der Schweizer Zeitung «Blick» und publiziert Gastbeiträge in Medien wie NZZ und Focus Online. Als PR-Berater betreut er verschiedene Mandate, u.a. für das Schweizer Bistum Chur.

 

kath.net Buchtipp

Der letzte Feind

Von Giuseppe Gracia

Fontis Verlag 2020

ISBN: 9783038481966

Broschiert, 256 Seiten

Preis: 18,- Euro

 

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

 

Link zum kathShop

 

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz: Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

 

Buchhandlung Provini Berther GmbH, Chur: Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: [email protected]

 

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Lesermeinungen

 Chris2 2. Juli 2020 
 

Klingt zwar sehr interessant.

Aber ob das hier wirklich die ideale Lesprobe für eine katholische Nachrichtenseite ist, da bin ich mir nicht so sicher.


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