30 Juni 2012, 11:07
'Eine homosexuelle Identität ist nicht natürlich oder gegeben'
 
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Menschen die ihre homosexuellen Gefühle verändern wollen, werden heute diskriminiert, sagt Christl Vonholdt im kath.net Interview. Es gibt keine Hinweise, dass Homosexualität angeboren sei, ihre Veränderung ist aber heute ein Tabu. Von Johannes Graf

Reichelsheim (kath.net/jg)
Homosexualität gilt seit fast vierzig Jahren nicht mehr als emotionale Störung. Wissenschaftliche Untersuchungen zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Homosexualität gibt es seither fast nicht mehr. Das diskriminiert Menschen, die sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Gefühle wünschen, sagt die Ärztin Christl Vonholdt, Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft. Sie fühlen sich von einer Gesellschaft alleine gelassen, die nur das „Coming-out“ akzeptiert, wenn homosexuelle Gefühle auftauchen. Diese haben ihre Wurzeln oft in seelischen Verletzungen der frühen Kindheit, worauf viele Forschungsergebnisse hinweisen. Die Veränderung homosexueller Neigungen ist möglich, wenn Motivation, Ausdauer, Mut und einfühlsame Therapeuten vorhanden sind.

kath.net: Homosexualität wurde im Jahr 1973 von der Amerikanischen
Psychiatervereinigung von der Liste der emotionalen Störungen gestrichen und gilt seither zumindest in den westlichen Ländern nicht mehr als psychische Störung. Zeigt die Erfahrung der letzten knapp vierzig Jahre, dass diese Entscheidung richtig war?

Christl Vonholdt:
Es war eine politische Entscheidung, die in einem bestimmten ideologischen Klima und unter enormem politischem Druck gefällt wurde. Neue wissenschaftliche Untersuchungen, die eine Veränderung in der Einschätzung der Homosexualität aus psychologischer Sicht gerechtfertigt hätten, gab es nicht.

Eine Folge der Entscheidung ist, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Ursachenforschung und Therapiemöglichkeiten von Homosexualität in der Öffentlichkeit fast nicht mehr vorkommen. Das diskriminiert Menschen, die mehr darüber wissen möchten, weil sie sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Gefühle wünschen. Homosexualität ist ja weder angeboren noch genetisch festgelegt. Zu Recht befindet der Homosexuellenaktivist und Sexualwissenschaftler Professor Martin Dannecker: „Alle in der Vergangenheit angestellten Versuche, die Homosexualität biologisch zu verankern, müssen als gescheitert bezeichnet werden.“

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Was die psychologische Ursachenforschung angeht: Eine Fülle von Forschungen weist darauf hin, dass homosexuelle Gefühle ihre Wurzeln in individuell erlebten seelischen Verletzungen in der (frühen) Kindheit haben. Hier spielen vor allem eine Rolle: frühe Bindungsverletzungen in der Beziehung des Kindes zu den Eltern, insbesondere zum gleichgeschlechtlichen Elternteil, dann auch Verletzungen in der Beziehung zu gleichgeschlechtlichen Gleichaltrigen und Gefühle des Nicht-Genügens ihnen gegenüber. Sexueller Missbrauch kann eine zusätzliche Rolle spielen. Homosexuelle Gefühle haben ihren Ursprung also oft in bestimmten Traumatisierungen. Wir können sagen, dass Homosexualität der Versuch der Abwehr von Schmerzen ist, die ihre Ursache in einem frühen Bindungstrauma haben. In der Auseinandersetzung mit diesem Trauma und seinen Folgen liegt ein Schlüssel für Menschen, die sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Gefühle und die Entwicklung ihres – in ihrem Körper doch angelegten – heterosexuellen Potentials wünschen. Aufgrund der Entscheidung von 1973 kennen aber immer weniger Therapeuten diesen Schlüssel – und das benachteiligt homosexuell empfindende Menschen, die sich eine Veränderung ihrer Neigungen wünschen, massiv.

kath.net: Sie haben immer wieder mit Menschen zu tun, die mit ihren homosexuellen Empfindungen nicht zurecht kommen. Liegt das nicht – wie Lobbygruppen der Homosexuellen behaupten - am gesellschaftlichen Klima?

Vonholdt:
Ein Freund von mir, der seine Homosexualität als unerwünscht erlebt und sich Veränderung seiner sexuellen Neigungen wünscht, ging zum Therapeuten, der ihm riet, doch lieber in eine Schwulenbar zu gehen. Jetzt geht er zu einem anderen Therapeuten. Dazu muss er aber jeweils eine lange Strecke fahren, denn in seiner Großstadt wüsste er keinen Therapeuten, der ihn in seinem Anliegen kompetent unterstützen würde. Er sagte mir: „Wenn ich mein Coming-out hätte, würde mich meine Familie unterstützen. Weil ich mich aber für den Weg der Veränderung meiner sexuellen Gefühle entschieden habe, bekomme ich keine Unterstützung von meiner Familie.“ – Welchen Mut hat dieser junge Mann, dennoch den Weg, den er für sich als richtig erkannt hat, zu gehen!

Das gesellschaftliche Klima fördert heute viel mehr den Standpunkt seiner Familie als den des jungen Mannes. Unsere Gesellschaft macht es sich zu einfach, wenn sie sagt: Hab doch dein Coming-out, ist doch alles okay. – Nein, es ist nicht alles okay. Homosexuelle Lebensstile sind mit einer deutlich höheren Rate an psychischen Erkrankungen (tiefliegende Ängste, Zwänge, Depressionen), an verschiedenem Problemverhalten und bei Männern auch an körperlichen Erkrankungen verbunden. Obwohl westliche Gesellschaften heute toleranter gegenüber homosexuellen Lebensformen sind, zeigen neue Studien aus der Schweiz, dass psychische Erkrankungen bei homosexuell Lebenden zunehmen. Ebenfalls in der Schweiz war man zu Beginn dieses Jahres aufgeschreckt, weil die HIV-Ansteckungsrate unter homosexuell lebenden Männern auf das Vierfache des Erwarteten anstieg. Menschen, die homosexuell leben, haben eine deutlich höhere Gefährdung für promiskes und zwanghaftes sexuelles Verhalten und innerhalb männlicher Partnerschaften auch eine höhere Gefährdung für Gewalt. Jugendliche, die sich homosexuell verhalten, sind häufiger Täter und Opfer bei sexuellen Verabredungen.

Für diese Probleme und dieses Verhalten kann man nicht einfach die Gesellschaft verantwortlich machen. Die immer wieder gehörte Behauptung, die Probleme seien nur durch eine ablehnende Haltung der Gesellschaft gegenüber Homosexualität verursacht, ist durch nichts zu belegen. Vieles spricht dafür, dass sie intrinsischer Teil homosexueller Lebensstile sind.

kath.net: Sind homosexuelle Neigungen veränderbar? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

Vonholdt:
Menschen, die sich verändern möchten, brauchen eine starke Motivation, Ausdauer und Mut. Sie müssen das feste Vorhaben haben, auf homosexuellen Sex verzichten zu wollen. Veränderung ist kein leichter Weg und Rückfälle sind möglich. Dabei ist wichtig zu wissen: Veränderung homosexueller Gefühle geschieht nicht auf direktem Weg, sondern nur durch eine konstruktive, auch emotionale Auseinandersetzung mit den eigenen Lebenswunden. Nur durch den Schmerz über diese oft sehr tiefliegenden Verwundungen hindurch und durch Trauerarbeit kann es echte Veränderung hin zu einer reifen Heterosexualität geben. Zudem braucht es ein unterstützendes, zugewandtes Umfeld. Oft fühlen sich Frauen und Männer, die sich Veränderung wünschen, alleingelassen. Es braucht einen – wenn möglich gleichgeschlechtlichen – feinfühligen, bindungsorientierten und in der Thematik bewanderten Therapeuten oder Therapeutin.

kath.net: Warum sollen Menschen, die Schwierigkeiten mit homosexuellen Empfindungen haben, diese nicht einfach akzeptieren?

Vonholdt:
Vielleicht haben sehr viel mehr Menschen Schwierigkeiten damit, als wir denken. Ein Mann, der seit vielen Jahren offen homosexuell lebt, sagte mir: „Am Anfang war es für mich auch nicht normal.“ Junge betroffene Menschen haben oft ein feines Gespür dafür, dass homosexuelles Verhalten nicht im Einklang mit ihrem Körper steht, dass auch ihr Körper sie auf die Ergänzung durch das andere Geschlecht verweist. Viele spüren intuitiv, dass homosexueller Sex ihre tiefste Identität als geschlechtliche Person, als Frau oder Mann, nicht widerspiegeln kann. Einige hat es depressiv gemacht zu hören, dass sie sich in einem Coming-out auf die Homosexualität festlegen müssten. Jungen Menschen, die uns um Rat bitten, sollten wir deshalb sagen: Du bist kein „Homosexueller“. Das ist eine Ideologie. Auch du bist geschaffen, um dich durch das andere Geschlecht ergänzen zu lassen. Leg dich nicht auf die Homosexualität fest.

Homosexuelle Gefühle sind ja nicht gewählt. Eine homosexuelle Identität ist aber sehr wohl gewählt – vielleicht, weil Menschen nie die Chance hatten zu hören, dass ihre homosexuellen Gefühle auch auf ungelöste Kindheitskonflikte hindeuten können und eine Arbeit an diesen Konflikten zu einer Abnahme homosexueller Neigungen führen kann. Gerade gestern erfuhr ich von Mitgliedern einer Schwulengruppe, denen zwei Männer etwas über die Veränderung ihrer eigenen homosexuellen Neigungen erzählt hatten, dass sie die Informationen wie einen Schwamm aufsogen und unbedingt mehr herausfinden wollten, ob solche Veränderung vielleicht auch für sie möglich sei.

kath.net: Welche Erfolgsrate hat die Therapie zur Veränderung einer unerwünschten homosexuellen Neigung? Wie geht es Personen, die diese Therapien gemacht haben, nach einigen Jahren?

Vonholdt:
Studien zeigen, dass etwa ein Drittel der Klienten eine Veränderung ihrer Gefühle hin zur Heterosexualität erreicht, ein Drittel eine gewisse Veränderung (z.B. eine Abnahme der homosexuellen Gefühle, aber keine heterosexuelle Anziehung) und ein Drittel keine Veränderung. Im derzeitigen politischen Klima ist es nicht möglich, umfangreichere Forschungen durchzuführen, wie man denjenigen, die keine Veränderung erfahren, besser helfen kann. Allein schon in diese Richtung zu denken, gilt als „homophob“.

Einige Menschen, deren Gefühle sich nicht verändert haben, entscheiden sich für einen Weg der sexuellen Abstinenz. Homosexueller Sex steht für sie nicht im Einklang mit ihrem Körper, ihrer Leiblichkeit, und macht deshalb für sie keinen Sinn.

Junge Menschen, die noch nicht sexuell aktiv waren, haben gute Chancen auf Veränderung. Auf der anderen Seite: Eine Veränderung der Gefühle wird schwerer, wenn psychische Erkrankungen vorhanden sind.

Ergänzend ist zu sagen: Jugendliche mit homosexuellen Gefühlen erfahren – entwicklungsbedingt – nicht selten eine spontane Veränderung hin zur Heterosexualität. Jede Festlegung eines Jugendlichen auf homosexuelle Gefühle, wie das im Coming-out geschieht, kann diese Entwicklung empfindlich stören und blockieren.

Veränderung ist kein „alles oder nichts“. Sie entwickelt sich allmählich, auf einem Kontinuum, dabei kann es auch Rückschläge geben. Homosexuell empfindende Menschen haben tiefe unbeantwortete emotionale Bedürfnisse und oft eine innere „Identitätsleere“ und „emotionalen Hunger“ nach Verbindung mit Personen des eigenen Geschlechts. Diese Bedürfnisse müssen in gesunder, authentischer Weise beantwortet werden, sonst tauchen sie als sexuelles Verlangen wieder auf. Sex kann dieses Verlangen aber nicht stillen, nur betäuben. Wenn Menschen, die sich verändert haben, nicht auf ihre emotionalen Bedürfnisse achten, kann es zu einem Wiederauftauchen homosexueller Gefühle kommen. Ein guter Freund, der vor vielen Jahren einen Weg heraus aus der Homosexualität gegangen ist, verheiratet ist und Kinder hat, sagt: „Eine homosexuelle Versuchung kann ganz gelegentlich noch kommen – wenn ich mich übergangen habe und mich nicht um meine authentischen Bedürfnisse nach brüderlicher Freundschaft mit anderen Männern gekümmert habe.“

kath.net: Warum lehnen Sie die rechtliche Gleichstellung homosexueller
Partnerschaften mit der Ehe ab?

Vonholdt:
Eine homosexuelle Identität ist keine natürliche oder gegebene Identität. Sie widerspricht dem Leib des Menschen. Eine heterosexuelle Identität dagegen ist eine natürliche, gegebene Identität, auch wenn sie verletzt werden kann.

Die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau ist die Verbindung zwischen den Geschlechtern und den Generationen. Damit trägt sie in einmaliger Weise zum sozialen Zusammenhalt und Frieden einer Gesellschaft bei.

Nur die sexuelle Gemeinschaft, die auf der Komplementarität der Geschlechter beruht, kann aus sich heraus Leben weitergeben, hat „Zukunftspotential“ in sich. Es war wohl der Psychoanalytiker Charles Socarides, der sagte: „Eine Gesellschaft, die den Unterschied zwischen Heterosexualität und Homosexualität nicht kennt, ist eine Gesellschaft, die den Unterschied zwischen Leben und Tod nicht kennt.“ – Es gibt übrigens auch homosexuell lebende Menschen, die den Mut haben, sich öffentlich gegen eine rechtliche Gleichstellung zu wenden und von einem „fundamentalen Unterschied“ zwischen homosexueller Beziehung und Ehe zu sprechen.

kath.net: Vielen Dank für das Interview.

Dr. med. Christl Ruth Vonholdt, Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft (DIJG) in Reichelsheim/Odw. Das DIJG ist ein Arbeitszweig der ökumenischen Kommunität Offensive Junger Christen – OJC e.V.

Websites:
www.dijg.de
www.hv-cv.de

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