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Verschnarchte Wetterpropheten

27. Juni 2012 in Deutschland, 1 Lesermeinung
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In Niederbayern steht Deutschlands einzige Siebenschläferkirche - Von Egon Binder und Christoph Renzikowski (KNA)


Rotthof (kath.net/KNA) «Wenn's zu Siebenschläfer gießt, sieben Wochen Regen fließt» - der 27. Juni ist ein wichtiger Lostag im Bauernkalender. An ihm, so weiß der Volksmund, entscheidet sich, wie der Sommer wird. Seinen Namen verdankt der Tag jedoch nicht einem verschlafenen Nagetier, sondern den heiligen «sieben slaffern», die im Mittelalter hoch verehrt wurden. In Rotthof im Landkreis Passau steht Deutschlands einzige Siebenschläferkirche. Denkmalschützer preisen sie als Höhepunkt süddeutscher Rokokokunst.

Die Legende weiß von sieben Brüdern, die sich um das Jahr 250 nach Christus in Kleinasien in eine Höhle bei Ephesus flüchteten, um der Christenverfolgung unter Kaiser Decius zu entgehen. Die Soldaten des römischen Kaisers entdeckten die Männer jedoch, mauerten sie ein und glaubten, den jungen Christen so den Garaus gemacht zu haben. Doch wundersamer Weise fielen die Verfolgten in Dornröschenmanier nur in einen Tiefschlaf, aus dem sie 195 Jahre später wieder erwachten.


Seither wurden sie als Patrone gegen Fieber und Schlaflosigkeit angerufen. Im 18. Jahrhundert erlebte die Siebenschläferwallfahrt ihren Höhepunkt. Allein im Bistum Passau gab es zu ihren Ehren drei Kirchen. Auch in den Koran ging die Geschichte ein. Nach Vieux Marche in der Bretagne pilgern heute noch Christen und Muslime gemeinsam zu den «Sept Saints».

Ins niederbayerische Rottal gelangte die Siebenschläferverehrung durch ein Missverständnis. In die Grundmauern der Kirche von Rotthof sind römische Grabsteine eingelassen, die vom nahe gelegenen antiken Friedhof stammen und als Baumaterial für das Gotteshaus wiederverwendet wurden. Zwei von ihnen zeigen auf der Außenfassade jeweils drei und vier Porträts von Verstorbenen, die von den Gläubigen in der Barockzeit irrtümlich als die «heiligen Siebenschläfer» gedeutet wurden.

1758 entstand der Hochaltar, eine kunsthistorische Rarität. Unübertroffen plastisch haben die Stukkateure Johann Baptist Modler und dessen Sohn Balthasar aus dem nahen Kößlarn die sieben schlummernden Jünglinge ins Bild gesetzt. In einer mit Tuffsteinimitat und echten Muscheln gestalteten Grotte liegen sie ganz entspannt da, umstrahlt von farbigem Licht, das, erzeugt von bunten Kirchenfenstern, durch kleine Löcher in der Höhlenwand
hindurchleuchtet. 2006 wurde das damals 500 Jahre alte Gotteshaus generalsaniert. Gläubige aus ganz Deutschland besuchen es.

Ansonsten ist die Siebenschläfer-Verehrung in Deutschland eingeschlafen. Auch ihren Gedenktag gibt es offiziell nicht mehr. 1969 wurde er aus dem Kirchenkalender gestrichen. Geblieben ist die Wetterregel, die sich auch in Zeiten ausgefeilter meteorologischer Vorhersagen als nur begrenzt treffsicher erweist. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes liegt die Prognosequalität bei 55 bis 60 Prozent.

Wie aber funktioniert der Lostag? Nach Darstellung der Wetterexperten ist nicht ein einziger Tag maßgebend, sondern die Großwetterlage. Bildet sich zwischen Ende Juni und der ersten Julidekade ein kräftiges Azorenhoch, warten die folgenden Wochen meist mit trockenem und sonnigem Wetter auf. Wenn nicht, bringen Tiefausläufer vom Atlantik immer wieder Kaltluft und Schauer.

www.siebenschlaeferkirche.de

(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: (c) Gemeinde Rotthoff


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