18 April 2012, 12:21
Vatikansprecher zur Piusbruderschaft: Noch kein definitives Ergebnis
 
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Auch Piusbruderschaft bestätigt: Meldungen über Einigung mit Rom verfrüht 'Es ist aber nicht bereits alles abgemacht', Vatikanist Tornielli sei 'vielleicht etwas voreilig', man sei 'noch in der Phase des Studierens'

Paris/Bonn (kath.net/KNA) Die traditionalistische Piusbruderschaft bezeichnet Meldungen über eine Einigung mit dem Vatikan als verfrüht. Der Sprecher der Piusbrüder, Alain Lorans, sagte am Mittwoch in Paris der Nachrichtenagentur APIC, man sei «noch in der Phase des Studierens».

Lorans bestätigte Berichte des italienischen Vatikanexperten Andrea Tornielli, nach denen der Generalobere der Piusbrüder, Bernard Fellay, zu Wochenbeginn auf klärende Fragen des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, geantwortet habe. «Es ist aber nicht bereits alles abgemacht», so der Sprecher. Tornielli sei «vielleicht etwas voreilig».

Der italienische Journalist hatte in der in Bonn erscheinenden «Zeit»-Beilage «Christ und Welt» (Onlineausgabe Mittwoch) berichtet, Fellay habe die Lehrmäßige Präambel unterzeichnet zurückgeschickt, die ihm der Vatikan im September zur Zustimmung vorgelegt hatte. Demnach hätten sich beide Seiten auf eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche geeinigt.

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Der Text, den Fellay jetzt nach Rom zurückgeschickt habe, enthält nach Torniellis Angaben «einige wenige Änderungen». Fellay habe zuvor seine Anhänger zum Gebet aufgerufen, damit die Priesterbruderschaft, «die nur das Gute für die Kirche und für die Rettung der Seelen will», die richtige Wahl treffen möge.

In einem weiteren Bericht Torniellis im Magazin «Vatican Insider» hieß es, der Vatikan werde noch am Mittwoch den Eingang des Schreibens bestätigen. Zuerst werde Papst Benedikt XVI. persönlich das Dokument prüfen. Danach sei es durchaus möglich, so Tornielli, dass sich Anfang Mai die Mitglieder der Glaubenskongregation mit der Antwort der Piusbrüder befassten.

Dann werde es noch einige Wochen brauchen, bis eine Personalprälatur für die rückkehrwilligen Traditionalisten eingerichtet sein könnte.

Am Dienstagnachmittag hatte Vatikansprecher Federico Lombardi noch erklärt, bislang sei keine Antwort der Piusbrüder eingetroffen. Er rechne jedoch damit in den kommenden Tagen.

Tornielli berichtet weiter, Fellay habe am Samstag in einer Mitteilung an seine Priester an die Prinzipien erinnert, die die Bruderschaft in ihren Beziehungen zu Rom leiteten. Entscheidend sei dabei, dass von der Bruderschaft keine Zusicherungen verlangt würden, die den Glauben berühren und das, was sich davon ableitet, also Liturgie, Sakramente, Moral und Disziplin. Zudem müsse der Priesterbruderschaft «Freiheit und Aktionsautonomie» garantiert werden, die es ihr erlaube, zu wirken und sich zu entfalten.

Die bislang nicht veröffentlichte Vatikan-Präambel enthält Kriterien zur Interpretation der katholischen Lehre sowie Bedingungen für eine mögliche Überwindung der theologischen Differenzen zwischen dem Vatikan und den Traditionalisten. Diese sind seit einer unerlaubten Bischofsweihe 1988 von Rom getrennt.

Der Text fordere, so Tornielli, eine «religiöse Unterwerfung des Willens und Intellekts» gegenüber den Lehren, die der Papst und das Bischofskollegium vorschlagen, «wenn sie ihr authentisches Lehramt ausüben», auch wenn die Lehren nicht als Dogma proklamiert werden.

Eine Unterschrift bedeute aber kein Ende «der legitimen Diskussion, der Studien und der theologischen Erklärung von einzelnen Ausdrücken oder Formulierungen, die im Zweiten Vatikanischen Konzil enthalten sind».

Fellays erste Antwort zu Jahresbeginn hatte noch deutlich ablehnend geklungen. Am 16. März hatte der Vatikan den Piusbrüdern dann einen weiteren Monat Zeit eingeräumt und vor schweren Konsequenzen im Fall eines Bruchs gewarnt. Danach hatte es versöhnlichere Äußerungen der Bruderschaft gegeben. Der deutsche Distriktobere Franz Schmidberger etwa erklärte, es gebe begründete Hoffnungen für eine zufriedenstellende Lösung.

Als mögliche Lösung, die zu einer Wiedereingliederung der Bruderschaft in die Kirche führen könnte, wird immer wieder der Status einer Personalprälatur ins Gespräch gebracht, die direkt dem Papst unterstellt wäre. Diese Form einer juristischen Person wurde mit dem neuen Kirchenrecht 1983 eingeführt. Bislang kam sie nur beim Opus Dei zum Einsatz.

Tornielli schreibt in «Christ und Welt», etwa ein Viertel der Bruderschaft sei gegen eine Einigung. Dazu gehörten auch die drei vom Gründer Marcel Lefebvre zusammen mit Fellay geweihten Bischöfe, also Bernard Tissier de Mallerais, der Spanier Alfonso de Galarreta sowie der Holocaustleugner Richard Williamson.

Der Vatikan hat eine Antwort des Generaloberen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay, erhalten. Der Text werde jetzt von den zuständigen Stellen geprüft und dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt, heißt es in einem Kommunique der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei vom Mittwoch. Die der Glaubenskongregation angegliederte Behörde ist für den Kontakt zu den Traditionalisten zuständig. Über den Inhalt von Fellays Schreiben verlautete bislang nichts.

Im Gegensatz zu den früheren unbefriedigenden Antworten handele es sich diesmal um einen «Schritt vorwärts und einen ermutigenden Vorgang», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi vor Journalisten. Es handele sich jedoch noch nicht um ein definitives Ergebnis; der Dialog mit der Piusbruderschaft sei noch nicht abgeschlossen. Die Antwort Fellays werde jetzt «binnen kurzer Zeit» von der Glaubenskongregation untersucht, so Lombardi.

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