07 Oktober 2011, 07:32
Erzbischof: Kirche sollte mehr von Himmel und Hölle predigen
 
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Erzbischof Schick: Auch die „letzten Artikel“ unseres Glaubensbekenntnisses seien „nicht beliebig“, sondern „mit ihnen steht und fällt das gesamte Glaubensbekenntnis.“

Fulda (kath.net/dbk) „Umfragen haben ergeben, dass auch viele Katholiken und noch mehr evangelische Christen nicht an ein Weiterleben nach dem Tod glauben.“ Das sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bei seiner Predigt während der heutigen Eucharistiefeier im Rahmen der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Doch auch diese „letzten Artikel“ unseres Glaubensbekenntnisses seien „nicht beliebig“, sondern „mit ihnen steht und fällt das gesamte Glaubensbekenntnis.“

kath.net dokumentiert die Predigt von Erzbischof Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, während der Eucharistiefeier anlässlich der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda am 7. Oktober 2011:
(Die Texte vom Tag: Lesung: Apg 1,12-14; Evangelium: Lk 1,26-38)

Liebe Schwestern und Brüder,

liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonischen Dienst!

1. Bei jeder Bischofskonferenz gedenken wir Bischöfe, zusammen mit Ihnen, den Gläubigen, der seit der letzten Vollversammlung verstorbenen Bischöfe - diesmal sind es Kardinal Georg Sterzinsky, Berlin und Weihbischof Franz-Xaver Schwarzenböck, München und Freising - und feiern für sie die heilige Messe. Wir erinnern uns an das, was sie in ihren Diözesen, in der Deutschen Bischofskonferenz und in der Weltkirche getan, welche Aufgaben sie wahrgenommen und wie sie unter uns gelebt haben.

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Wir beten für unsere Verstorbenen und opfern die heilige Messe auf, weil wir daran glauben, dass das ihnen hilft, in den Himmel zu gelangen. Das Totengedenken soll zugleich uns anspornen, auf dem Weg ins Reich Gottes engagiert und bewusst voranzugehen.

2. Unser katholisches Totengedenken ist nur sinnvoll und mitvollziehbar, wenn wir an die ‚letzten Dinge’ glauben, konkret an die letzten Artikel unseres Glaubensbekenntnisses: „… Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“. Damit sind verbunden: das persönliche Gericht vor Gott nach dieser Erdenzeit, das Fegefeuer, Himmel und Hölle.

An lebendigem und das Leben prägenden Glauben an diese Glaubenswahrheiten mangelt es aber bei vielen. Umfragen haben ergeben, dass auch viele Katholiken und noch mehr evangelische Christen nicht an ein Weiterleben nach dem Tod glauben. Sie glauben nicht, dass der Tod die unsterbliche Seele eines jeden Menschen vor Gottes Angesicht führt und dass Gott jedes Menschenleben richtet, indem ER die guten und bösen Taten beurteilt; sie glauben nicht, dass es den Himmel gibt, in dem die Menschen, die Gott und den Nächsten geliebt haben, ewig selig sind und die Hölle, in der die bestraft werden, die sich dem Werben Jesu Christi durch die Stimme des Gewissens, durch die Predigt der Kirche und durch die Mitmenschen bis zuletzt und endgültig verschlossen haben. Für sie kann – wie für den linken Schächer am Kreuz - selbst Jesus nichts tun, denn er nimmt unseren freien Willen ernst und akzeptiert unsere Entscheidungen; die Hölle bereitet sich der Mensch selbst, indem er sich gegen Gott entscheidet.

Auch das Fegefeuer gehört zu unserem Glauben. Es ist Ausdruck sowohl der Barmherzigkeit als auch der Gerechtigkeit Gottes - gerecht ist Gott, indem er jeden nach seinen Taten beurteilt und barmherzig, indem er die Verstorbenen reinigt, um sie für das ewige Leben tauglich zu machen. Das Fegefeuer ist Bereitung für den Himmel.

3. Diese „letzten Dinge“ sind alle in der Heiligen Schrift genannt. Jesus spricht ausdrücklich vom Tod des Menschen, der ihn zu Gott führt und zum Gericht über die guten und bösen Taten. Er weist auf den Ort der Reinigung hin, aus dem man nur herauskommt, wenn alle Schuld bezahlt ist. Er spricht vom Himmel, als der ewigen Glückseligkeit und von der Hölle, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird. Unser Credo hat diese neutestamentlichen Aussagen aufgenommen und wir bekennen sie bei jedem Sprechen des Glaubensbekenntnisses.

4. Diese „letzten Artikel“ unseres Glaubensbekenntnisses sind nicht beliebig, möglich zu glauben oder auch nicht. Mit ihnen steht und fällt das gesamte Glaubensbekenntnis. Ohne Gott als Richter wird auch der Gott, der Himmel und Erde und den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat, in Frage gestellt. Ohne das Gericht wird die Gerechtigkeit Gottes nicht ernst genommen, der uns den freien Willen gegeben hat; ER lädt uns ein und verpflichtet uns, zum Wohl der Menschen und zum Heil der Welt mitzuwirken. Ohne Himmel und Hölle wird die Ewigkeit Gottes entwertet, an der wir Menschen teilhaben. Ohne das ewige Leben und den Himmel sind auch die Geburt Jesu, sein Leben und Predigen, sein Tod am Kreuz für unsere Erlösung und für unser ewiges Leben sinnlos. Ohne die „letzten Dinge“ braucht es auch nicht den Heiligen Geist, der uns zur ewigen Freude führt und leitet. Der heilige Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15,13-14).

5. Tod und Gericht, Himmel und Hölle, Fegefeuer und Reinigungsort müssen uns nicht erschrecken. Unser Glaube schenkt Freude, macht unser Leben schön und wertvoll über dieses Leben hinaus. Wir sollen alle in den Himmel kommen. Dazu hat uns Gott bestimmt. Denken wir oft über den Himmel nach, dann wird auch unser Leben hier schon himmlischer! Denken wir auch an die Hölle, dann spüren wir, wie fad ein Leben auf Erden nach dem Spruch ist: „Lieber Heidenspaß als Höllenangst“. Der Heidenspaß macht das Leben auf dieser Erde schon zur Hölle, weil er den Mitmenschen aus Egoismus ausnutzt, das Gemeinwohl missachtet, Natur und Umwelt zerstört und sie den nachfolgenden Generationen raubt. Das Denken an das Gericht Gottes hilft, dass wir auf Erden verantwortungsvoll leben. Ohne das Gericht verliert das Leben seine Ernsthaftigkeit, seine Verantwortung, seinen Wert. Der Philosoph Max Horkheimer hat die Frage gestellt: „Warum soll ich eigentlich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?“

6. Wenn wir für die Verstorbenen beten und die heilige Messe für sie feiern, in Ihren Pfarreien und hier im Dom, dann tun wir das, was der katholische Glaube lehrt. In jeder Eucharistiefeier wendet der gegenwärtige gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus den Teilnehmenden und denen, für die sie dargebracht und für die gebetet wird, seine Liebe zu. Er, der Heiland und Erlöser, vergibt in der Eucharistiefeier die Sünden, heiligt uns und entreißt uns „dem ewigen Tod“ (1. Hochgebet). Die Eucharistie ist Feier der Gemeinschaft der ganzen Kirche mit Christus. Sie baut die Kirche auf und schenkt der Welt „alle guten Gaben“.

Die Kirche besteht aus uns hier, aus denen, die schon im Himmel vollendet sind und den Verstorbenen, die gereinigt werden, um in den Himmel zu kommen. Wir sind miteinander verbunden in Jesus Christus, wir sind eine Solidargemeinschaft. Wenn wir das bewusst wahrnehmen und leben, werden wir in jeder heiligen Messe im Glauben, in der Hoffnung und der Liebe gestärkt und fester mit Jesus Christus verbunden.

7. Liebe Schwestern und Brüder!

Es ist wichtig, dass wir in der Kirche wieder mehr vom Himmel und der Hölle, dem Tod und dem Gericht predigen, lehren und sprechen. Das ist für unser Leben hier, für unsere Kirche, für die Gesellschaft und unseren Weg zur Vollendung im Himmel wichtig. Pflegen wir auch das Totengedenken, beten wir für unsere Verstorbenen, feiern wir die Eucharistie für sie. Das hilft ihnen und stärkt uns auf unseren Wegen in die Ewigkeit.
Amen.

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