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Kardinal Meisner: Homosexualität kann wirklich Leid verursachen

6. Juli 2011 in Deutschland, 55 Lesermeinungen
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Kölner Erzbischof über Homosexualität: "Die Aussagen der Bibel zur Homosexualität können daher nicht als zeitbedingt und damit einfach überholt angesehen werden."


Köln (kath.net)
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat einen weiteren Beitrag im Rahmen von "direktzu.kardinal-meisner.de" veröffentlicht und das leidige Thema "Homosexualität" thematisiert. Meisner hat in dem Zusammenhang einen Brief eines schwulen Schreibers beantwortet und klargestellt, dass über die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität viel Halbwissen und viel Falsches im Umlauf sei.

Kath.Net dokumentiert den Beitrag von Kardinal Meisner im Wortlaut:

...über die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität ist viel Halbwissen und auch viel Falsches in Umlauf. Zu den unabdingbaren Voraussetzungen für einen sachlichen und konstruktiven Dialog über dieses Thema zählt daher zunächst eine wichtige Unterscheidung, die viel zu oft unter den Tisch fällt: Die Kirche wendet sich nicht gegen bestimmte Personen oder Gruppierungen, sondern ausschließlich gegen bestimmte Verhaltensweisen. Wer homosexuelle Menschen diskriminiert, verlässt damit den Boden der katholischen Überzeugung. Der Katholische Katechismus mahnt unmissverständlich: „Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen“ (n. 2358).

Zu homosexuellen Praktiken sagt der Katechismus, „dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“ (n. 2357). Und diese Ansicht ist nicht einfach ein Werturteil der Kirche, sondern lässt sich auch schlüssig begründen.


Die Kirche schöpft ihre ethischen Normen sowohl aus der Offenbarung, das heißt aus der Bibel, als auch aus der deutenden und wertenden Beobachtung der Welt – dem „Naturrecht“. Sie stellt fest, dass es eine gegenseitige Hinordnung und Ergänzung der Geschlechter gibt, die nicht nur in leiblicher, sondern auch in seelischer Hinsicht besteht. Diese findet ihr letztes und höchstes Ziel im Weiterschenken des Lebens. Folgerichtig lautet auch die Argumentation des Katechismus gegen homosexuelle Praktiken: „Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit“ (n. 2357). Diese gegenseitige Hinordnung von Mann und Frau ist uns unabhängig vom jeweils subjektiven Gefühl objektiv vorgegeben.

Die Offenbarung, also die biblischen Texte, bestätigen diese naturrechtliche Überzeugung. Die Schöpfungsberichte betonen, dass Mann und Frau füreinander geschaffen sind: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch“ (Genesis 1,27-28). „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch“ (Genesis 2,24). Jesus greift diese Sicht ausdrücklich auf und bestätigt sie (Markusevangelium 10,6-9). Die Aussagen der Bibel zur Homosexualität, z.B. in Genesis 19, 1–29; Römerbrief 1,24–27; 1. Korintherbrief 6,10 oder im 1. Timotheusbrief 1,10, können daher auch nicht als zeitbedingt und damit einfach überholt angesehen werden. Im Ergebnis zeigt sich, dass weder nach der naturrechtlichen Überzeugung noch gemäß den biblischen Aussagen eine praktizierte Homosexualität von der Kirche gutgeheißen werden kann.

Selbstverständlich bin ich mir der Problematik bewusst, dass die kirchliche Argumentation von Voraussetzungen ausgeht, die nicht alle Zeitgenossen teilen. In unserer heutigen Gesellschaft scheint alles – im Zweifelsfall auch die ethische Norm – „machbar“ zu sein und zur menschlichen Disposition zu stehen. Man könnte dies mit einem Mobile vergleichen, das weit und kunstvoll ausgebaut werden soll: ohne Rückbezug auf die uns vorgegebenen Normen schneiden wir den tragenden Faden durch, und so fällt die gesamte daran aufgehängte Konstruktion in sich zusammen. So ergeht es auch der menschlichen Freiheit, wenn sie ihre Verbindung zu Gott kappen will, weil sie sich als unbedingt und folglich als unbegrenzt versteht.

So sehr die Kirche die uneingeschränkte Würde homosexuell veranlagter Menschen betont und sie in die konkrete Seelsorge einbezieht, so wenig kann sie von ihrer grundsätzlichen Überzeugung abrücken, wenn sie sich nicht selbst verleugnen will. Allerdings frage ich mich (und Sie), ob man eine solche Meinungsverschiedenheit nicht in aller Redlichkeit auszuhalten vermag. Homosexualität ist nicht zuletzt insofern ein „leidiges Thema“, wie Sie schreiben, als es wirklich Leid verursachen kann. Auch wenn ein Homosexueller die kirchliche Sicht nicht uneingeschränkt übernehmen will, können beide Seiten gemeinsame Ziele entdecken und sich z.B. energisch dafür einsetzen, dass Homosexuelle nicht diskriminiert werden, dass abfällige Äußerungen über Homosexuelle aus unserer Alltagssprache verschwinden und dass Stammtischgeschwätz seiner Plattheit überführt wird. Ich denke, das wären lohnende Ziele.



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